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Muss bald ein Junge zum Christkindl werden?

In vielen Orten scherzt man so, weil der Nachwuchs ausfällt: Es fehlt die Lust am himmlischen Amt - 31.10.2012 15:00 Uhr

PEGNITZ/AUERBACH  - Seit 25 Jahren gibt es an Weihnachten das „Pegnitzer Christkind“. Aber in den vergangenen Jahren wurde es immer schwerer, ein Mädchen zu finden, das in diese Rolle schlüpft. Auch in Auerbach, Betzenstein, Plech und Pottenstein fehlen die Anmeldungen für dieses Jahr. Und in den Vorjahren war es immer sehr kritisch. Ist das Christkindl ein Auslaufmodell?

Nina Bauer (Bild) war schon Pegnitzer Christkind. Jedes Christkind verdient auch: 100 Euro in Pegnitz . Nächste Woche werben noch Lautsprecherdurchsagen in den Schulen.
Nina Bauer (Bild) war schon Pegnitzer Christkind. Jedes Christkind verdient auch: 100 Euro in Pegnitz . Nächste Woche werben noch Lautsprecherdurchsagen in den Schulen.
Foto: Lenk
Nina Bauer (Bild) war schon Pegnitzer Christkind. Jedes Christkind verdient auch: 100 Euro in Pegnitz . Nächste Woche werben noch Lautsprecherdurchsagen in den Schulen.
Nina Bauer (Bild) war schon Pegnitzer Christkind. Jedes Christkind verdient auch: 100 Euro in Pegnitz . Nächste Woche werben noch Lautsprecherdurchsagen in den Schulen.
Foto: Lenk

Eugen Eckert vom Auerbacher Stadtverband ist seit 1994 Christkindl-Beauftragter oder -Sucher, also seit 18 Jahren. Er übernahm die Tradition und er will sie weiterführen: Im Notfall greift er auf das vorjährige Christkind zurück. „Ich hoffe immer noch“, sagt er, obwohl er schon für kommenden Montag ein Interview mit einer Aspirantin im Terminkalender haben wollte — mit einem fröhlichen, blondgelockten und hübschen Mädel.

Eugen Eckert hat schon einen letzten Notaufruf in den Zeitungen veranlasst. „Bisher hatten wir aber noch nie Probleme“, ist er optimistisch. „Bisher hat es immer geklappt.“

Viel weniger zuversichtlich ist da Margit Dippold vom Betzensteiner Tourismusbüro. „Wir haben heute morgen schon gesagt: Nächstes Jahr sprechen wir einen Jungen an.“ Es geht schleppend. „Niemand reißt sich drum. Es ist echt schwer. Ich weiß auch gar nicht, wie ich die Mädchen locken könnte — mit einer Eintrittskarte für Trockau?“


Das Christkind in der Disco — Margit Dippold nähme das hin. Hauptsache, das Casting klappt. „In der Not werde ich jemanden aus dem Rathaus abkommandieren“, scherzt sie.  Sie hatte in den Vorjahren Glück, weil es ein Rekord-Christkind gab, nämlich Jessica Thiem. Sie war ungefähr sechs Jahre im Amt, unermüdlich.

Danach kam Christina Wirth, eine Studentin und Superläuferin. Diese angehende Sportlehrerin muss wohl auch wieder ran, wenn sie kann und wenn alle anderen Stricke reißen. Diese Stricke sind schmal: Der eine heißt „Mundpropaganda“. Der andere „Amtsblatt“. Und der dritte „Nikolaus“.


Denn Hans Thummert, der immer den Nikolaus spielt, „kennt etliche Leute“ (mit passenden Mädchen in der Familie), die er dann einfach anspricht, „Wenn’s brenzlig wird“, so Margit Dippold. „Irgendwas geht.“

In Plech ist Bürgermeister Karl-Heinz Escher höchstpersönlich der Christkindl-Macher. Aber er war gestern nicht für eine Anfrage zu erreichen. Doch in Plech dürfte es so schwierig sein wie in Pottenstein, wo das ganze Team um Thomas Bernard vom Tourismusbüro jedes Jahr hofft und bangt, um eine kleine Himmelsbotin aufzutreiben.

Die Christkindl-Bewerbung ist wie üblich im Amtsblatt ausgeschrieben, mit einer Anmeldefrist bis Mitte November. Aber noch rührte sich nichts.

Auch in den letzten Jahren war es immer schwer. Jedes Mal war Überredungskunst nötig. Das Interesse an dem himmlischen Amt sinkt, so lautet die Prognose.

Im vorigen Jahr half es nur, die Mädchen persönlich anzusprechen — und ihnen auszumalen, dass dieser Job doch viel Selbstbewusstsein bringt, den Umgang mit Klein und Groß schult, sogar für die Bewerbungsmappe gut ist. 

tk


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