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NN-Aktion: Gutes Tun ist auch nach Weihnachten möglich

"Schmücken & Helfen" läuft auch im Januar — Für Betroffene ist neben Geld auch Zeit wichtig - 28.12.2018 08:45 Uhr

Noch bis Januar kann für die Aktion „Schmücken & Helfen“ gespendet werden. Wer in die NN-Geschäftsstelle (Hauptstraße 20) kommt, darf eine Kugel an den Baum davor hängen.


Knauber bemüht sich darum, Zeit mitzubringen. Deshalb blieb er auch lange bei einem Mann sitzen, der ihm schon vorher, beim telefonischen Anmelden, aufgefallen war. Denn dieser Mann hatte überhaupt kein Problem, das – wegen des Datenschutzes – etwas unübersichtliche Anmeldeverfahren zu verstehen. Von brillanter Auffassungsgabe, schien er einer jener Menschen zu sein, die leicht durchs Leben gehen.

Aber ihm schoss vor Jahren etwas quer: Ein Auto. Es nahm ihm die Vorfahrt und ließ körperliche Schäden zurück. Seitdem ist sein Hauptthema die "Schmerztherapie". Sie bestimmt jeden Tag. Seitdem herrscht auch Einsamkeit. Weil er nicht mehr Autofahren kann und nicht mehr arbeiten, nur noch zurückschauen auf einen hoffnunsgvollen Lebensstart. Denn er kämpfte sich heraus aus dem Dorf und aus dem einfachen Beruf. Er schulte mit Bestnoten um in ein komplett branchenfremdes Gebiet. Und er hatte genau in jener Zeit diesen Unfall. Danach versuchte er noch mit aller Kraft, im neuen Beruf stand zu halten. Aber es ging nicht.

Er hinterließ jetzt bei Thomas Knauber einen bleibenden Eindruck, weil er so beredt ist, so belesen und von so besonderem Charakter.

Genauso wird Knauber eine ältere Frau nicht vergessen, eine Bäuerin, die ihren Mann verlor, als die beiden Kinder noch ganz klein waren. Eines von ihnen ist behindert. Was das heißt für Eltern und in diesem Fall für eine alleinstehende Mutter, weiß jeder, der einen Behinderten in der Verwandtschaft hat. Es ist nichts mehr drin mit Urlaub, Freizeit oder fröhlichem Feierabend. Denn in jeder Minute, in welcher das Kind von der Behindertenwerkstatt wieder da ist, braucht es die volle Aufmerksamkeit. Diese Frau nimmt das alles still hin. Sie ist freundlich und ausgeglichen. Sie führt ihr Leben nur für das Kind — wie zahllose andere Mütter, die Thomas Knauber in ähnlichen Situationen antraf.

Nur einer der Fälle ist etwas leichter. Hier fehlte dem behinderten Kind von Geburt an lediglich eine winzige Schaltstelle im Kopf, jene fürs Lesen. In allen anderen Bereichen ist es — inzwischen erwachsen — top, erstaunlicherweise auch am Computer und in der Elektronik, wo es verblüffende Lösungen für jedes Problem entwickelt. Wegen dieser Hochbegabten-Seite fühlt es sich auch zu Unrecht in die Schublade des Behinderten geschoben, das heißt auch: Im Job vollständig unter seinen Fähigkeiten bezahlt.

Knauber übergab seine Spende auch einem älteren Rentner, der einst ein gut gehendes Geschäft hatte und dann vom Wandel der Wirtschaft herausgekegelt wurde. Seine Branche war nicht mehr gefragt. Dieser Mann kann eisern sparen. Und er macht sich optimistisch durchs Helfen anderswo. Er hat hier und da gebrechliche Rentnerinnen, die froh sind um sein Einkaufen und Zuhören. "Wissen Sie", sagt er, "die Hälfte von dem Geld gebe ich sozial weiter. Ich brauch' nix für mich."

