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Pegnitz-Kanutouren in naturverträglichen Bahnen

Freizeitdruck kontra Umweltschutz: Regeln für sanften Tourismus — Kritik an Mindestpegel - 13.06.2017 13:00 Uhr

Kein Halligalli auf dem Wasser: Bootsfahrer auf der Pegnitz sollen die Natur genießen. Neue Infotafeln (l.) helfen bei der Tour. © Foto: Udo Schuster, Horst M. Auer



Schroffe Felsen, verträumte Dörfer und hübsche Landschlösschen: Das obere Pegnitztal zählt zu den herausragenden Naturschönheiten, sagt der Landrat des Nürnberger Lands, Armin Kroder. Kenner halten die rund 25 Kilometer lange Kanustrecke von Neuhaus nach Hohenstadt für eine der ursprünglichsten und schönsten in Deutschland.

Doch die Flusslandschaft ist auch ein sensibler Lebensraum für Flora und Fauna. Wasseramsel und Eisvogel haben hier ihr Revier, im glasklaren Wasser tummeln sich Forelle und Bachneunauge. Nicht ohne Grund unterliegt der Flussabschnitt als europäisches Schutzgebiet den strengen FFH-Richtlinien.

An Erlebnistouren mit Kajak, Canadier oder Kanu werden deshalb besondere Anforderungen gestellt. "Wir müssen vernünftig mit dem Wassersport umgehen und nachhaltig agieren", appellierte Kroder gestern in Artelshofen an Bürgermeister, Behördenvertreter und gewerbliche Kanuverleiher. Zielrichtung sei eindeutig der sanfte Tourismus.

Aus Respekt vor Natur und Umwelt waren schon vor Jahren erste Leitlinien für das Kajak- und Kanufahren auf der Pegnitz entworfen worden. Seit 2014 entwickelte man eine überarbeitete Version. Vorgestellt und erläutert wurde das Kooperationsprojekt gestern zusammen mit einer neuen Beschilderung, die über Ein- und Ausstiege, Wehre und andere kritische Flussbereiche informiert.

Beispielsweise sind seichte Stellen in der Pegnitz zu meiden, Schlauchboote, Flöße und Konvois mit mehr als zehn Booten auf der gesamten Strecke verboten. Ausdrücklich tabu ist von November bis Ende Juni der obere Abschnitt Neuhaus—Güntersthal zum Schutz der dortigen Tier- und Pflanzenwelt. Flussabwärts sind Kanu- und Kajaktouren bis Hohenstadt von acht bis 18 Uhr ganzjährig erlaubt — wenn der Wasserstand der Pegnitz es zulässt.

Der Mindestpegel ist der Knackpunkt der neuen Verordnung: Zwischen Neuhaus und Rupprechtstegen muss die Pegnitz mehr als 130 Zentimeter tief sein, weiter flussabwärts bis Artelshofen sind es 126 Zentimeter. Als Grundlage für eine mögliche Sperre dienen die amtlichen Daten des Hochwassernachrichtendienstes, die im Internet abrufbar sind. Das Web-Portal www.urlaub.nuernberger-land.de führt mit Ampeln (grün: erlaubt, rot: gesperrt) plastisch vor Augen, welcher Flussabschnitt gerade genug Wasser führt.

Vier Verleiher mit 100 Booten

Die vier gewerblichen Kanuverleiher, die für die Pegnitz insgesamt 100 Boote zur Vermietung angemeldet haben, sind mit der Mindestpegel-Regelung alles andere als glücklich. Hochbetrieb herrsche ohnehin nur an wenigen Tagen im Jahr, gibt Frank Pickel von der Firma FP-Sportreisen zu bedenken. Wenn eine Strecke gesperrt werde, konzentriere sich der Betrieb auf die anderen Abschnitte "und die Kajakfahrer stehen sich gegenseitig im Weg". Pickel argwöhnte, dass die Nürnberger N-Ergie mit dem Ranna-Einzugsgebiet der Pegnitz zu viel (Trink-)Wasser entzieht.

Vor allem hat es zu wenig geregnet. Zwischen 2005 und 2015 ist der Mindestpegel laut Pickel zwar nur einmal unterschritten worden — 2015. Dann aber schon wieder 2016 und 2017 erneut. Vom Saisonstart bis Juni "konnten heuer noch an keinem Tag die Abschnitte Güntersthal-Rupprechtstegen—Artelshofen befahren werden". Gegenwärtig steht die Ampel für die Strecke Neuhaus—Güntersthal—Rupprechtstegen auf Rot.

Für den Bürgermeister von Neuhaus, Josef Springer, kein Problem: Er sieht den Fluss touristisch ohnehin stark belastet und am Limit: "Mir tut die Pegnitz leid als Ökosystem." 

HORST M. AUER

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