Freitag, 22.03.2019

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Pegnitz: "Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit"

Mit frechen Sprüchen und Präsenz in Nürnberg unterstützen Pegnitzer Schüler die Klimaschutz-Demo - 15.03.2019 17:11 Uhr

Sie sorgen sich um die Zukunft des Planeten: An der Klimaschutz-Demo in Nürnberg beteiligten sich am Freitag auch Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Pegnitz. © FFF


Für Magdalena Huber aus Pegnitz haben die Kundgebungen der Bewegung "Fridays for Future" (FFF, Freitage für die Zukunft) ein ganz besonderes Flair. "Man merkt, wir wollen alle etwas bewegen, aber die Stimmung ist total friedlich, kein bisschen aggressiv", beschreibt die 14-jährige Gymnasiastin ihre Eindrücke.

"Man wird sofort mitgerissen, ruft und schreit mit den anderen mit", sagt sie mit heiserer Stimme nach zwei Stunden im Dauerregen. Gestern war die Neuntklässlerin zum ersten Mal bei einer Demo während der Schulzeit. Mit Zustimmung ihrer Eltern und der Schulleitung war Huber ab der dritten Stunde befreit und fuhr mit dem Zug in einer etwa 25-köpfigen Gruppe nach Nürnberg.

Im Einvernehmen mit der SMV

"Es gab in dieser Woche zum ersten Mal Bitten einiger Schülerinnen und Schüler, an den Demonstrationen, die am Freitag in Nürnberg und Bayreuth stattfinden, teilnehmen zu dürfen", berichtet die Direktorin des Pegnitzer Gymnasiums, Annett Becker. "In den Fällen, in denen ein schriftlicher Antrag auf Befreiung von Seiten der Eltern vorliegt, werden die Schüler ab der ersten Pause durch mich vom Unterricht freigestellt."

Diese Regelung habe sie einvernehmlich mit der Schülermitverwaltung (SMV) getroffen, so die Direktorin weiter. Schülersprecherin Magdalena Huber kann die Crux gut verstehen, in der sich Schulleitungen derzeit befinden: "Man ist da in einer Zwickmühle, weil die gesetzliche Lage schwierig ist." Dafür, dass im aktuellen Fall am Gymnasium erst Befreiungen ab der 8. Klasse und nur mit Erlaubnis der Eltern erfolgen, hat die Neuntklässlerin deshalb Verständnis. Auch ist sie froh, dass eine so schülerfreundliche Lösung gefunden wurde.

Schulleiterin Becker stellt allerdings klar, dass es sich dabei um ein einmaliges Entgegenkommen handelt: "Von meiner Seite gab es die Vorgabe, dass ich diese Befreiung – ohne schulrechtliche Konsequenzen – nur für die Veranstaltungen in dieser Woche erstelle. Mehrmaliges Fernbleiben vom Unterricht wird von mir nicht genehmigt." Die Wochen zuvor sei an den Demo-Freitagen auch kein erhöhter Krankenstand festgestellt worden.

Zu Fridays for Future hat die Direktorin eine ambivalente Haltung. "Ich persönlich finde es einerseits gut, dass die Jugendlichen – anders als ihr Ruf in der Öffentlichkeit es besagt – politisches Engagement zeigen und durch die Demonstrationen die Politiker auf aktuelle Probleme aufmerksam machen wollen", resümiert Becker. "Andererseits ist es aus meiner Sicht mindestens genauso wichtig, die Schüler zu motivieren, sich aktiv im Thema Klimaschutz zu engagieren." Daher wolle die SMV am Gymnasium in den kommenden Wochen und Monaten Wege aufzeigen, wie jeder konkret etwas zum Klimaschutz beitragen kann.

Mit dem Rad und Bio

Magdalena Huber ist da ganz realistisch. "Ich versuche, so umweltverträglich zu leben, wie es eben geht", berichtet die 14-Jährige. "Ich fahre zum Beispiel mit dem Fahrrad zur Schule und lasse mich nicht hinbringen. Ich versuche, Klamotten und Lebensmittel Bio und Fair Trade zu kaufen. Und ich esse kein Fleisch", zählt Huber auf. Sich für Fridays for Future zu engagieren und Anfang Februar zusammen mit ihrer Freundin Emily Färber die Pegnitzer Ortsgruppe zu gründen, fand die 14-Jährige deshalb naheliegend. Bereits Anfang dieses Jahres war sie mit Tausenden Demonstranten in Berlin bei "Wir haben es satt" auf die Straße gegangen ist.

"Das sind Gleichgesinnte"

Viele der Streikenden, die vergangenen Donnerstag mit den beiden Freundinnen die Plakate aus extra dicker Pappe bastelten, um sich dann gestern an der zweistündigen Demo zu beteiligen, kennt Huber schon länger. "Das sind Gleichgesinnte", sagt sie. Sie persönlich gehe auf die Straße, weil ihr der Klimaschutz schon seit langem sehr wichtig sei und sie möchte, dass sich schnell etwas ändert. "Ich kann absolut nicht verstehen, warum man, wenn man ein enormes Problem wie den menschengemachten Klimawandel erkannt hat, nichts dagegen tut", erklärt Huber. "Ich sehe in dem Demos eine gute Möglichkeit das auszudrücken und den Politikern zu zeigen, dass uns Jugendlichen Klimaschutz nicht egal ist."

Inzwischen interessieren sich schon über 80 Jugendliche für FFF Pegnitz. In der Stadt soll es demnächst am Nachmittag eine Aktion geben, so Huber. "Vormittags weiß ich nicht, ob wir genug Leute zusammenbringen. Auch weil es an der Realschule wohl schwerer ist, freigestellt zu werden." 

Astrid Loeffler E-Mail

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