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Seit fast 50 Jahren erforscht der 73-jährige August Schenk die „Vision des Heinrich von Ahorn“ — und das, obwohl der gebürtige Bamberger nicht in der Region, sondern seit 1966 in Heustreu im Rhön-Grabfeld wohnt, wo er bis zur Pensionierung als Lehrer unterrichtete.
Der Text, den Schenk in der „Britisch Library“ in London fand, erzählt die Geschichte von Heinrich von Ahorn und von seinem unfreiwilligen Besuch im Fegefeuer, weil er ein Gelübde, eine Wallfahrt zum Heiligtum von Santiago di Compostella nicht eingelöst hatte.
Das ganze spielte sich in der Burg Ahorn ab. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts soll die Felsenburg dort gestanden haben, wo heute die Klaussteinkapelle und das angrenzende Gehöft stehen. Hier liegt Burgherr Heinrich von Ahorn sterbenskrank auf dem Bett und wartet auf den Tod. Da kommt plötzlich ein grimmiger Mann ins Zimmer und schleppt den Todkranken durch qualmenden Schwefel hindurch „zu den Stätten der Qualen“.
Dort im Fegefeuer trifft er viele Bekannte und Freunde, die ihn bitten, ihre Verwandten zu überreden, mildtätige Spenden an die Kirche zu leisten, damit jene im Fegefeuer endlich „ausgelöst“ werden können. Nach einem kurzem „Besuch“ im Himmel und bei den „Heerscharen“ wird ihm vom Apostel Jakobus aufgetragen, „auf die Welt zurückzukehren, um dein Gelübde zu erfüllen“. Heinrich, soll fortan seine „Vision“ allen Menschen näher bringen, was er dann ausgiebig auf seiner Pilgerfahrt tat.
Mit der Fegefeuervision des Heinrich von Ahorn, die um 1130 entstand, wagte sich Schenk an ein Thema, das Dr. Michel Hofmann, ein gebürtiger Waischenfelder, der als Historiker und Verleger der „Fränkischen Blätter“ schon 1957 eine Übersetzung wagte, wie folgt beschreibt: „Um die Fegefeuervision zu verstehen, muss man um die Volkstümlichkeit des Kultus der Apostel in mittelalterlicher Zeit wissen. Vor allem um die Beliebtheit und Intensität des Apostel Jakobus, den man als engen Vertrauten des Heilands eine besondere Kraft der Fürbitte zuschrieb.“
Der Großteil des Buches beschäftigt sich mit dieser Vision. Ein weiterer Teil widmet sich jedoch der geschichtlichen Bearbeitung der Klaussteinkapelle und ihrer Besitzer. Die Kapelle der Burg Ahorn soll schon Anfang des 12. Jahrhunderts bestanden haben und wurde 1742 romantisch verklärt als „Sankt-Nikolaikirche zum Rabenstein“ betitelt
Bei der Buchvorstellung in Kirchahorn hielt Hans Weisel vom FSV wie üblich eine kurze Einführung zur Vorgeschichte der Bucherstellung und bedachte die an dem Werk beteiligten Personen mit einem Freiexemplar — die einzige Bezahlung für Autor und Helfer.
Weisel verglich die Fegefeuervision mit Dantes „Göttlicher Komödie“, was dem Werk einen überregionalen Charakter verleiht und ein ganz anderes Licht auf die Klaussteinkapelle wirft. „Der Ort des Geschehens war kein Kloster sondern eine Burg, der Gewürdigte kein Mönch sondern ein Edelfreier und die Vision gewährte auch Einblicke in die Fränkische Landesgeschichte“ – sagte der Autor in seiner abschließenden Zusammenfassung.
August Schenk, Der Klausstein in der Fränkischen Schweiz — Ort einer Vision. Verlag Palm & Enke Erlangen. Preis: 19,80 Euro. ISBN 978–3–7896–1700-3.



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