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Pflaum, früher nie um markante Sprücheverlegen,spricht im Zusammenhang mit dem nun begonnenen Teilabbruch des PPP von Lähmung: „Ich kämpfte mit aller Gewalt dafür, mich zu bewegen. Dann kamen die Träume eine Zeit lang nicht mehr und ich glaubte ich sei erlöst, doch dann kam es wieder und ich wusste, die Stunde der Selbstgerechten ist angebrochen.“
„Aufstieg und Fall trennt oft nur wenig“, sinniert er weiter: „Berufliches Scheitern gehört zum Leben, gerade in verantwortungsvollen Positionen und großer öffentlicher Exponiertheit. Das Hochklettern ist dabei oft zäh, benötigt viel Kraft und Geduld. Oben dann sind die Hände zahlreich, die einem zugestreckt werden. Im Glanz des individuellen Erfolges mögen sich viele sonnen. Stürze erfolgen in der Regel einsam.“
Im PPP sieht Pflaum keinen Einzelfall: „Seine Karriere in der Hotellerie war glänzend und steil. Genauso abrupt ist sie nun unterbrochen worden.“ Obwohl der international anerkannte Hotelier erstmals auch eigene Fehler eingesteht, geht er doch auch mit dem Umfeld in Pegnitz hart ins Gericht: „Diese Stadt tut sich schwer mit Scheitern und Karrierebrüchen, weil sie keinen unverkrampften Umgang pflegt mit Überdurchschnittlichen, mit Mutigen und Visionären. Sie werden geduldet, solange sie nicht anecken. Dem korporatistisch geprägten Milieu dieser Stadt aber bleiben sie letztlich suspekt, vor allem dann, wenn sie in ihrer Person Erfolg, Macht und Vermögen vereinen. Stolpern sie, dann werden sie gerne fallengelassen. Aussicht auf eine zweite Chance? Fast aussichtslos. Faire Beurteilung von Leistung im Verhältnis zur Relevanz des Misstritts? Fehlanzeige. Der Kopf hat zu rollen, es gilt Schaden zu begrenzen und rasch zur gewohnten Routine zurückzufinden.
Mit Schrot trifft man immer. Wer sich Schuld auflädt, hat Sühne zu leisten. Wer Gesetze bricht, soll mit Sanktionen rechnen, auch wer sich moralisch ins Abseits stellt, Land und Leute mit Füßen tritt, der Stadt Pegnitz schadet. Die Pflaums aber gehören nicht in diese Kategorie.
Auch solche Menschen stolpern, mag sein. Aber sie stolpern auf einem schmalen Grat, den sie bisher einigermaßen sicher beschritten haben, vor allem im Interesse der Stadt. Nun schlägt die Stunde der Selbstgerechten, der moralisch Unfehlbaren, all jener also, die es immer schon gewusst haben. Zeit, Scherbengericht zu halten. Endlich ist bewiesen, welches Menetekeltier zu beseitigen ist.“
Erneut macht Pflaum der Stadt den Vorwurf, das Vorkaufsrecht nicht ausgeübt und so dem Engagement einer Briefkastenfirma auf den British Virgin Island indirekt Vorschub geleistet zu haben. Dazu komme die Fehlberatung einer Pegnitzer Steuerkanzlei und eine nicht nur nach Ansicht des Schriftstellers, Gerichtspräsidenten a. D. und PPP-Stammgastes Herbert Rosendorfer juristisch fragwürdige Aufarbeitung.
Der Ex-Hotelier weiter: „Wer bewusst Schrot lädt, tut dies im Wissen, dass fast immer irgendetwas getroffen wird. Ist der Angeschossene fahrlässig genug, sein Verhalten nicht akribisch abzusichern, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er entscheidend verwundet zu Boden sinkt. Das ist weder mit Recht noch mit Moral vereinbar.
In einem solchen Klima gedeihen die Stillen, Unauffälligen, Mutlosen, Taktierer und Opportunisten. Es begünstigt das Mittelmaß, nicht Exzellenz. Der Ruf nach Null-Fehler-Toleranz heißt, keine Fehler zu machen. Keine Fehler begeht, wer sich nie exponiert, nie das Risiko wagt. Wer Verantwortung übernimmt, kann sie mit dieser Einstellung nicht wahrnehmen. Pflaum hat in seiner privaten Vermögensverwaltung unklug gehandelt, wohl wahr. Der Verdacht, er habe als Hotelier Verfehlungen getan, ist nicht bewiesen. Den Geruch aber wird er nicht mehr los. Das Infame daran ist, dass die Beweislast umgedreht wird: Nicht die Anklage hat das Fehlverhalten zu dokumentieren, der Angeklagte ist in der Pflicht“, so der Gastronom.
Inzwischen hat auch Pflaum erkannt, dass der Fall „PPP“ Geschichte ist. „Der Löwe ist erlegt, die Jäger blasen ins Horn, die Hunde bellen – die prachtvollen Eichen sind gefällt, ein Kulturdenkmal zerstört – die Karawane zieht weiter. Rechtlich ist dagegen kein Kraut gewachsen. Moralisch ist es stark zu bedauern, meint und schreibt der Schweizer M. Spillmann. Andreas Pflaum steht verbittert davor, als Figur eines Kriminalfalles und Romans, wie es kein Drehbuch hätte besser schreiben können.“
Pflaums Verzweiflung ist groß: „Weiß man, wer man ist? Ich frage mich unaufhörlich. Ich ist ein anderer, ist ein Brunnen ohne Grund. Ein Wendepunkt deutet sich an: Ich muss mein Leben anders ausfüllen. Doch wie sich dieser Befreiungsschlag auswirken soll, wissen die Götter. Momentan fühle ich mich zutiefst deprimiert, doch die Zukunft bleibt im Konjunktiv. Da heißt es nur lapidar: Ich werde leben, auf meine Art. Letztlich geht die Entwicklung unaufhörlich weiter.
Von Geburt an leben wir mit einem Unbekannten. Man muss miteinander auskommen und versuchen, sich zu verstehen, das ist nicht immer einfach. Ich versteht sich nicht mit Ich. Und bei manchen hält das an, bis sie schließlich unter der Erde sind. Der einzige Ausweg ist Gott.“



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