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Orgel aus Auerbach wird aufwendig saniert

Orgel der Pfarrkirche St. Johannes wird restauriert und gereinigt - 04.02.2016 17:42 Uhr

Die Generalsanierung der Orgel der Pfarrkirche St. Johannes in Auerbach wird hauptsächlich in der Werkstatt durchgeführt. Orgelbauer Robert Schmidt ist gerade mit dem Überarbeiten der Klaviatur beschäftigt.

Die Generalsanierung der Orgel der Pfarrkirche St. Johannes in Auerbach wird hauptsächlich in der Werkstatt durchgeführt. Orgelbauer Robert Schmidt ist gerade mit dem Überarbeiten der Klaviatur beschäftigt. © Orgelbau Friedrich


Am 1. Februar haben Mitarbeiter der Orgelbaufirma Friedrich aus Oberasbach bei Nürnberg mit der Maßnahme begonnen. Meister Dominik Friedrich persönlich war dabei, als die Orgel am Montag und Dienstag dieser Woche fachgerecht zerlegt wurde. Während der Innensanierung war das Instrument zwar mit einer Plane verhüllt worden. Dennoch liegt im hölzernen Gehäuse Staub. Neben verschiedenen Werkzeugen steht daher auch der Staubsauger bereit.

Die kleineren Pfeifen sind zur Reinigung aufgebaut.

Die kleineren Pfeifen sind zur Reinigung aufgebaut. © Orgelbau Friedrich


Einige größere Orgelpfeifen stehen und liegen noch auf der Empore, ebenso wie Holzteile des Orgelaufbaus. Knapp 1600 Pfeifen sowie die Manual- und Pedalklaviaturen wurden mitgenommen und werden jetzt in der Werkstatt der Orgelbau-Firma saniert und gereinigt. Auch der Spieltisch wurde entfernt. „Der Holzbelag unter den Tasten ist regelrecht abgespielt“, erklärt Friedrich. Die Klaviatur muss deshalb überarbeitet werden. Dazu werden die Tastenbeläge mit Ebenholz neu belegt, und die Tasten an den Führungspunkten neu ausgetucht.

Für die Reinigung — die letzte erfolgte vor 27 Jahren — wurde das Instrument auseinander gebaut. Alle rund 1700 großen und kleinen Pfeifen werden nun gründlich gereinigt und Beschädigungen beseitigt. Auch müssen einige Pfeifen im Prospekt an den Füßen stabilisiert werden, da sie durch ihr Eigengewicht zusammensacken. Eine weitere Herausforderung für die Fachleute ist Schimmel, der im hinteren Bereich der Orgel entdeckt wurde „Diese Stellen müssen gereinigt und anschließend imprägniert werden“, so der Orgelbaumeister.

Weitere Schwerpunkte der Sanierung sind die klangliche Nachintonation, das heißt die Abmischung der Register aufeinander. Auch die einzelnen Pfeifen müssen intoniert werden, da viele Töne zu langsam ansprechen, keinen schönen Klang ausbilden oder zum Teil gar nicht funktionieren. Anschließend wird jede Pfeife neu gestimmt und auf die korrekte Tonhöhe eingerichtet. An den Windladen, welche die Pfeifen mit „Wind“ versorgen, werden noch verschiedene Dichtungen ausgetauscht. Weitere wichtige Arbeiten sind die verbesserte Dämmung des Motorkastens sowie die Durchsicht und der Austausch — falls erforderlich — von Teilen der Tontraktur. Geöffnet und überprüft werden auch die elektropneumatischen Registerzugapparate. In der Fachwerkstatt wird zu guter Letzt eine neue, höhenverstellbare Orgelbank gebaut.

Zwei Angebote eingegangen

Die Kosten für die Orgelsanierung liegen bei rund 45 000 Euro. Die Pfarrei hofft auf Spenden. Nach der Ausschreibung waren zwei Angebote eingegangen, berichtet Kirchenpfleger Wilhelm Schelz. Die Vergabe wurde mit dem Leiter des Amtes für Kirchenmusik der Erzdiözese Bamberg abgesprochen. Die Gemeinde muss trotz des leeren Orgelgehäuses nicht ohne Begleitung singen. Der Orgelbauer hat ein Leihinstrument mitgebracht, eine selbst gebaute Truhenorgel aus dem Jahr 1988. Diese steht im Bereich der Anna-Kapelle, um die Gläubigen beim Gesang zu unterstützen.

In den kommenden Wochen wird in der Werkstatt von Orgelbau Friedrich eifrig gearbeitet. Erklärtes Ziel — sowohl der Pfarrei als auch der Handwerker — ist es, dass die Orgel an Ostern am 27. März wieder ertönen kann. Der Einbau der Pfeifen und die klanglichen Arbeiten sollen ab dem 29. Februar beginnen. Nach der Intonation erfolgt noch die Generalstimmung des Instruments. Diese werde etwa zwei Tage dauern, meint Dominik Friedrich. Auf den verfeinerten Klang der Orgel von St. Johannes freuen sich bereits die Organisten Sabine Blaha, Gabi Kraus, Richard Rupprecht, Josef Schaller, Eva Schindler, Agathe Schriml, Norbert Sertl, Markus Weber und Wolfgang Wiesneth.

Informationen zur Geschichte der Auerbacher Orgel können auf der Internetseite von Heimathistoriker Rudolf Weber unter www.weber-rudolf.de nachgelesen werden. Den Entwurf zum Prospekt gab Orgelbauer Johann Konrad Brandenstein aus Regensburg, der 1755 auch das Orgelwerk lieferte. Dieses wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch eine Neuschöpfung von Josef Bittner aus Eichstätt ersetzt, die 1925 durch ein Werk der Firma Steinmeyer aus Oettingen abgelöst wurde. Auch das heutige Orgelwerk stammt von Steinmeyer. Es wurde 1971 eingebaut, das Gehäuse ist schon wesentlich älter. Die Figuren darauf schuf Bildhauer Johann Michael Doser 1755. 

BRIGITTE GRÜNER

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