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Ochsenkopf-Region denkt an Abschied vom Winter

Fichtelgebirge soll mit Millionenaufwand als Ganzjahres-Destination fit gemacht werden - 07.12.2018 18:40 Uhr

Die über 25 Jahre alte Sesselbahn auf den Ochsenkopf soll durch eine moderne Gondelbahn ersetzt werden. © Udo Schuster


Ausschlaggebend für die Überlegungen waren technische Mängel an den über 25 Jahre alten Seilbahnen, die einen Totalausfall befürchten lassen und deren Behebung – wenn überhaupt möglich – einen Millionenaufwand erfordern würde. Landrat Hermann Hübner (CSU) berichtete als Zweckverbandsvorsitzender von dem Entschluss, statt der Sessel- eine Gondelbahn zu bauen, weil nur so ein Betrieb bis in den Abend hinein erlaubt sei, was auch der Gastronomie neue Möglichkeiten eröffne. Als wirtschaftlichste Lösung hätten sich dabei Kabinen mit zehn Sitzplätzen erwiesen, in denen auch Fahrräder, Rollatoren, Kinderwagen und Hunde transportiert werden könnten. 

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Der Ochsenkopf ist nicht nur der höchste Berg im Fichtelgebirge, er gilt auch als Touristenmagnet, im Winter für die Skifahrer, im Sommer zunehmend für Wanderer und Radler. Eine wichtige Rolle spielen dabei die beiden Seilbahnen von Bischofsgrün und von Warmensteinach hinauf zum Asenturm. Bei einer geplanten 20-Millionen-Investition soll die über 25 Jahre alte Sesselbahn durch moderne Zehner-Gondel-Bahnen ersetzt werden, um die Region als Ganzjahres-Destination fit zu machen.


Für die Nordbahn rechnen Experten mit Kosten von 12,9 Millionen, für die kürzere Südbahn mit rund acht Millionen Euro. Nach dem Zeitplan sollen im nächsten Jahr die Genehmigungen und die Planungen soweit vorangetrieben werden, dass im Frühjahr 2020 mit dem Bau begonnen werden könnte. Ehrgeiziges Ziel ist es, die Nordtrasse zur Wintersaison 2020/21 in Betrieb zu nehmen. Die Südbahn soll später folgen, um eventuell aktuelle Erfahrungen einfließen zu lassen. 

Da für Seilbahnen nur eine staatliche Förderung von maximal 15 Prozent möglich sei, kämen auf den Landkreis als Hauptzahler gut 14 Millionen Euro an Eigenmitteln zu. Alljährlich müsse man mit einer zusätzlichen Umlage von einer Millionen Euro aus der Kreiskasse rechnen.

Hübner rechtfertigte dies mit einem Gesamtpaket für die Region, zu dem auch ein Ausbau des Bike-Parks, eine Abstimmung mit Rad-Aktivitäten am Kornberg, eine Aufwertung des Loipennetzes und der 2,5 Kilometer langen Rollerbahn mit einem Servicebau an der Bleaml-Alm sowie nicht zuletzt ein barrierefreier Rundwanderweg auf dem Ochsenkopf zählen. 

Nur so sei eine Ganzjahresauslastung zu gewährleisten, haben doch nicht wenige Zweifel an einer Zukunft für den Wintertourismus. Manfred Neumeister (Die Grünen): „Das Fichtelgebirge hat viel mehr zu bieten. Kunstschneeschneisen mitten in der Sommerlandschaft darf es nicht mehr geben.“ Die FWG-Sprecher Hans Hümmer und Stefan Frühbeißer monierten, dass ihrer Meinung nach Alternativen oder Sanierungsmöglichkeiten für die bestehenden Bahnen zu wenig geprüft worden seien. Zehner-Gondeln halten sie angesichts rückläufiger Fahrgastzahlen auf zuletzt 400.000 jährlich für überdimensioniert.

Hartmut Koschyk (CSU) appellierte an den Kreistag, nicht regional zu denken oder das Fichtelgebirge und die Fränkische Schweiz auseinander zu dividieren. Neue Seilbahnen seien genauso wichtig wie andere früher mit Millionenaufwand geförderte Projekte, etwa das Fränkische Schweiz-Museum, die Therme Obernsees oder auch das CabrioSol in Pegnitz. Stephan Unglaub (SPD) versicherte als Bürgermeister von Bischofsgrün, dass nur zukunftsfähige Investtionen angegangen würden, die auch ohne Wintersport nutzbar sind. 

Hübner erinnerte daran, dass eine Sanierung sehr wohl mit TÜV-Experten geprüft worden sei. Selbst mit einem Millionenaufwand könne aber keine Betriebsgarantie gewährleistet werden. Eine Forderung nach weiteren Untersuchungen sei eine Hinhaltetaktik, die nichts bringe, weil eher eine Verringerung der staatlichen Förderung zu erwarten sei. Nur mit diesem Vorhaben könne die benachteiligte Region für den Ganzjahrestourismus ertüchtigt werden.  

RICHARD REINL

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