Sonntag, 24.03.2019

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Jetzt gilt es für Auerbacherin: 46 Tage ohne Plastik

Lisa Sattler will in der Fastenzeit auf das umweltschädliche Verpackungsmaterial verzichten - 09.03.2019 19:39 Uhr

So viel Müll nach Fasching am bronzenen Auerochsen gelegen war, passt bestimmt nicht in Lisa Sattlers Einmachglas. © Foto: privat


Besonders die nächsten zwei Wochen werden schwierig. Eigentlich wohnt Lisa Sattler in Heidelberg, sie studiert dort Germanistik. Schon vor der Fastenzeit hat sie Gemüse und Obst ohne Plastik drumherum gekauft. "In so einer großen Stadt wie Heidelberg ist das nicht schwer. Dort gibt es ein paar Läden, in denen man Lebensmittel unverpackt kaufen kann."

Momentan sind aber Semesterferien, Lisa Sattler verbringt die nächsten zwei Wochen in der Heimat bei ihren Eltern. Auerbach ist nicht Heidelberg. Sattler muss also erfinderisch sein — und auf Sachen verzichten, die sie hier nicht unverpackt bekommt. Das trifft zum Beispiel auf Nudeln zu. "Ich werde stattdessen auf Kartoffeln umsteigen", sagt Sattler und lacht.

Momentan hat sie noch Spaß an ihrem ungewöhnlichen Fasten. Wobei der Verzicht für sie nicht neu ist. Sie hat schon Fleisch weggelassen oder Alkohol, also eher gewöhnlich gefastet. Warum diesmal Plastik? "Ich befasse mich schon länger mit Umweltfragen. Ich möchte mein eigenes Konsumverhalten überdenken."

So lange sie noch bei ihren Eltern ist, hat Lisa Sattler im Kühlschrank ihr eigenes Fach. Sie hat sich vorgenommen, die Familie zu bekochen. "Und wenn meine Mutter etwas kocht, das mit Plastik verpackt war, esse ich nicht mit", verspricht Sattler. Für die Eltern sei das in Ordnung. "Ich glaube aber, dass sie noch nicht wissen, was auf sie zukommt."

Beginn morgens im Bad

Die Tochter weiß dagegen, was sie sich da vorgenommen hat. Die Umstellung bei der Ernährung ist lediglich ein Teil des Verzichts. Für sie ist der Bereich Haushalt zentral, insbesondere da, wo normalerweise Reinigungsmittel zum Einsatz kommen, also beim Waschen, Abspülen und Putzen. "Auch auf Staubsauger- und Müllbeutel, also Restmüll, werde ich verzichten müssen", sagt Sattler. Plastik-Fasten beginnt für sie schon morgens im Bad. Die Zähne putzt sie sich mit einer Zahnbürste aus Bambus, die Zahnpasta — in herkömmlicher Form kaum ohne Plastik zu kriegen — nimmt sie als aufschäumende Tabletten zu sich. "Das ist nicht verkehrt, die Pads schmecken nach Pfefferminze." Das Deo kommt aus einer Glasflasche, so auch die Cremes. Das Schminken fällt für die nächsten sechs Wochen aus, auch Mikroplastik ist eben Plastik. "Für manche Frauen ist das sicherlich ein schweres Opfer, aber ich schminke mich sowieso nur dezent." Und falls Sattler in der Zeit bis Ostern mal mit ihren Studienfreunden in Heidelberg feiern geht, dann bleiben die Augenringe am nächsten Tag halt sichtbar. Apropos Feiern gehen: "Es kann schon sein, dass ich schief angeschaut werde, wenn ich den Cocktail ohne Strohhalm haben will. Aber das ist dann eben so."

Einmachglas als Mahnmal

Bei allen guten Vorsätzen: Dass es nicht ganz ohne Plastik gehen wird, ahnt Sattler. Deshalb hat sie sich ein großes Einmachglas gekauft, Fassungsvermögen 1,5 Liter. Da rein wird Sattler all die unvermeidbaren Sünden packen. Nach der Fastenzeit wird sie den Plastikmüll wie Milliarden andere Menschen in eine Tonne kippen — oder das Einmachglas bekommt einen Ehrenplatz auf ihrem Schreibtisch. "Als Mahnmal", wie sie sagt.

Zukunftsmusik. Erstmal muss Sattler bis Ostern überstehen. Ausnahme wird ihr Handy sein, Sattler weiß natürlich, dass ihr Smartphone zu einem gewissen Teil aus Plastik besteht. Sollte es aber in den nächsten sechs Wochen seinen Geist aufgeben, will Sattler ein altes Gerät nehmen oder auf die mobile Erreichbarkeit verzichten, aber auf keinen Fall ein neues kaufen.

Es gibt jetzt jedenfalls keinen Weg zurück mehr. Lisa Sattlers Vorhaben steht in der Zeitung, sie hat es auch — inklusive Müllbild vor dem bronzenen Auerochsen — bei Facebook gepostet. Was die User dazu schreiben, spiegelt die Meinung in Sattlers Umfeld wieder: "Die meisten Leute finden es ziemlich gut." Dass es manche sogar so gut finden, dass sie sich an Sattler ein Beispiel nehmen und mitmachen, ist ihre Hoffnung. Geteiltes Leid ist eben halbes Leid — das gilt wohl auch fürs Plastik-Fasten. 

MARCEL STAUDT

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