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Mittwoch, 20.06.2018

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Musikalische Erinnerung an den Ausbruch des Krieges

Eindrückliches Konzert des Chores "Lingua Musica" in der Bartholomäuskirche in Pegnitz - 12.06.2018 22:34 Uhr

Das Konzert von „Lingua Musica“ in der Bartholomäuskirche sollte an den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren erinnern. © Foto: NN


Zu Beginn waren alle Chorsänger in der Kirche verteilt und gestalteten gemeinsam das Stück "Stones" von Christian Wolff. Hierbei wurde mit Klängen, die aus Steinen hervorgerufen wurden, improvisiert. Mit diesem Werk sollte eine Brücke zur Geschichtswissenschaft geschlagen werden, die Steine verwendet, um historische Ereignisse zu rekonstruieren.

Aus dieser Improvisation lösten sich Chorsänger und begannen Kriegsereignisse, die seit dem Dreißigjährigen Krieg stattgefunden hatten, aufzuzählen. Immer mehr Sänger stiegen in diese Aufzählung ein, sodass sich ein immer größeres Stimmengewirr ergab und die einzelnen Ereignisse sich in eine chaotische Klangwolke verwandelten – Sinnbild für den Wahnsinn menschlichen Handelns.

Als Endpunkt dieses experimentellen Beginns stimmte der Chor die Fassung des Chorals "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Johann Sebastian Bach aus der Kantate BWV 42 "Am Abend aber desselbigen Sabbats" an. Christoph Krückl, renommierter Kantor der Schlosskirche in Bayreuth, bot anschließend engagiert und mit klanglichem Gespür zwei Stücke aus den "Neuf Pièces" von Jean Langlais. Vor allem durch seinen lyrischen Gesang konnte "Lingua Musica" besondere Effekte setzen.

Anschaulich rezitiert

Im zweiten Teil verbanden sich Berichte des Pfarrers Martin Bötzinger während des Dreißigjährigen Krieges mit Chorsätzen von Heinrich Schütz, die zu dieser Zeit entstanden sind. Birgit Starke rezitierte anschaulich die Texte, die immer wieder zwischen Erfahrungen unermesslichen Leidens, Glaubenszweifeln und dem Vertrauen auf Gott changierten.

Musikalisch wurde dies in den entsprechenden a-cappella-Chorsätzen von Schütz aufgegriffen. Die Sänger zeigten ihre ganze klangliche Palette, vom leisen innigen Klagen bis hin zum tänzerisch Feierlichen.

Der dritte Teil des Abends war wieder zeitgenössischen Komponisten gewidmet. Nach der Motette "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Hugo Distler – mit viel rhythmischer Verve vorgetragen – folgte die Pegnitzer Erstaufführung der Choralfantasie über "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Michael Starke, die in diesem Jahr entstanden ist.

Dieses Orgelstück besteht aus zwei Teilen: Einem festlichen Präludium und ausharmonisierten Abschnitten des Chorals, unterbrochen von freien Zwischenspielen. Das Stück endet mit einem langen tiefen Klang, über den sich eine hohe und einsame Melodie legt.

Den Abschluss des Abends bildete das Werk "Dona nobis pacem" von Peteris Vasks, einem lettischen Komponisten. Chor und Orgel verschmolzen hierbei zu einer Einheit und dem Dirigenten Michael Starke gelang es, seine Sänger sicher durch das Werk zu führen.

Die Zuhörer waren am Ende des Abends beeindruckt und zollten dem Ensemble langanhaltenden Applaus. Das Konzert, das bereits am 5. Mai in Pretzfeld aufgeführt worden war, wurde nach der Aufführung in Pegnitz am nächsten Tag noch in Goldkronach im Rahmen des Humboldt-Forums dargeboten.  

nn

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