Montag, 18.02.2019

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Kinderwünsche können wahr werden

In Bayreuth entsteht ein privates Fruchtbarkeitszentrum mit drei erfahrenen Medizinern - 11.02.2016 18:59 Uhr

Chef der Bayreuther Kinderwunsch-Klinik: Miguel Hinrichsen © Foto: privat


Nach dem juristischen Aus der Vorgängerklinik, bedeutet das einen Neuanfang. Und keinen leichten. Denn über dem Standort Bayreuth hängt noch immer ein Schatten.

In Deutschland gibt es 120 Einrichtungen, die bei Schwangerschaften der Natur auf die Sprünge helfen dürfen. Die Gesetze sind streng, das Embryonenschutzgesetz gilt unter Fachleuten als besonders restriktiv. Aber die Nachfrage ist groß.

Weil die Frauen in Deutschland immer später Kinder bekommen, wächst der Markt für Reproduktionsmediziner. „Zwölf bis 15 Prozent der Paare schaffen es nicht, ohne ärztliche Unterstützung eine Schwangerschaft zu erzielen“, sagt Hinrichsen. Dazu komme, dass in Deutschland Beruf und Familie nicht wie in anderen Ländern aufeinander abgestimmt werden könnten.

Frühzeitig spezialisiert

Aufgewachsen ist der Mediziner in Argentinien, seine Ausbildung erhielt er in Buenos Aires, München und Tübingen. Früh spezialisierte er sich auf Fortpflanzungsmedizin. Er hat Standorte in Hamburg und Kassel. Und jetzt in Bayreuth, wo er sein Fertility-Center am Freitag, 19. Februar, eröffnet.

Er rechnet mit einer vierstelligen Zahl von Paaren und bis zu 600 Befruchtungen im Reagenzglas. Die Zahlen sind Hochrechnungen, die auf seiner Praxis in Kassel basieren, die ein kleineres Einzugsgebiet hat als die in Bayreuth.

Ein wachsender Markt, relativ niedrige Preise für Kinderwunschmedizin und der nächste Konkurrent in Erlangen – das macht Bayreuth für Reproduktionsmediziner interessant. Auch das Klinikum Bayreuth hat gemeinsam mit der Frauenklinik der Uni Erlangen und der Klinik Amberg versucht, den Sitz zu bekommen und eine Babywunsch-Praxis an der Klinik Bayreuth zu installieren. Und gegen Hinrichsen verloren.

„Alles korrekt gelaufen“, sagt Klaus Henneking, der Ärztliche Direktor des Klinikums Bayreuth, als fairer Verlierer. Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums seien die Voraussetzungen nicht erfüllt gewesen. Auch ein Widerspruch gegen die Entscheidung sei nicht erfolgversprechend gewesen.

„Mit dem Konzept der MVZ Fertility-Center Bayreuth GmbH können die Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte, wirtschaftliche und leistungsgerechte Versorgung in Bayreuth vollständig und zeitnah umgesetzt werden“, sagt ein Sprecher des Ministeriums. Die Genehmigung ist abhängig von Experten. Es braucht Biologen und speziell ausgebildete Frauenärzte.

In Deutschland liegen die Medikamentenkosten für die Behandlung von Kassenpatienten bei 1600 Euro, die für eine künstliche Befruchtung bei etwa 3700. In anderen Ländern sind die Preise oft doppelt so hoch.

Unter Umständen bezahlt in Deutschland die Krankenkasse die Hälfte von drei Versuchen, schwanger zu werden. Dass es trotzdem viele ins Ausland zieht, liegt am deutschen Verbot der Eizellen-Spende: Damit kann eine fruchtbare Frau einer anderen eine Eizelle spenden, die dann befruchtet wird. Ansonsten seien, so Hinrichsen, die deutschen Methoden genauso gut wie die anderer Länder.

Die Praxis, in die Hinrichsen „einen niedrigen siebenstelligen Betrag“ investiert, wird mit drei Ärzten starten: Neben ihm der ärztliche Leiter Rainer Mogalle (67), Urte Reinhardt (49) und als Psychosomatiker der Bayreuther Arzt Ulrich Megerle, der seine Praxis an Hinrichsen verkauft hat. Aber „alles neue Gesichter, wir fangen ganz neu an“, sagt Geschäftsführerin Sandy Kätzel (47).

Völlig neuer Start

Auch Hinrichsen betont das. Denn auch wenn die Praxis als „Nachfolgepraxis“ gehandelt wird, hat sie nichts mit dem Bayreuther Arzt zu tun, der wegen Steuerhinterziehung und Verstoß gegen das Embryonenschutzgesetz im vergangenen Jahr verurteilt worden ist. Übrig geblieben von der „alten“ Praxis ist nur der Kassensitz, den die „Neuen“ kaufen mussten, um sich in Bayreuth niederzulassen. Auch an einem neuen Standort: in der Friedrich-von-Schiller-Straße.

Die Neuen werden keine Schönheits- und auch keine frauenärztlichen Operationen durchführen. Die 400 Quadratmeter große Praxis ist nur für „Hormonstörungen und den unerfüllten Kinderwunsch“ da. 

OTTO LAPP

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