Freitag, 15.12. - 07:29 Uhr

|

"Helfer vor Ort" bauen Rettungsnetz in Betzenstein auf

Erste Ehrenamtliche haben sich bereits gemeldet, für flächendeckende Versorgung werden aber deutlich mehr gebraucht - 29.09.2017 08:58 Uhr

In Königstein gibt es schon eine „Helfer vor Ort“-Truppe, in Betzenstein soll eine entstehen. Das Bild zeigt die Fahrzeugweihe in Königstein. © Claus Volz


Die Ausgangslage: Betzenstein ist zwar umgeben von Rettungsdienststandorten, aber die sogenannte Rettungsfrist von maximal zwölf Minuten, bis ein Rettungsdienst eintreffen soll, ist auf Betzensteiner Gemeindegebiet im Notfall "an der Kante", so Meyer, egal ob aus Pegnitz, Velden oder Gräfenberg angefahren werde. Die Integrierte Rettungsleitstelle (ILS) in Bayreuth alarmiert jedenfalls immer den Rettungsdienststandort oder das Rettungsfahrzeug, die dem Notfall am nächsten ist.

Um nicht wertvolle Minuten verstreichen zu lassen, wird unter Umständen auch die Feuerwehr Betzenstein alarmiert, "aufgrund der kürzeren Wege", wie Kreisbrandinspektor Werner Otto erklärt. Seit 2012 werde die Feuerwehr verstärkt bei medizinischen Notfällen alarmiert. Die Feuerwehrleute sind zwar in erster Hilfe ausgebildet, haben aber eben nicht unbedingt eine sanitätsdienstliche Schulung als "First Responder" (Sanitäter vor Ort), die gezielter und mit einer entsprechenden Ausbildung eingreifen können, bis der Rettungsdienst und/oder ein Notarzt eintreffen. In Betzenstein hat es seit Anfang des Jahres drei medizinische Notfälle gegeben, in denen die alarmierte Feuerwehr machtlos war und nicht helfen konnte, so Meyer.

Die ehrenamtlichen First Responder bekommen eine intensive, rund 80-stündige Ausbildung — im Falle Betzenstein vom ASB Jura in Velden. Das befähigt sie, bei medizinischen Notfällen die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit qualifizierten basismedizinischen Maßnahmen zu überbrücken.

"Jede Minute, die bei einem Herzstillstand verstreicht, verringert die Überlebenschance um zehn Prozent", weiß Not- und Allgemeinarzt Stefan Bauernschmitt. Eine entsprechende Ausbildung nehme dem Ersthelfer die Angst, bei lebensrettenden Maßnahmen etwas falsch zu machen. Die Ausbildung verschaffe das Rüstzeug, das man braucht, um helfen zu können. "Es lohnt sich wirklich", betont Bauernschmitt.

Dienstbereitschaften würden mit der Integrierten Leitstelle abgesprochen, so Andreas Brunner vom ASB Velden, der die Helfer vor Ort in Königstein mit aufgebaut hat. Es komme auch vor, "dass der Dienst nicht besetzt ist", schränkt Brunner ein, aber das müsse man hinnehmen. Immerhin sei es ein Freiwiligendienst. Brunner betont: "Jede Stunde, in der wir diesen Dienst anbieten können, ist wertvoll und entlastet die Feuerwehren." Es gebe keinen sinnvolleren Ort als Betzenstein, um einen derartigen Dienst aufzubauen.

In Königstein habe man durchwegs nur positives Feedback aus der Bevölkerung erhalten, Sponsoren gefunden und sei auch auf eine hohe Spendenbereitschaft gestoßen.

Organisator benötigt

Brunner hält vor allem eine Person für wichtig, bei der organisatorische Fäden zusammenlaufen und die einen Dienstplan erstellt. In Betzenstein hat sich mit Andrea Carl diese Leitungspersönlichkeit schon gefunden. Immerhin gingen der Informationsveranstaltung zwei Sitzungen eines Helfer-vor-Ort-Arbeitskreises voraus.

Der diensthabende Helfer vor Ort, der auch das entsprechende Fahrzeug vor der Tür stehen hat, wird von der Leitstelle alarmiert, wenn er sich in der Nähe eines Notfalls befindet. Angesichts der Entfernungen, die zwischen Betzensteiner Gemeindeteilen teilweise zurückgelegt werden müssen, ist nicht immer garantiert, dass ein Helfer vor Ort schnell beim Notfallpatienten ist. "Es bleibt trotzdem ein Gewinn, auch wenn die Entfernungen groß sind", ist Bauernschmitt überzeugt: "Wir werden keine flächendeckende Abdeckung haben", gibt Meyer zu. "Aber jeder Fall, in dem wir retten können, ist ein Gewinn". Man müsse die Wahrscheinlichkeit insgesamt erhöhen, dass schnelle Hilfe komme. Unterstützung für den Aufbau eines Ersthelfer-Netzes gibt es vom ASB Jura und vom ASB Pegnitz.

Bürgermeister Meyer stellte die Anschubfinanzierung durch die Stadt Betzenstein in Aussicht. Er werde dem Stadrat die Kostenübernahme für die Anschaffung eine Fahrzeugs und der nötigen Ausrüstung zur Abstimmung vorlegen. Sponsoren sollen gesucht werden und man will Spenden einholen.

Das weitere Vorgehen des Arbeitskreises: Zunächst sollen möglichst noch weitere Helfer vor Ort durch persönliche Ansprache gefunden werden. Sieben Personen meldeten sich bei der Informationsveranstaltung, die bereits über einen entsprechenden Sanitäts-Ersthelferlehrgang verfügen. Zwei weitere wollen sich demnächst vom ASB Jura ausbilden lassen: vom 11. November bis 16. Dezember dieses Jahres, jeweils an den Wochenenden. Eine weitere Informationsveranstaltung soll noch mehr Zusagen für den Ersthelferdienst bringen.

Dabei regte Plechs Bürgermeister Karl-Heinz Escher an, auch die Bürger der Marktgemeinde Plech mit einzubeziehen. Deshalb findet die öffentliche Veranstaltung am Donnerstag, 19. Oktober, im Feuerwehrhaus Ottenhof statt. Um 19 Uhr wird dort erneut über das Projekt informiert.

Im Anschluss daran — um 20 Uhr — treffen sich dann an selber Stelle die Interessenten für diesen Dienst zu ersten organisatorischen Besprechungen.

Wer sich den Helfern vor Ort anschließen möchte, kann sich bei der VG Betzenstein, Telefon (0 92 44) 9 8 5 2 0, melden. 

KLAUS TRENZ

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Betzenstein