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Illegale Container in Pegnitz und Auerbach

Bundesweit tätige Firmen bringen ihre Sammelboxen in die Städte und nehmen Vereinen Profit weg - 16.02.2016 16:55 Uhr

Blechcontainer gibt’s billig in Rumänien. Tausende davon werden platziert, sogar in Dörfern um Pegnitz. Angemeldet sind die Aktionen nicht.

Blechcontainer gibt’s billig in Rumänien. Tausende davon werden platziert, sogar in Dörfern um Pegnitz. Angemeldet sind die Aktionen nicht. © Ralf Münch


Es ist ein Problem, mit dem seit Novellierung des sogenannten „Kreislaufwirtschaftsgesetzes“ vor gut einem Jahr immer mehr Kommunen zu kämpfen haben. In Blitzaktionen und oft ohne Genehmigung kommen die Altkleidercontainer in die Stadt. Das „wilde Containern“ ist ein Auswuchs dieses Gesetzes, das es ermöglicht, Sammlungen beim Landratsamt anzuzeigen. Gewerbliche Sammlungen sind aber nur zulässig, soweit dieser Sammlung nicht „überwiegend öffentliche Interessen“ entgegenstehen.

Im Landratsamt wurden nach der Änderung des Gesetzes genau 28 gewerbliche und 29 gemeinnützige Sammlungen (17 davon von Vereinen und karitativen Einrichtungen aus dem Landkreis) von Altkleidern angezeigt, sagt Pressesprecher Michael Benz. „Untersagungen hat das Landratsamt bisher nicht ausgesprochen.“

Keine Konkurrenz zulassen

Die Stadt Auerbach allerdings weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, den Firmen Herr zu werden. Jedoch sagte Bürgermeister Joachim Neuß im vergangenen Jahr, dass die Aufstellung ohnehin keine Chance auf eine Genehmigung hat. „Denn wir unterstützen die örtlichen Sammler.“

Gut erhaltene Stücke können in der Kleiderkammer der Arche abgegeben werden. Altkleider sammeln auch regelmäßig der SV 08 und das Rote Kreuz, so Neuß.

Aktuell (wir berichteten) hat die Stadt wieder illegale Container entdeckt. Werner Gradl, Leiter des Ordnungsamtes, bat die Firmen schriftlich, sie zu entfernen — und fügt hinzu: „Wir stehen in Verhandlungen mit der Polizei.“ Mehr will er wegen des schwebenden Verfahrens nicht sagen.

Im Vorjahr, erinnert er sich, standen zwei Container auf öffentlichem und einer auf privatem Grund. Nachdem die Firma lange nicht reagierte, kamen sie in den Bauhof und wurden irgendwann verschrottet.

„Keine Probleme“

Andreas Berner, für die Ordnung in Pottenstein zuständig, teilt mit, dass sich die Stadt auf der einen Seite auf die Meldung von Bürgern verlässt, andererseits die Hauptstandorte in der Kommune immer wieder abfährt. „Wir haben aber keine Probleme“, sagt er. „Toi, toi, toi.“

Zuletzt gab es einige Sammlungen mit Wäschekörben, aber keine Container ohne Genehmigung. In diesem Fall würde Berner sofort die Polizei anrufen, damit diese die Firma ermittelt. Denn Berner weiß: Oft antwortet auf einen anruf beim firmentelefon nur der Automat mit „Wir rufen Sie gerne zurück“ oder es geht eine Mailbox ran. Berner sagt: Die Polizei hat da oft die bessere Handhabe.

Ein „illegaler“ ist bekannt

„Die Stadt Pegnitz hat momentan Kenntnis von einem illegal aufgestellten Altkleidercontainer in einem Ortsteil", teilt Bürgermeister Uwe Raab mit. „Sobald wir davon wissen, wird der Aufsteller kontaktiert und aufgefordert, den Container zu entfernen.“

Klappt das nicht, wird der Container erst einmal auf städtische Kosten entfernt, gegen Rechnung. Raab argumentiert wie sein Bürgermeister-Kollege Neuß: „Grundsätzlich duldet die Stadt keine Altkleidercontainer von privaten Unternehmen“ — um die Vereine zu schützen, die sich sehr engagiert um die Altkleidersammlung kümmern und davon leben. Die Stadt könne allerdings nur bei Containern auf öffentlichem Grund ein Verbot aussprechen, „auf Privatgrundstücken sind uns die Hände gebunden“.

Auch die Diakonie, welche die Kleiderkammer in Pegnitz betreibt, kennt diese Machenschaftenvon schwarzen Schafen und Trittbrettfahrern, die vom teuren Abgabesystem der Wohlfahrtsverbände profitieren wollen. Die Leute müssten sich bewusst machen, dass nicht alle Sammlungen einem guten Zweck dienen.

In der Kleiderkammer selbst ist kein Rückgang an Altkleiderabgaben zu verzeichnen, sagt Mitarbeiterin Monika Sigl. Rund 900 große Säcke werden dort pro Jahr abgegeben. Acht Ehrenamtliche sortieren sie für Begünstigte. „Unseren Spendern ist wichtig, wer die Sachen bekommt.“

Die Konkurrenz ist eigentlich nicht groß in der Stadt: Ab und an sammeln Vereine, zum Beispiel indem sie Waschkörbe zum Befüllen verteilen. Der ASB sammelt zum Beispiel nur noch auf der eigenen Wache in Velden, sagt der Vorsitzende Roland Löb, „denn die Menschen waren undiszipliniert und haben allerlei Müll eingeworfen“. Doch auch wahre Schätze waren darunter.

Eine Firma, die schnell viel Geld mit den mehr oder weniger wertvollen alten Teilen machen will, kommt aus Hessen. Sie lässt von einem Berliner Unternehmen 10 000 Container in der Bundesrepublik aufstellen. 80 Lastwagen fahren für sie durch die Republik. 

ANDREA MUNKERT

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