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Freitag, 25.05.2018

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Pegnitz: Luther-Jubiläum brachte steigende Umsätze

Neujahrsempfang: Vielen Kritikern seien die Protestanten zu lieb und zu harmlos — Journalist als Referent - 21.01.2018 19:20 Uhr

Viel Applaus bekam der Journalist Christian Nürnberger beim Empfang im Gemeindehaus für seinen Vortrag zum Thema „Wozu die Welt Protestanten braucht“. © Brigitte Grüner


Gab es neue Erkenntnisse? Oder war es nur ein schöner Geschichtsausflug? Diese Fragen stellte der Dekan ganz provokativ und leitete damit zum Thema "Wozu die Welt Protestanten braucht" über. Auch Gastredner Christian Nürnberger blickte mit schwarzem Humor zurück und sprach vom "Reformationsjubiläums-Overkill". Auf den ersten Blick hatten nämlich nicht die kirchlichen Organisatoren die besten Zahlen vorzuweisen, sondern die Firma Playmobil mit ihrem Plastik-Luther oder die Hersteller von Luther-Socken, Luther-Bier und anderen Souvenirs.

Der Referent aus Mainz lebt zog die Zuhörer vom ersten Moment an in seinen Bann. Er sei in Lauf geboren und dort mit dem heutigen Pegnitzer Wolfgang Loos eingeschult und konfirmiert worden. "Hoffentlich sagt er nichts über meine Jugendsünden."

Beim Thema des Vortrags wurde Nürnberger wieder ernst. Vielen Kritikern seien die Protestanten heute zu lieb und zu harmlos. "Haben wir denn nicht schon genug frauen-, schwulen- und fremdenfeindliche, nationalistische und fundamentalistische Prediger in fast allen Religionen und Konfessionen dieser Welt?"

Nürnberger erinnerte an frühere Reformationsjubiläen. 1617 kurz vor dem verheerenden 30-jährigen Krieg. 1717 mit 100 000 geflüchteten Hugenotten im Land. 1817 begann die Vereinnahmung Luthers für nationalistische Ideen. 1917 war die Saat aufgegangen, Deutschland im Krieg und Luthers "Ein feste Burg" ertönte als Kampflied. 2017 endlich hatten alle aus der Geschichte gelernt. Erstmals feierten die Katholiken mit.

Siehe da: Das Geschäft der Glockengießer boomt wieder. Besonders im Osten werden wieder Kirchen renoviert. Die neue Ökumene werde eine Gemeinschaft der Getauften und der Ungetauften sein. Während die katholische Kirche viel mit sich selbst beschäftigt sei, könnten gerade Protestanten den modernen Säkularen auf Augenhöhe begegnen. Seine Hoffnung: ein Zusammenwirken aller Religionen in versöhnter Verschiedenheit.

"Kirchen müssen sich einmischen und Stellung beziehen" sagte Bürgermeister Uwe Raab. Die Reformation habe die Welt verändert, habe dem einfachen Volk Bildungschancen eröffnet, habe die Menschen einen angstfreien und selbstbestimmten Umgang mit Religion gelehrt. Heute stelle die Kirche den Menschen in den Mittelpunkt, erinnerte er an die Vielzahl der segensreichen Einrichtungen in der Stadt, angefangen von Kindergärten bis zum Brigittenheim, von Gemeindezentren bis zu Sozialstationen.

Der Neujahrsempfang gilt als gute Tradition in Pegnitz. Der Kirchenvorstand lädt einige Ehrengäste dazu ein, darunter auch Stadträte, Behördenvertreter und Gemeindehelfer.

"Im Grunde ist es eine offene Veranstaltung, zu der wir im Kirchenboten alle Interessierten einladen", erklärte Vertrauensfrau Gisela Schleifer. Das gesamte Gremium bewirtete die Gäste mit Getränken und leckeren Snacks.

Die Kantorei unter der Leitung von Mei-Hui He übernahm die musikalische Gestaltung und gefiel unter anderem mit dem Luther-Lied "Nun freut euch, liebe Christeng’mein".  

BRIGITTE GRÜNER

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