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Nicht nur in Schwabach, auch im anheimelnden, kunsthistorisch ohnehin erwärmenden Ambiente der schönen Pegnitzer St. Bartholomäuskirche erfreuten sich viele Besucher an diesem dritten Advent an der beliebten musikalischen Botschaft Bachs.
Jörg Fuhr, umsichtiger Leiter der gut zweieinhalbstündigen Aufführung der fünf (von sechs) dargebotenen Kantaten, hielt die Zügel mit taktakkuratem Schlaggestus konzentriert in der Hand.
Bereits im berühmten Eingangschor des „Jauchzet, frohlocket“ wählte er ein flottes Tempo, als wolle er damit die von Bach geforderte Einstimmung von „Fröhlichkeit“ zusammen mit der rund 60-köpfigen Kantorei von St. Bartholomäus textfolgsam umsetzen.
Dass es sich beim historischen Instrumentarium der „Neuen Nürnberger Ratsmusik“ nicht um „alte und gebrauchte“, etwaige minderwertige Instrumente handelte, wie früher ein Besucher gemutmaßt hatte, sondern um einen hellwachen, pastoral charakterisierenden Klangkörper handelte, war durchgängig hörbar. Die „Sinfonia“ in der zweiten Kantate, mit den vier Oboen und Holzflöte, geriet in ihrem weichen Klang zu einem im besten Sinne naiv-berührend pastoralen Hirtenidyll.
Konzentriert agierte die Continuo-Gruppe in den Rezitativen. Die Soloinstrumente setzten — statt prunkvollen Glanzes — auf schlicht gestaltendes Musikantentum. Wacker und weitgehend sicher bestritten Trompeten und Pauken ihre heiklen Partien in den „Jubelchören“ der Kantaten.
Das Miteinander, die Balance zwischen Instrumentalisten, Solisten und Chor, funktionierte kollegial, die dramaturgischen Anschlüsse waren stringent.
Die Vokalsolisten agierten weitgehend souverän, obwohl drei von ihnen kurzfristig wegen Erkrankung der Erstbesetzung eingesprungen waren.
Tenor Rüdiger Husemeyer bewältigte seine Partie als Evangelist rechtschaffen, dynamisch bisweilen zurückhaltend, neutral in der dramatischen Gestaltung.
Silke Mändls Sopran kennzeichnete lebendiger Leggiero-Ausdruck: Im oboengeführten Duett der dritten Kantate „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen“ nahm sie sich zusammen mit ihrem Basskollegen wohltuend die Freiheit der Leichtigkeit. Die Sopranistin zeigte in der französischen Taktverspieltheit ihrer Arie „Nur ein Wink von seinen Händen“ graziöse Entschlossenheit gepaart mit angenehm leichter Stimmschärfe. Das war charmant opernhaft, wies auf den weltlichen Arienursprung hin: Bach hat ja — nach damals gängiger Praxis — viele Teile seines Oratoriums aus weltlichen Kantatenvorläufern übernommen, überarbeitet, „parodiert“ wie der Fachjargon lautet.
Margit Diefenthals Altarien waren in der ruhevollen Wärme ihrer Singstimme, in der gepflegt schlichten Melosführung und durchdachter Verzierungskunst der „Da-Capi“ durchwegs liedhafte Ruhepunkte, ästhetische Höhepunkte.
Markantere, voluminösere stimmliche Männlichkeit wäre der Basspartie von Michael Albert zuträglich gewesen.
Der Chor zeigte sich ambitioniert, ging die Choräle im entschlossenen Forte an, bewältigte polyphone Anforderungen (Eingangschor der fünften Kantate) aufgekratzt und transpositionsbewusst, artikulierte verständlich und bezwang mit trotzig-mutigem Affektwillen das polyphonale Gewirr der „stolzen Feinde“. Da konnte sich der Zuhörer getrost zurücklehnen, wusste sich musikalisch gekonnt verteidigt!
Die tiefere Grundstimmung des musikalischen Geschehens kam einer leichteren Bewältigung von Höhen und Sprüngen im chorischen Einsatz entgegen, bewahrte vor Ermüdungserscheinungen. Das erwies sich als kluger Nebeneffekt der historisierenden Musizierweise.
Schlüssig und begeisternd wie den Beginn wählte Kantor Jörg Fuhr auch für den Schlusschor der sechsten Kantate temporeiche, muntere Virtuosität, von den Trompeten in ihrer waghalsigen Partie mutig mitgetragen. Das Publikum zeigte sich erfreut, applaudierte anhaltend für diese erwärmende, gelungene musikalisch-spirituelle Einstimmung auf Weihnachten.



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