Freitag, 22.03.2019

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Müllgebühren steigen um 27,5 Prozent auf Niveau von 2000

Landkreis Bayreuth macht unter dem Strich Preissenkung aus dem Jahr 2013 rückgängig - Beratung in den Ausschüssen - 17.03.2019 18:55 Uhr

Ab Juli 2019 werden im Landkreis voraussichtlich höhere Müllgebühren fällig. © Katharina Tontsch


Letztmalig waren die Gebühren im Landkreis vor 19 Jahren angehoben worden. Als dann im Jahr 2012 eine europaweite Ausschreibung einen deutlich niedrigeren Kostenaufwand in den Bereichen der Rest-, Bio- und Sperrmüllabfuhr sowie der Elektroaltgeräte- und Grüngutsammlungen aufgezeigt hatte, brachte eine Neukalkulation der Abfallentsorgungsgebühren für die meisten Haushalte ab 2013 eine Kostenreduzierung um 20,6 Prozent. 

Allerdings musste 2018 bei einer Nachkalkulation für den Zeitraum von 2013 bis 2017 eine aktuelle Unterdeckung in Höhe von knapp zwei Millionen Euro konstatiert werden. Mit der jetzigen Anpassung soll nicht nur dieses Defizit ausgeglichen werden. Vielmehr sollen auch vorhersehbare Kostenveränderungen für den Zeitraum bis 2023 berücksichtigt werden. Kostensteigernd wirkte sich seit 2015 insbesondere eine deutlich höhere Umlage für die thermische Behandlung des Rest- und Sperrmülls im Müllkraftwerk Schwandorf aus, zurückzuführen auf deutlich reduzierte Energieerlöse in Höhe von bisher mehr als zwei Millionen Euro wegen eines dramatischen Verfalls der Großhandelspreise für Strom. 2015 erhöhte der Zweckverband (ZMS) deshalb die Vorauszahlung für die Haus- und Sperrmüll-Entsorgung um rund 20 Prozent. 

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Ein Ausgleich der Mindereinnahmen durch Einsparungen war nach Angaben des ZMS nicht möglich. Aus diesem Grund mussten andere Zweckverbandsmitglieder wie die Landkreise Amberg-Sulzbach und Kulmbach sowie die Stadt Bayreuth ihre Gebühren schon erhöhen. Im Landkreis Bayreuth konnten die hierdurch entstandenen Defizite bislang noch durch eine Entnahme aus der Gebührenausgleichsrücklage weitgehend kostendeckend abgewickelt werden. Im Jahr 2017 hat die Rückücklage jedoch nicht mehr ausgereicht und die Abfallwirtschaft hat in der Ergebnisrechnung mit einem Minus von 70.000 Euro abgeschlossen. 

Die jetzige Neukalkulation geht künftig von einem nicht durch andere Einnahmen gedeckten Bedarf in Höhe von 7,89 Millionen Euro aus. Dabei gingen die Experten von etwa 104.000 angeschlossenen Einwohnern und einem Mindestbehältervolumen von 20 Litern vierzehntägig aus. Für den Zeitraum 2019 bis 2023 sind ferner an Kostensteigerungen 360.000 Euro für die Modernisierung der Kompostieranlage Buchstein eingerechnet, zusätzliche 130.000 Euro für Biomüll- und Grüngutsammlungen, 380.000 Euro mehr für Kostenerstattungen an Zweckverbände, weitere 400.000 Euro als Ausgleich für die bisherige Unterdeckung, 230.000 Euro weniger an Einnahmen etwa für Windelsäcke oder andere Behältnisse sowie der Wegfall von Kostenerstattungen durch den Zweckverband. 

120-Liter-Behälter kostet künftig 312 Euro

Danach sind künftig folgende Gebühren fällig: Für einen 60-Liter-Behälter 156 Euro (gegenüber 154,08 Euro ab 2000 und 122,40 Euro ab 2013), für eine 120-Liter-Tonne 312 Euro (308,16/244,80), für 240 Liter 624 Euro (616,32/489,60) und für einen 1,1-Kubikmeter-Container 2860 Euro (2824,68/2244). 

Durch die zum 1. Juli 2019 geplante Anpassung der Gebühren für die Restmüllgefäße wird das Niveau der bis Ende 2012 gültigen Gebühren somit nur geringfügig überschritten, relativiert das Landratsamt. Der Vorschlag wird nunmehr nächste Woche um Umweltausschuss vorberaten, ehe der Kreisausschuss und der Kreistag endgültig darüber abstimmen.  

RICHARD REINL

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