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Mittelschulen in der Region kämpfen ums Überleben

Kleine Standorte sind mittel- bis langfristig gefährdet - 10.09.2014 17:17 Uhr

Auch in Auerbach wurde die Mittelschule 2010 eingeführt (Bild). Der Standort ist sicher. Gefährdet sind hingegen die kleineren Schulstandorte in der Region. Zum einen geht die Zahl der Kinder insgesamt zurück, zum anderen drängen immer mehr Schüler auf Gymnasium oder Realschule. © Foto: Schülerzeitung Auerbach


Bereits seit 2012 gehen die jetzigen zehn Neuntklässler aus Creußen an die Sammetschule (davon vier auf den M-Zug). Ab nächster Woche kommen dazu: elf Fünftklässler, davon vier Ganztagesschüler, sowie 15 Siebtklässler, davon drei Ganztags- und zwei M-Schüler. Auch zwei Klassenlehrer müssen deshalb die Creußener Robert-Kragler-Schule verlassen. Einer wechselt nach Pegnitz, einer nach Bayreuth.

„Wir können keine Klassen mit zehn bis zwölf Schülern halten. Das geht zulasten der anderen Schulen des Verbunds“, erklärt Zimmermann, man käme sonst nicht mehr mit den Lehrerstunden hin. 1,8 pro Schüler gibt es da, die sinnvoll verteilt werden müssen.

Eine Kompensation sei nur möglich, wenn die Klassenstärke erhöht werden kann oder Gruppenzusammenlegungen möglich sind. Und deshalb werden in Creußen nun auch die beiden verbleibenden Klassen gemeinsam in Sport unterrichtet. „Das geht aber nicht in allen Fächern“, betont Zimmermann.

Der Mittelschulstandort in Creußen bleibt durch den Verbund aber vorerst erhalten, ist theoretisch auch mit nur einer Jahrgangsstufe machbar. Man müsse nun abwarten, wie sich die Schülerzahlen und das Übertrittsverhalten entwickeln.

„Die Akzeptanz fehlt“

Zimmermann hat Verständnis, dass Eltern sich die beste Ausbildung für ihre Kinder wünschen. „Aber es ist eben nicht jeder geeignet für eine sogenannte weiterführende Schule“, sagt er. Das zeige auch die Zahl der Rückläufer, die es immer wieder gibt. Wesentlich sei, dass vielen nicht die Möglichkeiten der Mittelschule bewusst sind. Zimmermann: „Es fehlt an der Akzeptanz in den Köpfen.“

Schwierig sei es momentan, langfristig zu planen, so der Rektor. Das müsse immer von Jahr zu Jahr geschehen. Vom Kultusministerium gebe es die Aufforderung, die fünften Klassen so zu bilden, dass sie bis zum Abschluss an der Schule verbleiben.

Woran liegt es, dass in Creußen zwei weitere Klassen wegfallen? „Die Übertrittsquote ist gleich“, sagt Rektor Richard Deinzer. Sie liegt so um die 75 Prozent. Es ist die demografische Entwicklung.

Auch Deinzer sieht ein großes Problem darin, dass die Mittelschule nicht genügend anerkannt ist. „Nicht nur Realschule und Gymnasium sind weiterführende Einrichtungen, sondern auch die Mittelschule.“

„Es kommt immer auf die Verhältnismäßigkeit an“, erklärt der zuständige Schulrat Werner Lutz, warum die Creußener Kinder nach Pegnitz kommen und nicht umgekehrt. Man müsse gegenüberstellen, wie viele Schüler am Standort sind und wie viele fahren müssten.

Lutz bedauert, dass durch die jetzige Situation keine jungen Lehrkräfte nach Creußen kommen werden. „Das wäre aber grundsätzlich nötig, weil die Pensionierungswelle kommt und die Zahl der Lehrkräfte um die 60 wie ein Berg vor uns steht.“

Trotz des Weggangs der zwei Pädagogen und der Verschiebung von Fachlehrerstunden sieht Lutz die Sicherheit des Creußener Schulstandortes gewährleistet.

Um die Standorte zu erhalten, schlossen sich in den vergangenen Jahren Hauptschulen zu Schulverbünden zusammen. Auf diese Weise haben Schüler flächendeckend einen Zugang zu den wesentlichen Bildungsangeboten der Mittelschule.

Mittelschulen garantieren flächendeckend einzeln oder in Schulverbünden den Schülern eine breite Palette pädagogischer Elemente in ihrem Bildungsangebot. Die Mittelschule umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 9 oder 5 bis 10. Der Unterricht ist stark auf berufsbezogene Inhalte ausgerichtet.

Rückläufige Tendenz

Peter Danninger ist Koordinator des Schulverbundes Sulzbach-Auerbach, zu dem auch die Standorte Neukirchen, Königstein, Etzelwang, Edelsfeld, Hirschbach sowie Illschwang und Birgland zählen. Er kann vor dem in Kürze beginnenden Schuljahr vermelden: „Keine Schule schließt. Für die Standorte besteht keine Gefahr.“

Doch es gibt keine Garantie für die Zukunft, denn laut Danninger sinken die Schülerzahlen – eine Tendenz, die bei allen Schulen zu beobachten ist. Wie sich die Schülerzahlen im kommenden Schuljahr genau entwickeln, lasse sich derzeit nicht sagen. Durch Rückkehrer und Schulwechsel könne es zu großen Veränderungen kommen, sagt Peter Danninger.

Grundsätzlich sei es so, dass große Schulstandorte die kleinen mittragen würden. In den einzelnen Schulen des Schulverbunds Sulzbach-Auerbach können noch alle Jahrgangsstufen mit mindestens einer Klasse besetzt werden – doch die Zahl der Klassen sinkt.

An der Mittelschule Neukirchen-Königstein reduziert sich die Zahl der Klassen von acht auf sechs. Wie Rektor Herbert Übelacker erklärt, wird auch die siebte Jahrgangsstufe künftig nur noch einzügig sein. Aufgrund von vielen Schulwechslern bei den Sechstklässlern kann im nächsten Schuljahr nur noch eine siebte Klasse gebildet werden.

Und wie viele Schüler werden mindestens benötigt, um eine Klasse zu bilden? Laut Peter Danninger sind zehn bis zwölf Schüler das Minimum, „Darunter macht es keinen Sinn, eine Klasse zu bilden.“

Ob dann so eine kleine Klasse aufgelöst wird und die Schüler auf andere Schulen verteilt werden, müsse konstruktiv miteinander im Schulverbund gelöst werden.

Den Schülern einer neunten Klasse könne zum Beispiel schwerlich zugemutet werden, im Abschlussjahr zu einen anderen Standort zu wechseln, so Danninger. 

FRAUKE ENGELBRECHT UND HANS-JOCHEN SCHAUER

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