11°

Dienstag, 24.10. - 13:26 Uhr

|

Maloche am Bolzplatz in Haag

Flüchtlinge werden auf den Arbeitsmarkt vorbereitet - 07.09.2017 15:49 Uhr

Zurzeit sind die Teilnehmer des Projektes „Natürlich arbeiten“ in Haag auf dem Bolzplatz eingesetzt. Hier sind sie mit Arbeiten am Basketballfeld beschäftigt. Auch in Creußen und Prebitz stehen solche Einsätze an. © Frauke Engelbrecht


Anfangs sei es etwas ungewohnt gewesen, sagt Aljumaa. "Wir arbeiten sonst nicht so schnell, machen öfter Pausen." Der 21-jährige Syrer kam vor einem Jahr und sieben Monaten mit seinem Bruder nach Deutschland. In seiner Heimat war er im PC-Bereich tätig, hat aber auch in der Türkei längere Zeit als Metallgießer gearbeitet. Insgesamt 24 Tage war er auf der Flucht, jetzt lebt er in Bad Berneck.

Für Aljumaa und die anderen Syrer waren vor allem die Fachbegriffe, die zu der Tätigkeit gehören, ungewohnt. "Hammer, Schaufel, pflastern", listet er auf. In Haag richten sie am Bolzplatz das Basketballfeld und eine Feuerstelle her.

Vorher waren sie schon in Creußen und haben am Spielplatz im Rosental einen Tast- und Fühlpfad angelegt. Als nächstes wechseln sie in die Gemeinde Prebitz und werden dort in Bieberswöhr am Gemeindezentrum arbeiten.

"Ich möchte auch andere Arbeiten ausprobieren", sagt Aljumaa. Und vor allem hofft er, durch das Projekt einen Arbeitsplatz zu bekommen. Das Miteinander mit den deutschen Teilnehmern empfindet er als positiv, auch wenn es manchmal die eine oder andere sprachliche Barriere gibt.

"Das Projekt soll in erster Linie dazu dienen, den deutschen Arbeitsmarkt kennenzulernen", sagt Andreas Karl, Geschäftsführer des Jobcenters. Auch die Zusammenarbeit mit den deutschen Teilnehmern hält er vor allem für ideal, um die Sprachkenntnisse zu verbessern. Gleichzeitig dient die Teilnahme an dem Projekt dazu, eventuelle Wartezeiten zwischen Sprachkursen zu überbrücken.

"Das Ganze ist ein wichtiger Schritt zu einer späteren Arbeitsaufnahme", so Karl. Die Arbeiten, die in dem Projekt ausgeübt werden, müssen von öffentlichem Interesse sein. Diese sollen Firmen aber keine Arbeit wegnehmen, betont er. Gleichzeitig soll keine gesetzliche Verpflichtung zur Durchführung für die beteiligten Kommunen bestehen.

Schnellere Integration

Als einen Schubs ins kalte Wasser bezeichnet Stefanie Rühr, Regionalleiterin bei Transfer, das Projekt. Die Teilnehmer würden damit den handwerklichen Bereich, der oft noch unbekannt ist, gut kennenlernen. "Diese handlungsorientierte Maßnahme trägt maßgeblich zu einer beschleunigten Integration in Deutschland bei", sagt sie.

"Natürlich arbeiten" findet in Zusammenarbeit mit drei Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft Creußen (VG) — der Stadt Creußen sowie den Gemeinden Haag und Prebitz — statt. Die VG stellt dabei die Einsatzorte, die Materialien und Werkzeuge zur Verfügung. Mitte Mai war das Projekt mit 15 Teilnehmern gestartet, das bis Mitte Dezember laufen soll.

Finanziert wird es vom Jobcenter. Als eine große Chance, in Deutschland und auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, bezeichnet es VG-Vorsitzender Martin Dannhäußer, Bürgermeister von Creußen. Und auch sein Haager Amtskollege, Robert Pensel, sieht das Projekt als eine gelungene Sache.

"Am Ende des Tages sehen, was man gemacht hat und diese Leistung auch honorieren, ist eine wichtige Erfahrung", so Pensel. Positive Erfahrungen bei den bisherigen Arbeiten hat auch Fachanleiter Dietrich Götze gemacht. Er begleitet die Teilnehmer bei ihren Einsätzen und erklärt ihnen, wie was gemacht wird.

Er lobt den Fleiß der Leute, manchmal aber fehle es noch an gewissen Feinheiten bei den Arbeiten. Auch das sei etwas, was eben erst gelernt werden müsse. 

FRAUKE ENGELBRECHT

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Creußen