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Kampftanz zur Musik der Sklaven

Capoeira hält in Pegnitz Einzug — Fließende Bewegungen — Wille entscheidend - 28.01. 19:00 Uhr

PEGNITZ/CREUSSEN  - Paulo Mendes (46) trägt eine gehäkelte weiße Mütze. In der rechten Hand hält er einen Schlagstock und eine Holzrassel. Mit der linken Hand drückt er einen Musikbogen, Berimbau genannt, an sich. Zwischen Daumen und Zeigefinger hat er eine Münze geklemmt. Paulo Mendes macht Musik und singt auf portugiesisch Lieder dazu, die eine Geschichte erzählen.

Paulo Mendes spielt das Berimbau — das klassische Capoeira-Instrument. Es ist ein Musikbogen aus Holzstab, Metallsaite und Klangkörper. Außerdem hält der Musiker eine Holzrassel, einen Schlagstock und eine Münze. Der Capoeira-Meister gibt den Rhythmus vor, seine Schüler stimmen, in einem Kreis um die Kämpfer stehend, mit in den Gesang ein.
Paulo Mendes spielt das Berimbau — das klassische Capoeira-Instrument. Es ist ein Musikbogen aus Holzstab, Metallsaite und Klangkörper. Außerdem hält der Musiker eine Holzrassel, einen Schlagstock und eine Münze. Der Capoeira-Meister gibt den Rhythmus vor, seine Schüler stimmen, in einem Kreis um die Kämpfer stehend, mit in den Gesang ein.
Foto: Lenk
Paulo Mendes spielt das Berimbau — das klassische Capoeira-Instrument. Es ist ein Musikbogen aus Holzstab, Metallsaite und Klangkörper. Außerdem hält der Musiker eine Holzrassel, einen Schlagstock und eine Münze. Der Capoeira-Meister gibt den Rhythmus vor, seine Schüler stimmen, in einem Kreis um die Kämpfer stehend, mit in den Gesang ein.
Paulo Mendes spielt das Berimbau — das klassische Capoeira-Instrument. Es ist ein Musikbogen aus Holzstab, Metallsaite und Klangkörper. Außerdem hält der Musiker eine Holzrassel, einen Schlagstock und eine Münze. Der Capoeira-Meister gibt den Rhythmus vor, seine Schüler stimmen, in einem Kreis um die Kämpfer stehend, mit in den Gesang ein.
Foto: Lenk

Mendes ist Capoeira-Meister. Er gibt den Rhythmus vor, seine Schüler stimmen, in einem Kreis stehend, mit in den Gesang ein, klatschen ausdauernd. In der Mitte des Kreises, der auf portugiesisch „Roda“ genannt wird, wirbeln zwei weiß gekleidetet Capoeiras über den Boden. Wie zwei Schlangenmenschen winden sie ihre Körper, zucken vor oder zurück, schwingen blitzartig ihre Beine und stützen sich mit den Armen am Boden ab, als wollten sie zu einem Überschlag ansetzen.

Finten und Akrobatik


Oliver Hofer (r.) und Milan Flach (l.) wirbeln über den Boden. Der Kampftanz basiert auf einem System ungeschriebener Regeln mit Bewegungen, Tritten, Finten und Akrobatik.
Oliver Hofer (r.) und Milan Flach (l.) wirbeln über den Boden. Der Kampftanz basiert auf einem System ungeschriebener Regeln mit Bewegungen, Tritten, Finten und Akrobatik.
Foto: Irene Lenk
Oliver Hofer (r.) und Milan Flach (l.) wirbeln über den Boden. Der Kampftanz basiert auf einem System ungeschriebener Regeln mit Bewegungen, Tritten, Finten und Akrobatik.
Oliver Hofer (r.) und Milan Flach (l.) wirbeln über den Boden. Der Kampftanz basiert auf einem System ungeschriebener Regeln mit Bewegungen, Tritten, Finten und Akrobatik.
Foto: Irene Lenk

Capoeira ist ein rituelles Kampf-Tanz-Spiel, entwickelt von Sklaven in Brasilien. Es basiert auf einem System ungeschriebener Regeln mit Basisbewegungen, Tritten, Ausweichbewegungen, Finten und Akrobatik.

Der Pegnitzer Oliver Hofer (39) ist diesem Kampftanz seit sieben Jahren verfallen. „Und ich bin lange noch nicht am Ende“, sagt er. Ein Spitzenmann benötigt rund 20 Jahre, ehe er Capoeira perfekt beherrscht. Je nach Können zeigt die Farbe einer Kordel, welchen Grad der Träger hat.


