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Pottensteiner Tourismus: Es geht weiter bergauf

Übernachtungen und Aufenthaltsdauer gestiegen — Bernard will Nachhaltigkeit - 11.03.2017 17:21 Uhr

Die Erlebnismeile mit der Sommerrodelbahn ist das Zugpferd unter den Freizeitangeboten in und um Pottenstein.

Die Erlebnismeile mit der Sommerrodelbahn ist das Zugpferd unter den Freizeitangeboten in und um Pottenstein. © Irene Lenk


"Tourismus und Pottenstein, das läuft ganz gut", sagt Thomas Bernard. Der Fachmann unterscheidet zwischen zwei Arten von Besuchern: Übernachtungs- und Tagestouristen. Letztere machen fast zwei Drittel des direkten touristischen Umsatzes aus, im vergangenen Jahr waren es um die 750 000. "Das hat sich in den letzten 20 Jahren geändert", der prozentuale Anteil der Tagesgäste sei in dieser Zeit stetig gestiegen.

Die Gründe für Pottensteins touristische Erfolgsgeschichte sind laut Bernard vielseitig. Landschaft, Ortsbild, Image, Kultur und Freizeitangebote machen Pottenstein zu einer "der wichtigen Destinationen in der Fränkischen Schweiz". Die Gemeinde habe für hiesige Verhältnisse eine große Vielfalt, die jedem etwas biete. Im vergangenen Jahr wurden 252 430 Übernachtungen erfasst, "ein kleiner Spitzenwert" und tatsächlich der höchste in den vergangenen zehn Jahren.

Das sei im Vergleich zu manch anderer Gemeinde in der Fränkischen ein guter Wert. Laut Bernard kommt der Wert folgendermaßen zustande: Betriebe mit über zehn Betten müssen ihre Übernachtungszahlen an das statistische Landesamt melden.

Unterkünfte mit weniger als zehn Betten müssen das nicht, die Gemeinde kann das aber machen, wenn sie will. Pottenstein tut das und kann so mit ansehnlichen Zahlen aufwarten.

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Der Rundweg beginnt mitten in Pottenstein am Marktplatz. Der Marktbrunnen, zur Osterzeit festliche geschmückt, stellt die heilige Elisabeth in Lebensgröße dar. Anschließend folgt die Tour den Spuren der Heiligen weiter über den Fußweg hinunter ins Weihersbachtal. An der B470 erinnert die Elisabethstatue an ihr Wirken in Pottenstein. Vorbei an der Weihersmühle (noch in Betrieb) ersteigt man linkerhand den Siegenberg - es tut sich ein herrlicher Ausblick auf. Am Ende des Panoramaweges erreichen die Wanderer die Kreuzkapelle mit ihrer Kreuzigungsgruppe. Anschließend steigt man den Kreuzberg hinab, vorbei an den 14 Kreuzwegstationen und der Kreuzträgerkapelle ins Püttlachtal.
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Die Spitzenmarke, was die Ankünfte von Gästen in den vergangenen zehn Jahren angeht, wurde 2016 ebenfalls geknackt: Waren es in 2015 noch 69 760, wurden im Folgejahr 72 193 gezählt. Die Touristen blieben im Schnitt 3,51 Tage, die Auslastung der Gästebetten lag bei 36,49 Prozent. Beide Werte liegen über dem Durchschnitt in Franken. "Die Aufenthaltsdauer hat sich stabilisiert. Wir sind bemüht, dass sie steigt", sagt Bernard.

Das funktioniere nicht nur über die Gestaltung des Angebots. Sondern der Gast müsse erkennen, dass er die Fränkische Schweiz in zwei oder drei Tagen nicht erleben kann. "Er muss realisieren, dass er viel Zeit braucht." Je mehr Infrastruktur da sei, desto länger bleibe der Tourist. Die meisten kommen in der Zeit von Ostern bis Ende Oktober.

Besucher besser verteilen

Trotz des positiven Trends gibt es viel zu tun in der Felsenstadt. So stellt Bernard sich die Frage, wie sich das Image und die Freizeitinfrastrukturen positiv weiterentwickeln können. Ein Mittel sei der Abbau von "Frequentierungsspitzen" bei den Tagesgästen. Was kompliziert klingt, ist einfach erklärt. An langen Wochenenden wie an Pfingsten kommen die Touristen in Scharen zum Beispiel zur Erlebnismeile, während wenige Tage später, aber immer noch in der Ferienzeit, deutlich weniger los sei.

Ziel ist es, den Ansturm dort zu entzerren, sodass es zu Spitzenzeiten nicht mehr Anfragen als Angebote gibt. Und dass es keine Verkehrsprobleme mehr gibt. Wie soll das passieren? "Über die Preisschiene oder über Information", so Bernard. Der Tourist müsse aufgeklärt werden, dass es an anderen Tagen möglicherweise stressfreier ist, die Erlebnismeile zu besuchen. Was die Verkehrsproblematik angeht, geht Bernard davon aus, dass sich diese dank der geplanten Verlegung des Rodelbahn-Parkplatzes auf den Langen Berg entspannen wird.

Ein wichtiges Stichwort ist für Bernard auch das Thema "Innenmarketing". "Die Freizeiteinrichtungen sollen immer informiert sein, was beim Nachbarn los ist", sagt er. Wenn also ein Tourist an der Rodelbahn wissen will, ob der Soccerpark geöffnet ist, sollte der Mitarbeiter an der Rodelbahn Auskunft geben können.

Eine Verbindung der Freizeiteinrichtungen gibt es bereits: Seit 2014 können Touristen auf dem Erlebnismeilen-Rundwanderweg von Attraktion zu Attraktion spazieren. Um langfristig Touristen nach Pottenstein zu locken, setzt Bernard auf Kinder und Jugendliche. Denn wer in jungen Jahren einmal in der Jugendherberge übernachtet habe, erinnere sich später vielleicht daran, dass Pottenstein einen Besuch wert ist. "Das ist die Zielgruppe von morgen."

Das Tourismusbüro führt außerdem eine interessante Statistik: Bernard erfasst, wie viele Prospekte mit Unterkunftsverzeichnissen wann wohin verschickt werden. 2520 Prospekte waren es im vergangenen Jahr, die meisten davon (450) gingen im März raus. "Vor 20 Jahren war im Januar und Februar die absolute Spitze. Die meisten haben dann ihren Urlaub geplant", sagt Bernard.

Neue Dynamik

"Jetzt sind die Leute höchst flexibel geworden. Das ist eine Dynamik, die es früher nicht gab." Er stellt auch fest, dass die Prospektanfragen steigen, sobald für längere Zeit schönes Wetter angekündigt ist. Das zeigt sich an den Zahlen für August: In diesem Monat wurden 2016 212 Prospekte verschickt. "Das gab es früher gar nicht."

Pottensteins Zugpferd unter den touristischen Angeboten ist die Erlebnismeile. Doch Bernard sagt, er hätte kein Problem damit, wenn die Erlebnismeile in Ahorntal oder Pegnitz wäre. Ziel sei es ja, die Touristen bei Laune zu halten. "Nicht jede Gemeinde braucht so eine Infrastruktur wie Pottenstein."

Wichtig sei nicht wie viele Gäste in jeder einzelnen Einrichtung seien, sondern wie die Kopplungen sind. Nichtsdestotrotz ist der Tourismus der größte Wirtschaftsfaktor in Pottenstein. Und daran hat auch die Erlebnismeile einen enormen Anteil. 

LUISA DEGENHARDT

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