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„Produzieren mit Millioneninvestition nur höhere Kosten“

Äußerst kontroverse Diskussion über „Entwicklungskonzept 2015“ für die Therme in Obernsees — Projekt auf ein Drittel abgespeckt - 09.12. 18:54 Uhr

FRÄNKISCHE SCHWEIZ  - Das Wettrüsten unter den Thermen geht weiter, wenn auch mit verminderter Flamme: Auf rund 15 Millionen Euro war das „Entwicklungskonzept 2015“ für das Bad in Obernsees einst veranschlagt. Selbst nach einer Reduzierung auf ein Drittel ist das Projekt im Kreisausschuss nicht unumstritten. Die zentrale Frage: Warum soll man fünf Millionen Euro investieren, wenn dadurch die Betriebskosten sogar noch steigen und das Defizit nur gestoppt werden kann?

Bei der Diskussion über den Ausbau der Therme Obernsees im Kreistag war keine Rede von einer Senkung der Eintrittspreise.
Bei der Diskussion über den Ausbau der Therme Obernsees im Kreistag war keine Rede von einer Senkung der Eintrittspreise.
Foto: nn
Bei der Diskussion über den Ausbau der Therme Obernsees im Kreistag war keine Rede von einer Senkung der Eintrittspreise.
Bei der Diskussion über den Ausbau der Therme Obernsees im Kreistag war keine Rede von einer Senkung der Eintrittspreise.
Foto: nn

Zu Beginn der Sitzung wurde im Landratsamt Bayreuth der neue Image-Werbefilm gezeigt. Das war vielleicht nicht der klügste Schachzug, entstand doch dabei der Eindruck, alles sei in der Therme zum Besten bestellt. In der Tat gibt es dort auch keine Sanierungsnotwendigkeit, wie Landrat Hermann Hübner (CSU) klar herausstellte. Wohl aber müsse man nach acht Jahren neue Alleinstellungsmerkmale schaffen, wenn man mit der immer größeren Konkurrenz an neuen Bädern Schritt halten wolle.

Gernot Geyer, der Geschäftsführer des Thermen-Zweckverbands, erläuterte die Vorgeschichte. Nachdem sich die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend verschlechtert habe – die Besucherzahlen gingen von 325000 im Jahr 2004 auf aktuell 240000 zurück, während das Defizit seit 2007 von 33000 auf 289000 Euro anstieg – sei man zum Handeln gezwungen, um die Bergfahrt beim Fehlbetrag wenigstens zu stoppen.



Zusammen mit der Betreibergesellschaft GMF und dem Architekten habe man deshalb ein Konzept für mittelfristige Notwendigkeiten erarbeitet. Damit sollte die Familienstrategie gestärkt werden, ergänzt mit zusätzlichen Angeboten in den Bereichen Erholung und Genuss. Für dringend notwendig erachtet wird dabei eine stärkere Trennung der Altersgruppen, decke doch Obernsees als einzige Therme weit und breit die Bandbreite vom Säugling bis zum Greis ab.

Die ersten Kostenschätzungen von bis zu 15 Millionen Euro lösten alles andere als Hurra-Rufe aus. Nicht zuletzt der Pegnitzer Bürgermeister und stellvertretende Landrat Manfred Thümmler (CSU) forderte Rücksicht auf die vielen Gemeinden, die selbst Bäder betreiben. Man könne diesen nicht Konkurrenz machen und zudem erwarten, dass sie das über die Kreisumlage auch noch mit finanzieren.

Der Zweckverband hat sich das zu Herzen genommen und den ersten Bauabschnitt von ursprünglich rund sieben auf nunmehr etwa fünf Millionen Euro abgespeckt.

Höchste Priorität sollen dabei der Kindererlebnisbereich und eine Aufwertung der Saunalandschaft genießen. Für den Nachwuchs sollen rund drei Millionen Euro investiert werden. Gestrichen wurden eine etwa eine Million Euro teure Doppelrutsche, ein attraktiveres zweites Außenbecken, ein externer Ruheraum sowie die Erweiterung der Umkleide- und Beautyräume.

1,2 Millionen Euro bleiben für eine Themensauna und einen Teich, nachdem ein Ruhehaus, ein Bierkeller sowie die Verlegung des Whirlpools und des Bistros verworfen wurden.

Diese Rückbesinnung auf Maßnahmen zur Bestandssicherung stellten nun auch Thümmler ruhig. Die jetzige Planung sei für ihn allerdings auch die Grenze. Bei weiteren Investitionen müsse eine Bädergesellschaft für die ganze Region gegründet werden, denn allein Pegnitz habe dann den Kreiszuschuss von einer Million Euro für sein CabrioSol anderweitig schon längst wieder eingezahlt.

Hans Hümmer (FWG) stellte den Sinn der Investition insgesamt in Frage, gehe man doch selbst bei 20000 Besuchern mehr im Jahr weiter von einem Defizit aus. Er stellte Überlegungen an, sich eventuell — wie Hersbruck — von der Betreibergesellschaft zu trennen, das Gesamtkonzept zu verwerfen und sich auf nötige Anpassungen zu beschränken.

Auch CSU-Sprecher Günter Dörfler berichtete von sehr kritischen Betrachtungen in seiner Fraktion. Das reduzierte Programm sei der richtige Weg, den rückläufigen Trend zu stoppen. Allerdings dürfe die Maßnahme nur angegangen werden, wenn auch die erhofften Zuschüsse von 55 Prozent fließen.

Diese Zuschussfrage sah auch Werner Kaniewski (SPD) völlig offen, die Diskussion über das Vorhaben deshalb hypothetisch. Eine Millioneninvestition ohne nennenswerte Senkung des Defizits, noch dazu hochgerechnet von der Betreibergesellschaft selbst, mit nicht gesicherten Zahlen, werfe viele Fragen auf. Deshalb forderte er sogar eine Zurückstellung.

Harald Mild (CSU) aus Creußen ging noch weiter: „Wir produzieren mit dem Plan noch höhere Umlagekosten, höhere Besucherzahlen dagegen sind reine Spekulation. Nachdem feststeht, dass Mehreinnahmen nur über die Gastronomie möglich sind, werden wir in einigen Jahren in Zugzwang kommen.“

„Fremdenverkehr kostet Geld“

Während Karl Lappe (WG) das Risiko für überschaubar hält („Fremdenverkehr kostet Geld“), wollte Norbert Pitsch (Grüne) nur zustimmen, wenn sich die Rahmenbedingungen, etwa über das geplante Feriendorf, ändern. Dr. Hermann Hiery (FDP) sah im Projekt nur die Aufforderung für Konkurrenten, auch nachzurüsten.

Als das Vorhaben schon zu kippen drohte, folgte doch eine 9:4-Mehrheit der Argumentation des Landrats und von Richard Müller (CSU), einen Grundsatzbeschluss zu fassen, um das Zuschussverfahren einleiten zu können. Dagegen stimmten Hans Hümmer und Hans Wittauer (FWG), Norbert Pietsch (Grüne) sowie Harald Mild (CSU). 



RICHARD REINL

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