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Pegnitzer Wasserberg ist nun sogar doppelläufig

"Karstpapst" Dr. Alfons Baier adelt ehrenamtliches Bemühen um Erhalt des Naturwunders mit Würdigung in den geologischen Blättern - 02.09.2018 14:08 Uhr

Dr. Alfons Baier (l.) zusammen mit Mitgliedern des Kleinen Historischen Kreises bei Tracerversuchen am Auslauf des Wasserbergs. © Reinl


Der Restaurierung der "Unterirdischen Pegnitz" und "den Rettungsmaßnahmen eines als besonders wertvoll eingestuften nordbayerischen Geotops durch private, mediale, universitäre und kommunale Initiativen" hat der Erlanger Geologe Dr. Baier in den schon 1951 von Professor Dr. Bruno von Freyberg begründeten "Geologischen Blättern" über 20 Seiten gewidmet mit dem Ziel, nicht nur Geologen, sondern auch Behörden, Ingenieurbüros und Hobbyforscher für die Pflege dieses Naturwunders zu sensibilisieren.

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Stadt-Heimatpfleger erkundete Wasserberg in Pegnitz

Ein vorrangiges Projekt für die Themengruppe Fremdenverkehr beim Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK ist die attraktivere Präsentation des Wasserbergs in Pegnitz. Jetzt arbeitete sich eine Gruppe um den Stadt-Heimatpfleger Helmut Strobel und den Montan-Historiker Jörg Wettengel in das Innere des Karstwunders vor. Dabei trafen sie auf eine erstaunlich gut erhaltene Bausubstanz, aber auch auf Unmengen von Schlamm.


Der Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Angewandte Geologie in Erlangen weiß, wovon er spricht, forscht er mit seinen Studenten doch immer wieder am Wasserberg: "Der unterirdische Durchbruch der Pegnitz gilt als karsthydrogeologische Besonderheit, die seit Jahrzehnten Geologen sowie naturwissenschaftlich interessierte Touristen aus ganz Deutschland zu einem Besuch in der Stadt veranlasst."

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Pegnitzer Karstwunder Wasserberg von Schlamm befreit

In halbjähriger "Drecksarbeit" haben Ehrenamtliche rund um den "Kleinen Historischen Kreis" in Pegnitz das Karstwunder Wasserberg von über 90 Kubikmeter Schlamm befreit und ihn so für das kühle Nass wieder durchgängig gemacht. Wertvolle Dienste leistete dabei ein Saugrüsselfahrzeug der Firma Veolia. Bürgermeister Uwe Raab lobte das Engagement, das vom Wasserwirtschaftsamt und vom Geozentrum Nordbayern fachlich begleitet wurde, als ersten Meilenstein im Bemühen, Pegnitz als "Stadt am Wasser" wieder erlebbar zu machen.


Ausführlich geht er in seiner Facharbeit auf die geologische Besonderheit ein und das stete Bemühen, das Geheimnis des Berges zu lüften. Er übt aber auch Kritik: "Seit Jahrzehnten war ein zunehmender Verfall des Naturdenkmals zu beobachten. Trotz langer Planungen wurden nur wenige Anstrengungen unternommen, dieses Kleinod fachgerecht zu restaurieren und der Öffentlichkeit angemessen präsentieren zu können. Erst in jüngster Vergangenheit konnten mit der Stadt, dem "Kleinen Historischen Verein" sowie ortsansässigen Firmen, dem Wasserwirtschaftsamt, dem THW sowie dem Lehrstuhl für Angewandte Geologie Erlangen umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt werden, um dieses natürlich entstandene "Vorzeige-Beispiel" einer Flussschwinde in den ursprünglichen Zustand zu versetzen.

"Kreuzweis übereinander laufendes Wasser"

Eingehend befasst sich der Wissenschaftler mit dem ausgeklügelten Wasserleitsystem, das einst mehrere Mühlen mit Energie versorgt und zudem dem Wasserberg den nötigen Zulauf beschert hat. 1692 schon schrieb der Creußener Pfarrer Johann Will in seinem berühmten "Teutschen Paradeiß" von dem Pegnitzer "Wahrzeichen mit dem kreuzweis übereinander laufenden Wasser", einer "Flusskreuzung", die in den 1930er Jahren durch einen betonierten Düker ersetzt wurde.

Baier liefert aber auch neue Erkenntnisse. So hätten Tracerversuche gezeigt, dass sich der Kalkgehalt des Wassers im Berg verzehnfacht, was beweist, dass die Wasserläufe immer mehr ausgehöhlt werden. Ab Mai 2015 konnte zudem ein zweiter Wasserweg nachgewiesen werden, der sich bis zum Mai 2017 sogar zum Hauptgerinne entwickelt habe. Pegnitz verfüge somit quasi über einen doppelten Wasserberg.

Einzigartiges Wassersystem

Dem "Karstpapst" ist der Wasserberg ans Herz gewachsen: "Vielleicht erlebe ich noch, dass dieses Wassersystem mit ingenieurwissenschaftlich sehr interessantem Düker in einen einwandfreien Gesamt-Zustand versetzt wird. Für Pegnitz wäre dies eine naturwissenschaftlich wie touristisch bedeutsame Attraktion mit dem Charakter eines Alleinstellungsmerkmals." 

ISI REINL

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