21°

Donnerstag, 21.06.2018

|

Lernwerkstatt ist Zentrum des Kindergartens Trockau

St. Thomas Kindergarten geht besondere Wege, um Mädchen und Buben aufs Leben vorzubereiten - 13.03.2018 16:28 Uhr

Iwona Brütting ist die Leiterin des St. Thomas Kindergartens in Trockau. In der Lernwerkstatt übt sie mit Vorschulkindern, beispielsweise Steckperlen stecken. © Ralf Münch


Vor sechs Jahren war sie schon mal in der Einrichtung, dann in Kirchahorn, nun ist sie wieder zurückgekommen. "Von zwei bis sechs Jahren, das ist doch ein tolles Alter bei Kindern. Zu sehen, wie sie sich entwickeln", sagt sie.

Ein wesentliches Herzstück in Trockau ist die Lernwerkstatt, neben Gruppenraum, Turnhalle, Klassenzimmer, Werkstatt, Küche, Aula und Entspannungsraum. Außerdem gibt es einen großzügigen Garten. Der eingruppige Kindergarten ist mit 24 Buben und Mädchen voll besetzt, acht davon sind Vorschulkinder. "Hier sind wir zu flexiblen Inhalten umgestiegen, um besser auf die Schule vorzubereiten", sagt Brütting. Sie will nicht wie bisher starr an Modellen festhalten, sondern sich mehr an den Bedürfnissen der Kinder orientieren. Da wird zum Beispiel das Zahlenland durch eigenes Entdecken von Zahlen auf Verkehrsschildern oder Hausnummern ergänzt. Es wird die phonologische Bewusstheit gefördert mit Vorbereitung aufs Schreiben, mit Reimen und Schwungübungen. "Alles spielerisch und wir gehen individuell auf die Kinder ein."

Die Vorschulkinder gehen jeden Tag für etwa eine Viertelstunde in die Lernwerkstatt und können dort machen, was sie möchten. Ob Steckperlen stecken, Musik machen, aus Holzklötzen nach Vorlage bauen. Dazu kommt einmal wöchentlich eine externe Vorschulerziehung. Während dieser Zeit sind die acht Kinder "Wir ab 4" in der Lernwerkstatt. "Wir fördern die Kinder situationsorientiert", sagt Brütting. Da kann es auch sein, dass sie Yoga mit ihnen macht. "In der Schule wird viel verlangt, die Kinder sind überfordert und können nicht entspannen", sagt die Erzieherin. Auch darauf werden sie in der Einrichtung vorbereitet. Je nach Bedarf, wo das einzelne Kind steht.

Heimat aus der Luft

Einmal wöchentlich gibt es ein Vorschulprojekt und eine Projektgruppe der "Wir vor 4"-Kinder. Zurzeit geht es um das Thema Heimat. Brütting zeigt ein Plakat mit Luftaufnahmen der Heimatorte der Kinder. Sie gehen in die Orte, besuchen sich gegenseitig.

"Eine feste Struktur ist schon wichtig, auch Rituale", sagt Brütting. Die hat man ja im Tagesablauf mit Morgenkreis, gemeinsamer Brotzeit, Freispielzeit, angeleiteten Beschäftigungen oder Stuhlkreis. So hat Brütting zum Beispiel eingeführt, dass die Kinder nicht wie bisher aus Dosen essen und aus Flaschen trinken, stattdessen gibt es Teller sowie Namensbecher und der Tisch wird gedeckt.

Die Buben und Mädchen sollen aber auch die Möglichkeit haben, sich frei zu entfalten. "Die Struktur soll aber nicht zu eng sein, ich will das Ganze etwas entzerren, bräuchte eigentlich mehr Zeit", sagt Brütting. Die Betreuungszeit geht momentan von 7 bis 14 Uhr. Da wird es schon mal eng. Der Personalschlüssel ist gut. Zusammen mit zwei Kinderpflegerinnen – eine in Vollzeit, eine 15 Stunden die Woche – betreut Brütting die Kinder. Am Anfang war es nicht einfach, die Eltern von dem neuen Konzept zu überzeugen. Aber inzwischen sind alle davon überzeugt. 

FRAUKE ENGELBRECHT

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Trockau