Montag, 25.03.2019

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Kirchahorn: "Hauptamtlicher" Bürgermeister

Knappe Mehrheit für Änderung der Postenbeschreibung im Gemeinderat Kirchahorn - 27.10.2018 07:57 Uhr

Nachdem Ahorntals Bürgermeister Gerd Hofmann zurückgetreten ist, gestaltet sich die Wiederbesetzung des Postens schwierig. Ein "Hauptamtlicher" soll es jetzt richten. © Hans-Jochen Schauer


Jetzt passiert, was Gerd Hofmann bei seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen Anfang September im Gespräch mit unserer Zeitung ins Spiel gebracht hatte: "Das Gremium wird sich überlegen müssen, ob diese Funktion ehrenamtlich machbar ist." Er habe da angesichts seiner eigenen Erfahrungen erhebliche Zweifel. So sah das auch Johannes Knauer (CWU), seit eineinhalb Wochen Zweiter Bürgermeister. Gut, in den bürgermeisterfreien Wochen sei einiges liegen geblieben – "aber es hängt schon wirklich sehr viel dran an dieser Aufgabe, wie ich in diesen Tagen gemerkt habe".

Auch wenn dieser Schritt natürlich einen gravierenden Einschnitt in die Gemeindefinanzen bedeute: "Ich bin für einen hauptamtlichen Bürgermeister." Weil der sich eben rund um die Uhr um die Kommune kümmern könne, dafür die nötige Luft und den Kopf frei habe.

"Massiver Widerstand"

Die meisten Ahorntaler sähen das anders, sagte dazu Winfried Haas (FWA). Dies hätten zwei von den Freien Wählern initiierte Bürgergespräche zu diesem Thema gezeigt: "Da gibt es massiven Widerstand, 90 Prozent sind für den ehrenamtlichen Bürgermeister." Der könne das mit "gutem Personal in der Verwaltung" durchaus stemmen, meinte auch Reinhold Schoberth (CSU). Was Manfred Herzing (FBA) unterstrich: "So viele Zusatzaufgaben sind da seit den Zeiten von Herbert Dannhäußer auch nicht dazugekommen, ein hauptamtlicher Bürgermeister ist auch kein Heilsbringer." Das zeige die Situation in Fichtelberg. Und eine Aufwandsentschädigung von rund 4000 Euro sei ja "schon gutes Geld als Ausgleich für seine Arbeit". Entscheidend sei die Funktion des Geschäftsleiters, wenn dieser Posten kompetent besetzt sei, "ist das zu bewältigen".

Widerspruch von Thomas Nägel (CWU), der selbst schon einmal als zweiter Bürgermeister tätig war. Das Bürgermeisteramt sei mit "sehr viel Arbeit verbunden". Und sein Fraktionskollege Matthias Brendel legte nach: "Wir haben einen Fünf-Millionen-Etat, wollen ein Rathaus bauen, haben zahlreiche Feuerwehren, dazu kommen mehr als ein Dutzend Beschäftigte – das ist ehrenamtlich nicht zu leisten."

So oder so wisse man nicht, wer da letztlich Bürgermeister wird, so Marcel Dielesen (CWU). Ein Berufsbürgermeister habe aber die nötige Zeit, sich ein Netzwerk aufzubauen, über das die Gemeinde auch an Fördermittel herankommen kann – "das könnte die Mehrkosten rasch kompensieren". Auch Thomas Nägel war der Ansicht: "Das rechnet sich, wobei keiner in die Glaskugel schauen und wissen kann, wie der künftige Bürgermeister tickt." Dann brauche man aber keinen Geschäftsleiter mehr, konterte Winfried Haas. Doch, der sei grundsätzlich unverzichtbar, sagte Peter Thiem (FBA), selbst in dieser Funktion im Gößweinsteiner Rathaus aktiv. Und: "Eine Gemeinde lässt sich nicht in Teilzeit führen."

Mehr als verdoppelte Kosten

Bisher schlugen die Kosten für einen ehrenamtlichen Bürgermeister mit 53 000 Euro im Gemeindeetat zu Buche, für einen hauptamtlichen werden 116 000 Euro im Jahr fällig. Aus Sicht von Johannes Knauer "gut investiertes Geld, obwohl das natürlich eine schwierige Entscheidung ist". Gerd Hofmann attestierte er, in den ersten drei Jahren nach seinem Amtsantritt "sehr gute Arbeit" geleistet zu haben. Der Ärger danach habe auch mit seiner Doppelbelastung zu tun, "das sollte sich nicht wiederholen, man muss auch an die Gesundheit eines Bürgermeisters denken".

Am Ende votierten Johannes Knauer, Matthias Brendel, Thomas Nägel, Marcel Dielesen, Stephan Wickles (alle CWU) sowie Alexander Brendel (JA) und Peter Thiem für einen hauptamtlichen Bürgermeister, Winfried Haas, Manfred Herzing, Monika Grüner-Schürer, Reinhold Haas (alle Freie Wähler) und Reinhold Schoberth dagegen.

Das Landratsamt plant, die Wahl eines neuen Bürgermeisters für Sonntag, 27. Januar, anzusetzen. 

STEFAN BRAND

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