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Pegnitz: Umgemodeltes Musical geriet zu einem "Hinhörer"

"Musica Lingua" mit "Jesus Christ Superstar" in der Sophienhöhle - 29.06.2015 17:36 Uhr

Der Chor „Lingua Musica“ aus Pegnitz und die Gastsolisten begeisterte mit dem Musical „Jesus Christ Superstar“ in der Sophienhöhle. © Foto: Thomas Weichert


Schon mehrfach hatte sich „Lingua Musica“, unter anderem Kulturpreisträger des Landkreises Bayreuth 2007, unter der Leitung von Michael Starke an Musicals herangewagt und diese erfolgreich aufgeführt. Seit Beginn dieses Jahres wurde die Präsentation eines der Musical-Klassiker von Andrew Lloyd Webber geprobt.

Und selbstverständlich übernahm Michael Starke, bekannt für seine Leidenschaft zur Musik, seine innovativen Ideen und auch eigenen Kompositionen, nicht einfach den althergebrachten Stoff von „Jesus Christ Superstar“. Er gestaltete das Stück collagenartig und fügte zentrale Szenen aus dem Musical mit Spirituals und literarischen Texten stimmig zu einem neuen Ganzen zusammen.

Der aus knapp 30 Mitgliedern bestehende Chor überzeugte die Zuhörer mit homogenem Klang, Dynamik und ausdrucksstarken Schattierungen. Vom sanften, legato-geführten Klagegesang im extrem anspruchsvollen achtstimmigen A-cappella-Spiritual „Were you there, when they crucified my lord?“ über hymnische Partien im „Hosanna“ und „The Last Supper“ bis hin zu den souligen und rhythmisch gut strukturierten Gesängen in „Jesus Christ Superstar“ zeigte der Chor sicheres Auftreten und man spürte sowohl die akribische und detaillierte Vorbereitungsarbeit als auch die Freude am Singen und das Engagement für das Stück.

Dieses geht bei Lingua Musica bekanntlich weit über das normale Maß eines Amateurchores oder eines reinen Kirchenchores hinaus. Für das ambitionierte Musical-Projekt hatte Michael Starke zusätzlich vier Solisten ins Boot geholt, die ihre Rollen auch szenisch beeindruckend vor der einmaligen Höhlenkulisse umsetzten.

Martin Dechet, Bariton, kommt aus dem Opernfach und gab mit schlank geführter Stimme und großem Ton den Jesus. Astrid Haas, wie ihre beiden Kolleginnen hat sie ihre Musicalausbildung in Nürnberg genossen, überzeugte als Maria Magdalena mit zarter und lyrischer Stimmfarbe, die auch an den dynamischen Höhepunkten tragfähig ist. Rebecca Brinkmann zeigte in ihrer Rolle als Simon Zealotes ihre präsente Stimme mit großem Ton. Und Marina Esslinger gab einen sehr rockig und bluesig angelegten Judas und führte mit viel Schwung und Bühnenpräsenz zum abschließenden Höhepunkt des Musicals, bei dem es die mitklatschenden Gäste in der Höhle kaum auf den Bänken hielt.

Kongeniale Begleitung

Instrumental begleitet wurden die Sänger ebenfalls live von der gut aufeinander eingespielten Band, bestehend aus Michael Starke am Piano, Markus Wieding am E-Bass und Andreas Trautner an den Drums. Das Trio gestaltete den klanglichen Background des Musicals mit rhythmischer Prägnanz und abwechslungsreicher klanglicher Gestaltung.

Alles an diesem Abend war live, bis auf die eingespielten Texte, von verschiedenen Stimmen rezitiert und mit großem Ausdruck gestaltet. Diese waren ein echter „Hinhörer“, nicht nur wegen der interessanten klanglichen Verfremdung, sondern auch wegen ihres fast tagesaktuellen sozialkritischen Bezugs. Eine furiose Erstaufführung in der Sophienhöhle.

Am Sonntag, 12. Juli, um 20 Uhr gibt es eine zweite Aufführung in der St.-Marien-Kirche in Creußen. „Afrikanische Trommelmusik“ präsentiert das Ensemble Chancho Va am Freitag, 10. Juli, um 20 Uhr in der Sophienhöhle. 

THOMAS WEICHERT

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