Hofer ist mit dem Kampftanz das erste Mal bei einem Workshop an der Universität Bayreuth in Berührung gekommen, dann hat er in Nürnberg trainiert, ehe er in Creußen eine Gruppe ins Leben gerufen hat. Doch der Zulauf ist nicht überwältigend. Deshalb wird künftig nicht mehr in der Dreifachturnhalle in Creußen trainiert, sondern im alten Feuerwehrhaus am Wiesweiher in Pegnitz. Jeden Freitag von 18 bis 19.30 Uhr wird die Gruppe ab dem 3. Februar dort unter der Anleitung von Paulo Mendes üben. Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren können kommen.

Der Mann aus São Paulo ist ein Meister (Mestre P. Sorrisa). Er wirkt ruhig, zurückhaltend, fast ein wenig schläfrig. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Bei der Capoeira geht es nicht darum, mit martialischem Auftritt den Gegner einzuschüchtern. Im Gegenteil: Es soll ein falscher Eindruck erweckt werden. Der Kontrahent soll sich in Sicherheit wiegen.

In früheren Zeiten durften die Capoeira-Schüler nicht zeigen, wie kräftig sie wirklich sind, wenn andere potenzielle Gegner dabei zusahen. Sie sollten eher den Eindruck von Schwächlingen erwecken. Dies konnte in einem Kampf entscheidend sein.


Der Kampftanz basiert auf einem System ungeschriebener Regeln mit Bewegungen, Tritten, Finten und Akrobatik, wie Hofer beim Handstand zeigt.
Der Kampftanz basiert auf einem System ungeschriebener Regeln mit Bewegungen, Tritten, Finten und Akrobatik, wie Hofer beim Handstand zeigt.
Foto: Irene Lenk
Der Kampftanz basiert auf einem System ungeschriebener Regeln mit Bewegungen, Tritten, Finten und Akrobatik, wie Hofer beim Handstand zeigt.
Der Kampftanz basiert auf einem System ungeschriebener Regeln mit Bewegungen, Tritten, Finten und Akrobatik, wie Hofer beim Handstand zeigt.
Foto: Irene Lenk

Paulo Mendes lebt seit 1991 in Deutschland, der Liebe wegen kam er nach Europa. Seitdem lehrt er Capoeira in ganz Nordbayern. Was zeichnet einen Capoeira aus? „Der Wille ist entscheiden“, sagt der Mestre. Dann können die Schüler in drei bis fünf Jahren ein gewisses Niveau erreichen. Das Schöne an Capoeira sind die Bewegungen“, so Mendes. Immer flüssig sollten sie sein. Es gibt eine Vielzahl an Bewegungen und Kombinationen. Alle werden aus der Ginga (Grundbewegung) heraus ausgeführt.

Es gibt Schläge, Tritte, Ausweich- und Fluchtbewegungen und Ausschmückungen wie Salto, Korkenzieher oder den gedrehten einhändigen Handstand. „Wir sind vorsichtig, simulieren den Kampf nur“, so Oliver Hofer.



Für Malte Groth (43), der zu der kleinen Gruppe gehört, steht mehr das Spielerische im Vordergrund. „Dieser Sport fördert einen guten Muskelaufbau.“

Milan Flach (23) betreibt seit sechs Jahren Capoeira. Der Student aus Bayreuth hat Capoeira zufällig auf einem Campingplatz an einem Strand in Italien gesehen. „Der Kampf ist reine Improvisation“. sagt Milan Flach. Aber das Training verlangt einiges ab. Vor allem Rücken- und Oberschenkelmuskulatur würden sehr belastet.

„Capoeira ist gut für Motorik, Koordination, Kraft, Geschicklichkeit, Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsfähigkeit“, sagt Paulo Mendes.

Gesetzlich verboten

Der Kampftanz ist aber auch ein Teil der brasilianischen Kultur. Sklaven entwickelten diese Kampftechnik vor rund 400 Jahren, um sich gegen bewaffnete Sklavenjäger wehren zu können. Als Capoeira wurde ursprünglich ein Tanz der Sklaven im kargen Buschland bezeichnet, das nach Brandrodungen wieder nachwuchs. Diese gerodeten Flächen wurden in der Sprache der Indios „capu era“ genannt. Von 1890 bis 1937 wurde die Capoeira gesetzlich, unter Strafandrohung von zwei bis sechs Monaten Gefängnis, verboten.

Inzwischen ist Capoeira weltweit verbreitet. Es gibt verschiedene Schulen, die sich stark in Trainingsmethoden, Schwerpunkt und Stil unterscheiden. Es gibt die Angola- oder Regional-Schulen. Capoeira Regional wird nach den Methoden von Mestre Bimba vermittelt, Capoeira Angola beruft sich vor allem auf Mestre Pastinha und stellt traditionellere Bewegungen in den Vordergrund

„Capoeira ist Vergnügen, Capoeira ist ein Fest, Capoeira ist Freude... aber im richtigen Moment ist sie Verteidigung“, so Mestre João Pequeno, einer der Wegbereiter der heutigen Capoeira. 



HANS-JOCHEN SCHAUER

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