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Mittwoch, 20.06.2018

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S’Gritli fährt durch Pegnitz und weiter zur WM

Traktorfans wollen mit 50 Jahre altem Gefährt zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland tuckern - 13.06.2018 09:00 Uhr

Beat Studer (links) und Werner Zimmermann fahren mit ihrem Traktor zum Vorrundenspiel Schweiz gegen Serbien, das am 22. Juni in Kaliningrad stattfindet. Auf dem Weg dorthin machten sie in Rosenhof bei Pegnitz Station. © Ralf Münch


Das betagte Fahrzeug ist nach der Lebensgefährtin eines des Traktor-Piloten benannt: Margarethe – auf Schwyzerdütsch "Gritli". Josef Wyer begleitet die beiden Fahrer Beat Studer und Werner Zimmermann in einem Auto. Wyer sucht die Nachtquartiere und dirigiert den mit GPS ausgestatteten Traktor zurück auf den richtigen Weg, wenn sich die beiden anderen mal wieder verfahren haben – was nicht so selten passiert.

In Pegnitz fuhren sie beispielsweise in die Sackgasse Am Bahnhofsteig und standen ratlos vor der Fußgängerunterführung. Beim Start gestern in Rosenhof wären die beiden mit ihrem Traktor doch prompt wieder Richtung Guyancourtbrücke getuckert – anstatt in Richtung Buchau und Leups zu fahren.

Warum die drei nach Kaliningrad unterwegs sind? Man mag es kaum glauben: Die drei wollen beim WM-Match der Schweiz gegen Serbien am 22. Juni im Stadion sitzen und ihr Land anfeuern. Deshalb steht das Unternehmen unter dem Motto "S’Gritli stürmt nach Kaliningrad".

"Das ist das erste Mal, dass wir so etwas machen", erzählte Werner Zimmermann in Rosenhof bei einem Bier. "Und ich muss zugeben, es war eine Schnapsidee." Die drei sind große Fußballfans und wollten ihr Team live sehen, "und dafür müssen wir eben zu den Vorrundenspielen fahren, denn man weiß ja nicht, ob die Schweiz weiterkommt", fügte Beat Studer hinzu. Er sammelt betagte Traktoren. "Man stelle sich vor, es war irgendwo im Allgäu auf der ersten Etappe. Da haben wir ein Hinweisschild für ein Traktortreffen gesehen. Wir haben einen Umweg gemacht und sind hingefahren. Es gab ein großes Hallo für unseren Bührer." Dabei handelt es sich um ihren Traktor, Baujahr 1964. "Er ist der Jüngste von uns", meinte Zimmermann augenzwinkernd.

"Sind wir in Ostdeutschland?"

Auch die weitere Reise Richtung Norden brachte viele Eindrücke. "Wir haben noch nie so große Kornfelder gesehen, in der Schweiz gibt es dafür nicht so viel Platz", berichtete Zimmermann. "Auch die Windräder auf den Anhöhen und die Solaranlagen auf den Dächern waren ungewohnt für uns." Als sie in Rosenhof ankamen, war eine ihrer ersten Fragen: "Sind wir schon in Ostdeutschland?" Sie ließen sich gern darüber aufklären, dass sie zwar noch in Bayern sind, aber eigentlich in Franken. Und dass es in der Nähe eine Fränkische Schweiz gibt.

Die drei Schweizer sind Frohnaturen und nehmen sich gegenseitig ständig auf den Arm. Die Scherze sind aber kaum zu verstehen, denn dafür bedienen sie sich ihrer Heimatsprache, des Schwyzerdütsch. Gute Laune ist wichtig, denn Studer und Zimmermann legen mit ihrem Traktor jeden Tag etwa 170 bis 180 Kilometer zurück, "meist auf Nebenstraßen, auf denen sieht man viel mehr". Die Schweizer sind begeistert von den Landschaften, die sie gesehen haben – und sind gespannt auf die großen Ebenen, die sie nach dem Thüringer Wald bis zur Ostsee erwarten. Die drei sind sich sicher: "Die Maschine hält durch." Fraglich sei nur, ob die mutigen Fahrer es in ihrer alten Kiste bis ans Ziel schaffen.

Die Fahrt der drei Schweizer nach Kaliningrad ist mit einem guten Zweck verbunden: Es geht um die Stiftung "Freude herrscht", die Kinder und Jugendliche für Sport und Bewegung begeistern will. Der gesamte Erlös dieser Goodwill-Tour geht an diese Stiftung. Ihre Reisekosten übernehmen die Traktoristen selbst. 

KLAUS ALTMANN-DANGELAT

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