Dieses "Zuhören" ist auch ein Thema bei einer Dame, die seit Jahrzehnten eine Anlaufstelle für Arme ist. Wie sie ackert, um irgendwo Geld aufzutreiben, um Ämter gnädig zu stimmen, um Formulare zu durchschauen, um Möbel zu finden und einen Autoanhänger für den Transport, ist unvorstellbar. Ihr Mann zieht auch mit, aber oft ist es ihm zu extrem, was seine Frau da alles in die Wege leitet. Sie ist eine Art Zentrum der Hilfe wie es sie öfter gibt, auch an anderen Orten. Diese Dame seufzt: "Die meisten Bedürftigen bräuchten nur mal jemanden, der ihnen zuhört. Ich kenne so viele ältere Frauen, die daheim sitzen und sich langweilen. Aber denken Sie, eine von ihnen wäre bereit, mal eineinhalb Stunden lang zuzuhören?"

Eine andere helfende Frau schüttelt rückblickend den Kopf über ihr eigenes Leben. Denn es sollte ganz anders verlaufen. Aber ihr Helfersyndrom ("das ist angeboren, das haben einzelne Typen von Menschen") schob sie von ihrem Traumberuf weg und zu den Armen. Die Freunde bewundern sie, wie sie jeden Papierkrieg mit den Ämtern übersteht, wie sie aufgebracht im Ministerium anruft ("wo bleibt die Umsetzung der neuen Gesetze? Warum werden wir, die wir hautnah an den Problemen dran sind, dazu nicht gefragt?"). Jüngst sollte sie im Landratsamt mit anderen Ehrenamtlichen gewürdigt werden. "Da pfeife ich drauf. Das hab ich denen gesagt: Gebt das Geld für diese Feier den Bedürftigen."

Sie staunt über ihr interessantes Leben, das ihr jeden Tag ein neues (Ämter-)Abenteuer beschert. "Gott hat jedem die gleiche Zeit gegeben", sagt sie. "Wie wir sie einteilen, ist uns überlassen." Aber ihre Sorge ist: Wer kommt nach, wenn sie nicht mehr ist? Bei der heutigen Jugend, von der Krippe an auf Ego-Training fixiert, sieht sie schwarz.

Diese Frau hilft einer anderen älteren Frau, die 20 Jahre lang täglich von ihrem Mann geschlagen wurde. Sie hielt es aus, arbeitete nebenher und nahm sich vor: Mit der Rente ziehe ich weg. Aber genau dann wurde ihr Mann krank. Er wurde sanfter. Sie pflegt ihn jetzt. Aber sie hat kaum mehr die Kraft. "Eigentlich müsste ich ihn liegen lassen. Aber ich kann es nicht, moralisch."

Eine andere Frau leidet schon lange unter Depressionen, unter einer großen inneren Leere. Sie sucht ihre Hilfe in der Natur. Sie setzt sich auf Felsen und blickt über die Wälder. Parallel lief sie immer endlos, jeden Tag. Aber dann kam ein schweres Bauchproblem mit gnadenlosen Schmerzen. Die Operation bedeutete fast ihr Ende. "Ich dachte, das war's. Aber dann hat mich die Krankenschwester geweckt und gesagt: Gott hat noch was vor mit Ihnen. Da drauf warte ich jetzt. Irgendein Hinweis wird schon kommen."

Diese Operation machte einen fröhlicheren Menschen aus ihr, mit einem weiten Blick und Weisheit. "Das Leben hat Aufgaben für einen, um etwas zu lernen. Jeder, der atmen kann, soll das schätzen. Bei Markus Lanz war ein Astronaut in der Sendung. Er zeigte so beeindruckende Fotos von der Erde. Was ist der Mensch darauf? Etwas so Kleines wie ein Hautpartikel. Aber er lebt."

Wenn Sie für "Schmücken & Helfen" spenden möchten, können Sie es weiterhin direkt in der NN-Geschäftsstelle tun, oder auf das Konto "Freude für Alle" bei der Sparkasse Bayreuth, Nr. DE62 7735 0110 0038 0645 72 (BYLADEM 1 SBT). Eine Spendenquittung kommt, wenn Sie Ihre Adresse angeben. 

fca

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