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Die zahlreichen Zuhörer spendeten nicht nur dem Chor Beifall. Auch die Gesangssolisten Christel Schmitt, Adelheid Lang, Erich Nitt, Thomas Höhn sowie das Kammerorchester erhielten am Ende stehende Ovationen.
Zu Beginn musizierten sie die Pastorella „Auf, ihr Hirten“ des böhmischen Komponisten Jiri Ignac Linek (1725—1791). Nach glasklaren Rezitativen von Christel Schmitt und Thomas Höhn setzte der Chor im Forte ein. Alle Akteure waren engagiert bei der Sache.
Das Stück stellte eine gelungene Überleitung zum Hauptwerk des Abends dar, der „Böhmischen Hirtenmesse“ von Lineks Landsmann Jakub Jan Ryba (1765—1815). Er entstammte der Tradition der Lehrer-Kantoren. Als einer der ersten Autoren schrieb er tschechische Kunstlieder und trug damit zur Ausprägung des Nationalbewusstseins bei.
Seine „Hirtenmesse“ gilt als Symbol tschechischer Weihnacht. Ihre fast schon „märchenhafte“ Handlung besteht aus der Verkündigung der Geburt Christi und aus der Ankunft der Hirten an der Krippe. Die Sänger mussten dabei zwar nicht szenisch agieren, wurden aber dennoch zu Schauspielern. So weckte der „Geselle“ Erich Nitt schon im Kyrie seinen „Meister“ Thomas Höhn auf und berichtete ihm von den wundersamen Geschehnissen. Der Bassist Thomas Höhn übernahm außerdem souverän die Rolle des Erzählers.
Musikalisch liegt keine Vertonung des klassischen Ordinariums vor, sondern vielmehr eine Folge von volkstümlichen Pastorellen. In manchen Sätzen war sogar eine tschechische Polka zu vernehmen. Die Melodik wirkte durch Wiederholung von Motiven eingängig und liedhaft. Wäre man nicht in der Kirche gesessen, so hätte man zuweilen mitsummen wollen!
Der Chor zeigte Mut zu empfindsamen Tönen. Man erlebte Schlichtheit, aber auch prächtige Virtuosität. Im dichten „Gloria“ schwang sich der Sopran gekonnt in die Höhe. Belebte „Halleluja“-Rufe forderten sängerische Kondition. Gut, dass Ottmar Schmitt für Durchsichtigkeit sorgte und seine Musiker immer mehr anspornte. So kam anschaulich die Freude über die Geburt Christi zum Ausdruck. Strahlende Durtonalität unterstrich zusätzlich den festlichen Glanz der Musik.
Auch das Orchester kam voll zur Geltung. Tonmalerisch wurden Musikinstrumente wie Flöten und Dudelsack nachgeahmt. Auch den Gesang der Vögel konnte man durch die originelle Orgelregistrierung und kunstvolles „Holzbläsergezwitscher“ erahnen. Im „Offertorium“ schließlich vereinten sich die Musikanten zu einem munteren Ständchen an der Krippe.
Die fröhliche Stimmung wurde von meditativen Abschnitten unterbrochen, von den Gesangssolisten übernommen. Sie bildeten idyllische Dialoge. Dabei trieben sie sich gegenseitig an und gelangten zu immer größerer Lockerheit. Sie schwelgten gleichsam in Terzenseligkeit. Die Sopranistin Christel Schmitt und die Altistin Adelheid Lang glänzten mit verspielten Koloraturen. Das Orchester nahm sich dezent zurück und untermalte mit angezupften Violinsaiten.
Christel Schmitt hatte ihren großen Auftritt auch in zwei weiteren Stücken. Im „Weihnachtslied“ des schlesischen Komponisten Ignaz Reimann (1820—1885) ergänzte sie sich gut mit dem einfühlsamen Orchester. Der Chor machte dann die Harmonie perfekt. Nach all dem Weihnachtstrubel konnte man Ruhe spüren.
Voller Pietät war dann das „Wiegenlied“ von Karol Prosnak (1898—1976). Ottmar Schmitt hielt hier die musikalischen Fäden fest zusammen: Die um Homogenität bemühten Streicher, den tragfähigen Sopran von Christel Schmitt und den exakt artikulierenden Chor. Die Musiker vermittelten nicht nur den Stoff der Weihnachtsgeschichte. Sie schenkten dem begeisterten Publikum den Stoff, aus dem die Träume sind.



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