Dienstag, 13.11.2018

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Letzter Besuch in der alten Heimat?

Gruppe um den Trockauer Pfarrer Josef Hell bei Kirchweih und Bischofsweihe im Banat - 13.08.2018 17:59 Uhr

Die Trockauer Gruppe um Pfarrer Josef Hell (r.) beim privaten Treffen mit dem am selben Tag geweihten neuen Bischof von Temeswar, József Csaba Pál (l.). © Reinl


"Die ersten fanden den Tod, die zweiten die Not und erst die dritten das Brot", so wird landläufig das Schicksal der Donauschwaben in ihrer neuen Heimat, dem Banat, umschrieben. Man müsste eigentlich zwingend noch die vierten mit aufführen, die die einstige Kornkammer Rumäniens nach dem politischen Umsturz wieder verlassen haben, in der Sorge, das Tor aus der jahrhundertelangen Unterdrückung könne nur eine begrenzte Zeit offen sein.

Tausende haben seither dem Land entlang der Marosch wieder den Rücken gekehrt, so viele, dass die Rumänen vielerorts inzwischen wieder unter sich sind. Waren etwa in der Heimatstadt von Josef Hell in Sanktanna einst über 7000 Deutsche registriert, so sind davon nur rund 300 übrig geblieben. Und in Gutenbrunn empfing die Mesnerin ihren ehemaligen Pfarrer vor zwei Jahren mit den Worten: "Sie sind genau einen Tag zu spät gekommen: Gestern haben wir hier den letzten Deutschen begraben."

Jetzt waren noch einmal Tausende Deutsche in der Geburtsstadt des Nobelpreisträgers Stefan Hell und der volkstümlichen Schlagersängerin Mara Kayser, angereist auch aus Trockau und Bayreuth. Es war vielleicht das letzte Großaufgebot, bevor diese 300-jährige Besiedlungsgeschichte endgültig zur Historie wird. Der Anlässe gab es genug: 270 Jahre Kirchengemeinde, ein verheerender Dorfbrand vor 160 Jahren, 150 Jahre Mutter Anna-Kirche und 130 Jahre Dreifaltigkeitsdenkmal.

Empfang im Rathaus, Gulaschessen und Kirchweihtanz waren interessante Randerscheinungen, wichtiger aber waren Begegnungen mit früheren Nachbarn, die man oft jahrzehntelang nicht mehr gesehen hatte.

Lieblos, aber pflegeleicht

Besucht wurden die einstigen Wohnhäuser, die lieblos, aber pflegeleicht zubetonierten Gräber am Friedhof und natürlich die wenigen noch zurückgebliebenen Verwandten, die sich immer noch autark versorgen mit ein paar Schweinen, Hühnern und Tauben sowie Spalieren von Obstbäumen im Garten. Natürlich gab es Selbstgebrannten in Plastikflaschen mit auf den Heimweg.

Monsignore Andreas Straub hielt nicht nur eine leidenschaftliche Predigt im Festgottesdienst, er wurde anschließend auch zum Kirchweihtanz aufgefordert. © Reinl


Der nicht nur in Trockau bestens bekannte Monsignore Andreas Straub, der passend zum Jubiläum seinen 82. Geburtstag feierte und am Taufstein in seiner Heimatkirche in Neu-Arad ein Loblied anstimmte, redete der Kirchweihgemeinde in einer ungemein leidenschaftlichen Festpredigt ins Gewissen, trotz aller räumlicher Distanz zusammenzuhalten und Freud‘ wie Leid zu teilen. Was aber werden die 300 verbliebenen Sanktannaer denken, wenn all die "Flüchtlinge" nach dem Kirchweihspektakel wieder entschwunden sind, fragt man sich zwangsläufig.

Bischöflicher Auftrag für Pfarrer Josef Hell

Einer, der auch in den nächsten Jahren gewiss in seine Heimat zurückkommt, ist Pfarrer Josef Hell, der jetzt noch einen Grund mehr hierfür hat, wurde doch mit József Csaba Pál einer seiner Studienkollegen zum neuen Bischof von Temeswar geweiht. Der Oberhirte hatte auch gleich einen Auftrag für Hell: "Du musst mir helfen, die Verbindungen zwischen dem Banat und den Banater Schwaben in Deutschland zu pflegen und zu intensivieren. Das schaffe ich alleine nicht." 

ISI REINL

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