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Sonntag, 17.02.2019

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Heiß begehrt: Fachangestellte für Bäderbetriebe

Viel mehr als Aufsicht am Beckenrand — Fachkräfte sind schwer zu finden - 08.02.2019 09:00 Uhr

Wolfgang Rasch überwacht nicht nur die Sicherheit im Becken, er kümmert sich auch um die gesamte Technik im Pegnitzer Cabriosol — die Aufgaben des Fachangestellten für Bäderbetriebe sind vielfältig. © Ralf Münch


Sebastian Poppek ist Projektleiter bei der Firma GMF. Eine Firma, die Bäder, Wellness- und Sportanlagen betreibt. GMF ist auch zuständig für das Cabriosol. "Hier in Pegnitz haben wir ausnahmsweise Glück. Weil über die ganzen Jahre eine Stammmannschaft aufgebaut wurde. In anderen Bädern, die wir auch betreuen, sieht das aber völlig anders aus. In unserem Unternehmen gibt es immer mehr Stellen, die wir nicht besetzen können. Das ist teilweise ein massives Problem", sagt Poppek. Dort sucht man ununterbrochen nach Fachangestellten.

Eines muss man dabei wissen: Fachangestellte für Bäderbetriebe stehen eben nicht nur am Becken, sondern kümmern sich auch um die komplette Technik eines Bades. Tatsächlich ist es ein kompletter Ausbildungsberuf.

Wolfgang Rasch ist einer von vier Fachangestellten, die sich um einen reibungslosen Ablauf im Cabriosol kümmern: "Ich glaube, dass der Beruf in der Öffentlichkeit gar nicht so bekannt ist. Die meisten Leute wissen nicht, was alles daran hängt. Und dass das der Grund ist, weshalb so viele Betriebe nach Leuten suchen. Dabei haben wir doch einen schönen Job. Wir sind die Einzigen, die selbst im Winter im T-Shirt und in kurzen Hosen am Arbeitsplatz sein können", sagt Rasch. Er hat vor 14 Jahren umgeschult, weil er wegen seines Rückenleidens in seinem vorherigen Job nicht mehr arbeiten konnte.

Bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) war er sowieso, und von einem Bekannten, der bereits Fachangestellter für Bäderbetriebe war, hat er dann schließlich diesen Tipp bekommen. Rasch vermutet, dass der Mangel aber auch an der Bezahlung liegen könnte, im öffentlichen Dienst sind das zwischen 2300 und 2500 Euro — oder auch an den Arbeitszeiten.

"Wenn die Besucher aus dem Schwimmbad heraus sind, dann fängt unsere Arbeit eigentlich erst an. Wir müssen alles desinfizieren, was mit der Haut von Besuchern in Kontakt gekommen ist. Da muss man oft genug sagen, dass man abends nicht auf eine Party, zum Essen oder ins Kino gehen kann", sagt Rasch.

Beim Pegnitzer Ganzjahresbad Cabriosol hat man die Problematik bezüglich des Nachwuchses an Fachkräften erkannt. Und man nimmt deshalb auch am Girls-Day am 28. März teil. Die kaufmännische stellvertretende Betriebsleitung des Bades, Jeannette Kurz: "Wir haben daran schon teilgenommen. Mit mäßigem Zuspruch. Wir hatten es aber auch nicht besonders gut beworben. Nun haben wir es mehr publik gemacht. Diesmal sind es schon vier Mädchen, die in diesen Beruf reinschnuppern wollen."

Unpopulärer Beruf

Wichtig ist der Nachwuchs. Denn der Beruf ist, verglichen mit anderen Berufen, ziemlich unpopulär. Der Auerbacher Bürgermeister Joachim Neuß hat damit auch zu kämpfen. In Auerbach unterhält man ein Hallenbad und ein Freibad. Die beiden Bäder sind nicht gleichzeitig geöffnet. Das Hallenbad in den kalten Monaten, das Freibad im Sommer. Neuß: "Wie in vielen Fachbereichen ist schwierig Personal zu finden. Aber was den Fachangestellten für Bäderbetrieb betrifft, ist es schon sehr schwierig. Dabei ist es meiner Meinung nach eine attraktive und verantwortungsvolle Arbeit", sagt er. Zwar hätte man auch die Wasserwacht oder die DLRG, die aufpassen, dass niemandem im Wasser etwas passiert. Aber es muss immer ein Fachangestellter vor Ort sein.

Bürgermeister Joachim Neuß: "Wer möchte schon in einem Wasser schwimmen, dass möglicherweise mit irgendwelchen Chemikalien überdosiert ist?" In Auerbach hat man drei Fachangestellte. Seit Dezember ist man auf der Suche nach einem weiteren. Bisher ohne Erfolg. Jetzt hat die Stadt die Stellenanzeige ausgeweitet – nicht mehr nur lokal. "Bisher ging immer alles gut. Uns ging es nicht wie vielen anderen Bädern in Bayern, die aufgrund fehlenden Personals nicht öffnen konnten", so der Rathauschef.

"Was das Felsenbad betrifft, ist es nicht so einfach", sagt Bürgermeister Stefan Frühbeißer. Denn die Stadt verpachtet das Felsenbad. Frühbeißer weiter: "Der mögliche Pächter ist auch auf der Suche, es hat sich bisher aber niemand gefunden." 

RALF MÜNCH

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