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Pegnitz: Dr. Franz Vogl war wie ein gütiger Vater

Dem Geistlichen Rat wurde vor genau 50 Jahren die Ehrenbürgerschaft der Stadt Pegnitz verliehen - 10.11.2018 12:22 Uhr

Der Ehrenbürger Dr. Franz Vogl (Mi.) beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Pegnitz, zusammen mit dem Bürgermeister Christian Sammet (re.) und dessem Stellvertreter Hans Scheuerlein (li.). © Claus Volz


Ehrenbürger hatte es in Pegnitz auch vorher schon gegeben: Den Bürgermeister Leonhard Ponfick, der um die Jahrhundertwende 22 Jahre lang die Geschicke der Stadt lenkte und sich besonders um den Anschluss an die Eisenbahn verdient machte, den Senatspräsidenten Heinrich Bauer, der die "Geschichte der Stadt Pegnitz und des Pegnitz-Bezirks" schrieb, den Rektor Karl Spörl, der sich insbesondere um das Schulwesen kümmerte, den Flaschnermeister Friedrich Engelhardt, der der Stadt noch zu Lebzeiten eine ansehnliche Stiftung vermachte, und schließlich den langjährigen Bürgermeister Hans Gentner für seine Bemühungen um die Pegnitzregulierung, den Bau des Stadtbades und der Straße nach Hainbronn.

Von diesen Persönlichkeiten lebte keiner mehr, als der Stadtrat 1968 Dr. Franz Vogl diese Ehre zuteil werden ließ. Der Geistliche wirkte damals schon seit 30 Jahren, genau seit dem 16. November 1938, in Pegnitz. Er stand in Kriegszeiten, ohne Rücksicht auf die eigene Sicherheit, wo immer er konnte, Bedrängten bei. Vor allem jedoch hat er nach dem Krieg durch außergewöhnliche Leistungen auf dem Gebiet des öffentlichen Lebens das Wohl der Einwohnerschaft in hervorragendem Maß gefördert.

Kunstvoll gestaltet war der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Pegnitz. © Claus Volz


Um Ausgleich bemüht

Der Bau der Siedlung an der St.-Joseph- und der Kettelerstraße, der Neubau des katholischen Kindergartens und die Einrichtung des Don-Bosco-Heimes, ebenso wie der Neubau der Herz-Jesu-Kirche sind sein Verdienst. Ausgezeichnet hat er sich auch durch sein unermüdliches soziales Wirken, durch seine segensreiche Tätigkeit auf dem Gebiete der Jugenderziehung und -bildung und nicht zuletzt durch sein tolerantes, ständig um den Ausgleich bemühtes Wesen. Dabei hat er alle Berufungen zu höheren Ämtern bis hin zum Bischof ausgeschlagen, um bei seinen liebgewordenen Pegnitzern zu bleiben, lobte Bürgermeister Christian Sammet.

Nach dem einstimmigen Beschluss des Stadtrats vom Oktober stand der Pfarrer am 13. November bei einer Sondersitzung im historischen Rathaussaal, erhielt den Ehrenbürgerbrief der Stadt Pegnitz, trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein und dankte gerührt für die Ehrung. Dekan Dr. Vogl nahm die Ehrung an, gab sie jedoch sogleich weiter an all Jene, die in der Stille wirken.

Der Zuhörerraum war überfüllt, und vor dem Rathaus applaudierten nach der Laudatio des Stadtoberhaupts weitere 100 Zuhörer voller Anerkennung: "Für Ihr unermüdliches soziales Wirken, für Ihre segensreiche Tätigkeit auf dem Gebiet der Jugenderziehung und -bildung, durch Ihr tolerantes, ständig um den Ausgleich bemühtes Wesen haben Sie sich die Wertschätzung und Verehrung aller Bevölkerungsschichten erworben", so Sammet. Abschließend dankte er dem Dekan für die immer gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Stadt mit einem "Vergelt's Gott".

Nach der Überreichung der Urkunde und dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt begann Vogl seine Dankansprache voller Demut: "Wenn ich bedenke, dass der letzte Ehrenbürger Heinrich Bauer hieß, ein Mann, der in einem Werk von 855 Seiten die Geschichte der Stadt Pegnitz geschrieben hat, dann wird mir bewusst, dass ich kein ebenbürtiger Nachfolger eines solchen Vorgängers bin. Denn in den 30 Jahren meines Wirkens in Pegnitz — glaube ich — keine einzige Seite, ja nicht einmal eine Zeile Pegnitzer Geschichte geschrieben zu haben."

Weiter fragte er sich, wie er diese Ehrung vor der Öffentlichkeit rechtfertigen könne, wenn sich doch der größte Teil der seelsorgerlichen Tätigkeit in der Stille abspiele. In Pegnitz gebe es viele Menschen, die in der Stille wirken. Treu und gewissenhaft würden sie ihre Pflicht erfüllen, etwa die Hausfrauen und Mütter, die Arbeiterinnen und Arbeiter, die Ärzte und Krankenschwestern, die Angestellten und Beamten, der Bürgermeister und seine Stadträte. Mit der hohen Ehrung sehe er deshalb nicht nur seine Person, sondern das Wirken in der Stille generell geehrt. Deshalb wolle er diese Auszeichnung an alle weitergeben, die sich der Nöte anderer annehmen.

Brücke des Vertrauens

Beim Festessen in der Ratsstube erwähnte Vogl insbesondere das Wohlwollen, das die Stadt seiner Kirche entgegengebracht habe. Es sei einmal gesagt worden, die beiden Kirchen würden auf zwei verschiedenen Ufern der Pegnitz liegen, doch darüber führe eine Brücke. Eine ebensolche Brücke des Vertrauens führe auch zur Stadtverwaltung. Der Kelch, den die Stadt bei der Einweihung der Herz-Jesu-Kirche überreicht habe, erinnere ihn bei jeder Messfeier daran.

Prälat Dr. Franz Vogl wurde am 20. November 1906 in Kutzenberg geboren und 1931 im Bamberger Dom zum Priester geweiht. Nach drei Kaplansjahren in Fürth wechselte er zur Fortsetzung seiner theologischen Studien nach Rom, wo er 1937 an der Universität des hl. Thomas von Aquin promovierte. Als Kaplan in Ansbach konnte er anschließend seine Tätigkeit aus politischen Gründen nicht ungehindert ausüben. Deshalb bewarb er sich um die neu gegründete Pfarrei "Maria Namen" in Pegnitz und wurde am 15. November 1938 zum ersten katholischen Pfarrer von Pegnitz ernannt, nachdem ein anderer Kandidat abgesagt hatte. In dieser Pfarrei, die anfangs nur 800 Seelen zählte, sollte er danach insgesamt 40 Jahre wirken.

Auch nach seiner Pensionierung im Jahr 1977 half er weiter als Seelsorger in Pegnitz mit. Außerdem verfasste er eine Chronik der Pfarrei Pegnitz mit dem Titel "40 Jahre unterwegs". Dafür zollte ihm kein Geringerer als Erzbischof Dr. Elmar Maria Kredel höchste Anerkennung: "Der Reiz dieser Chronik liegt ebenso in der bekannten Originalität, mit der der Verfasser sein Wirken und seine Erfahrungen zu schildern versteht, wie auch in seiner umfassenden Kenntnis der geistesgeschichtlichen Strömungen und seiner Vertrautheit mit dem Leben der Menschen. Eine derartige Pfarrchronik hält die Erinnerung an eine Epoche unserer Heimatgeschichte lebendig."

  

CLAUS VOLZ/RICHARD REINL

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