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"Hätten Püttlachsee doch bauen sollen"

Bürgermeister aus dem Landkreis erlebten in Südböhmen, wie Wasser den Tourismus belebt - 20.10.2017 17:51 Uhr

Holländische Investoren entwickelten den Moldau-Stausee bei Lipno in Südböhmen zu einer touristischen Hochburg. © Reinl


Als der Kreisvorsitzende des Gemeindetags, Stefan Frühbeißer, Bürgermeister und Räte aus dem Landkreis zu einer Informationsfahrt in die Region Budweis eingeladen hat, dachten viele an einen vergnüglichen Bier-Ausflug. Doch schon am ersten Ziel glaubten sie, ihren Augen nicht mehr trauen zu können, präsentierte sich doch die einstige Holzfällersiedlung Lipno als eines der beliebtesten Ausflugsziele Tschechiens.

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Bürgermeister zeigen sich von Südböhmen begeistert

Begeistert kehrten Bürgermeister und Räte aus dem Landkreis Bayreuth von einer Informationsfahrt des Gemeindetags durch die Region um Budweis in Südböhmen zurück. Alles, was sie sich einst für die Fränkische Schweiz gewünscht hatten, fanden sie hier realisiert, dank zahlreicher Investoren vor allem aus den Niederlanden. Der Moldau-Stausee bei Lipno samt seinen Ferienparks, die Bierstadt Budweis, Krumau als "Perle Südböhmens" oder das nach Windsor-Vorbild errichtete Schloss Frauenberg sind heute Touristen-Hochburgen ersten Ranges.


Die Wende kam mit dem Bau des Moldau-Staudamms vor gut einem halben Jahrhundert, dem der gesamte Ort zum Opfer fiel. Als nach der "Samtenen Revolution" die meisten Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren, bemühte sich die Gemeinde um Investoren, die den Tourismus ankurbeln. 1997 wurde sie in den Niederlanden fündig.

Das Ergebnis nötigt Respekt ab: Der Apartmentkomplex Marina Lipno zählt heute zu den größten Yachthäfen Mitteleuropas und passt sich trotzdem hervorragend in die Landschaft ein, weil die geschwungenen Dachlandschaften die Wellen des Sees aufnehmen.

Damit nicht genug: Weitere Geldgeber errichteten einen Wasserpark, ein Skigebiet, Snowboard- und Rodelbahnen, ein Sommertheater, Golfplätze oder einen Baumwipfelpfad. Ein Eislaufmarathon auf dem zugefrorenen See oder die Rafting-Weltmeisterschaft sorgen für Publicity, und selbst als Olympiaort war Lipno schon im Gespräch.

Dass Wasser den Fremdenverkehr belebt, zeigt sich in der einzigartigen Teichlandschaft Südböhmens mit hübsch restaurierten Innenstädten ohne nennenswerten Leerstand, zahlreichen Wellness-Tempeln und einem gastronomischen Angebot, das sich hinter der Genussregion Oberfranken nicht zu verstecken braucht. Da gibt es Fischfeste, ein Gastro-Festival sowie Gourmet-Events rund um Heidelbeeren, Käse, Kraut oder Äpfel. Selbst das typisch böhmische Schweineschlachten wird zelebriert.

Neben der Bier-Hochburg Budweis erleben vor allem die Kleinbrauereien einen Boom. Dabei kann man den Gerstensaft nicht nur trinken, sondern in den dafür nötigen Zutaten auch baden, was sich die Tschechen sogar haben patentieren lassen. Die Möglichkeit, Bier zu zapfen, ist dabei eine angenehme Abwechslung beim Bad im Holzbottich.

Punkten kann die Region nicht zuletzt mit einer Perlenkette von Weltkulturerbe-Sehenswürdigkeiten. Hier reicht die Palette vom Bauernbarock-Dorf Holašovice aus dem 13. Jahrhundert mit seiner einzigartigen Anordnung der 22 Gebäude rund um einen Teich über die Stadt Krumau, die "Perle Südböhmens" am Moldaubogen mit seinen 300 historischen Häusern und der gewaltigen Burg, bis hin zum Schloss Frauenberg, dem nach dem Vorbild von Schloss Windsor in England von den Schwarzenbergern erbaute "Neuschwanstein Böhmens".

Nicht nur Paul Lindner aus Waischenfeld staunte: "Es war sicher ein Fehler, dass wir den Püttlachsee nicht gebaut haben. Jetzt aber müssen wir über die Grenzen hinweg denken, in den Schulen Tschechisch als Fremdsprache anbieten und im Urlaub auch einmal in unser Nachbarland fahren." 

ISI REINL

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