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Pegnitz: Polizei verhindert womöglich Terroranschlag

Die Beamten nahmen einen jungen Syrer fest - Keine Hinweise auf Hintermänner - 29.11.2017 14:06 Uhr

Dieses Foto zeigt Mamdoh A., der in Pegnitz lebte. © Ralf Münch


Nur durch einen Zufall kamen die Ermittler dem jungen Mann auf die Schliche. Wegen einer anderen Straftat hatten die Beamten die private Wohnung durchsucht und entdeckten dabei Material des Islamischen Staates. Hinweise auf ein konkretes Anschlagsziel fand die Polizei allerdings keine.

Vermutlich waren die Räume wegen eines Eigentumsdelikts durchsucht worden. Solche Razzien sind zum Beispiel üblich, wenn jemand bei einem Ladendiebstahl erwischt wird. Dabei geht es darum, professionelle Diebesbanden zu entlarven. Die Staatsanwaltschaft bestätigte zwar den Terrorverdacht. Weitere Angaben machte sie nicht. Der Verdächtige schweige zu den Vorwürfen, hieß es. Auch zu möglichen Hintermännern wurde nichts bekannt. 

Der inzwischen 19-Jährige war im Frühsommer 2015 nach Deutschland eingereist und beantragte Asyl. Er wurde laut Angaben von Michael Benz, Pressesprecher des Landratsamtes Bayreuth, in Pegnitz durch Condrobs betreut und war zeitweise in einer Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge im Pegniter Mühlweg untergebracht. Condrobs ist ein Träger für soziale Hilfsangebote in Bayern. Benz: "Im Rahmen seiner Persönlichkeitsentwicklung war er unauffällig."

Jetzt wurde Anklage erhoben

Der Syrer besuchte laut Benz zuletzt die Mittelschule "und hätte diese voraussichtlich auch erfolgreich beendet". Thorsten Herzing, Schulleiter der Sammetschule in Pegnitz, wollte auf Nachfrage der Nürnberger Nachrichten noch keine Stellungnahme abgeben.

Nun wurde gegen den Syrer Anklage erhoben wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, dafür drohen dem Syrer bis zu zehn Jahre Haft.

In Pegnitz leben derzeit knapp 150 geflüchtete Menschen, es gibt einen sehr aktiven Unterstützerkreis und die Stadt biete viele Integrationsprojekte an.

Renate Steinhagen ist Vorsitzende des Unterstützerkreises in Pegnitz. Sie kannte den Terrorverdächtigen nicht. "Es gibt böse Menschen auf der ganzen Welt. Das sieht man den Menschen nicht an." Sie hält es durchaus für möglich, dass sich die Festnahme und Anklage des Syrers auf das Klima zwischen Pegnitzern und Flüchtlingen auswirkt. "Es gibt immer Menschen, die sich dadurch verschrecken lassen und mehr Angst bekommen als sie sowieso schon haben", sagt Steinhagen.


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Lorenz Bomhard, Luisa Degenhardt

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