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Kriegsspiele in der Fränkischen Schweiz auch nach 1945

Alljährlich im Winter Großmanöver mit Tausenden von Soldaten und Panzern - 12.03.2018 12:44 Uhr

Hunderte von Panzern wurden am Pegnitzer Bahnhof auf Güterzüge verladen.


Es "manövert" wieder auf den Höhen um Pegnitz, im Forst bei Auerbach und bei Leups, auf der B2 bei Leupoldstein oder im Raum HoIIfeld, schrieben die Nordbayerischen Nachrichten vor genau 40 Jahren: "Insgesamt 16.000 Bundeswehr- und US-Soldaten mit rund 7500 Fahrzeugen machen die Straßen in Oberfranken und im Norden der Oberpfalz unsicher und - nach eigenem Selbstverständnis - den Frieden sicherer. Etwa 1000 Kettenfahrzeuge, davon 300 Panzer aller Ausführungen, 40 Kampfhubschrauber und sechs Hubschrauber des US-Sanitätsdienstes werden zwischen Forchheim, Coburg, Hof, Weiden, Amberg und Nürnberg bewegt, auf breiten Straßen wie auf Feldwegen, auf verschneiten Wiesen und manchmal auch durch Vorgärten. Die Manöverschäden sind jetzt schon beträchtlich, auch wenn die Witterung einigermaßen passt. Für die Soldaten vielleicht weniger als für die Bauern, die nicht ganz so tiefe Furchen in den gefrorenen Boden ihrer Ländereien bekommen."

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Fränkische Schweiz alljährlich Schauplatz für Großmanöver

1nsgesamt 16.000 Bundeswehr- und US-Soldaten mit rund 7500 Fahrzeugen, darunter etwa 1000 Kettenfahrzeuge, davon 300 Panzer aller Ausführungen, 40 Kampfhubschrauber und sechs Hubschrauber des US-Sanitätsdienstes waren vor 40 Jahren an einem groß angelegten Manöver im Raum Pegnitz-Auerbach und der Fränkischen Schweiz beteiligt.


Die 1. US-Panzerdivision aus dem Mittelfränkischen sowie die 12. Bundeswehr-Panzerbrigade aus Amberg wurden damals in zwei "Parteien", eine orange und eine blaue, aufgeteilt und "ins Manöver geschickt". Die ganze Nacht über brummten Helikopter über Pegnitz, rasselten Kettenfahrzeuge die B2 hinauf und hinunter. Am Sportflugplatz auf dem Zipser Berg stand ein Lazarett mit einer ganzen Batterie an Hubschraubern, eine Attraktion für jung und alt. Bei Troscbenreuth wurde ebenso ein "Mini-FIiegerhorst" eingerichtet.

Dazwischen Panzer im Wald, Panzer im Straßengraben (freiwillig), Panzer auf der Staatsstraße nach Troschenreuth, so dass der Verkehr stockte, zum Gaudium der Schulkinder, die auf dem Heimweg so ganz bequem die stählernen Ungetüme vom Fensterplatz des Postbusses aus bestaunen konnten.

Verkehrsbehinderungen durch Manöver

Insbesondere die Hügel rund um Pegnitz oder strategisch wichtige Punkte wie die Hohenmirsberger Platte waren regelrecht belagert. Überall in den Wäldern stand schweres Gerät. Das sorgte dafür, dass es auch nach Ende des Wintermanöver zu massiven Verkehrsbehinderungen kam, bis die Fahrzeuge wieder in ihre Standorte zurückgebracht waren. Die für den Raum Pegnitz - Auerbach zuständige Manöverleitung etwa warnte die Bevölkerung vor Militärkolonnen, die sich auf den Bundesstraßen 2 und 85 sowie auf der Autobahn Bayreuth - Nürnberg durch die Landschaft wälzten.

Ein Dreh- und Angelpunkt war der Bahnhof in Pegnitz, von dem aus nach detaillierten Abmarschplänen tonnenschwere Panzerfahrzeuge per Bahn abtransportiert und Panzergrenadiere in die Kasernen zurückgefahren wurden. So wurden hier zwei Güterzüge mit jeweils 22 Wagen beladen, um die rund 100 Panzer sowie unzählige Lastwagen und Jeeps wieder in ihren Stützpunkt nach Illesheim zurück zu transportieren. Die Bahnhofstraße in Pegnitz war hierfür stundenlang gesperrt.

Die Manöverschäden auf den Fluren und Straßen, im Wald und "auf der Heide" waren enorm, auch wenn der über Nacht gefallene Neuschnee viele Spuren zugedeckt hat. Bisweilen scheinen die Panzerbesatzungen auch Spaß am Kriegsspiel gehabt zu haben: wenn etwa Panzerspuren plötzlich von der Straße abwichen, 30 Meter im Acker verliefen und wieder auf festen Untergrund zurückführten.

Für die Gemeindeverwaltungen begann die eigentliche Arbeit erst nach Manöverende, wenn es galt, mit eigens eingesetzten Kommissionen die Schäden an der Flur sowie an Straßen und Gebäuden zu beziffern. Wenigstens ein Trost blieb: Meist wurde so großzügig entschädigt, dass manche Straße und mancher Weg neu hergerichtet werden konnte.  

Kurt Tauber/Richard Reinl

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