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Schandfleck von Schnabelwaid soll schöner werden

Käufer für Bahnhof gesucht — Drei Jahre nach der Ersteigerung durch einen Unterfranken ist bisher eine Wohnung saniert - 27.08.2016 18:55 Uhr

Makler Michael Franz soll den Schnabelwaider Bahnhof wieder verkaufen. Das könnte schwierig werden. © Ralf Münch


„Ich bin für alles offen“, sagt Hannweber. Entweder jemand kauft das Gebäude im Ganzen oder er bringt die fertige Wohnung an den Mann. Oder jemand möchte eine der anderen Wohnungen, die er dann nach den Wünschen des Käufers saniert. So weit er weiß, war bislang ein Ex-Schnabelwaider Ehepaar da, das zurzeit in Großbritannien lebt, und hat Interesse gezeigt.

Die eine Wohnung im ersten Stock hat er so ziemlich fertig saniert. Es fehlt nur noch eine neue Heizung und etwas an der Elektrik. Auch die alten Fenster sind noch drin. „Ich muss jetzt erst mal wieder Geld an dem Objekt verdienen, bevor ich weitermachen kann“, sagt Hannweber. Sollte jemand eine der anderen Wohnungen haben wollen, könnte er die mit Abschlagszahlungen nach Fortschritt sanieren. Das bedeutet, der Käufer zahlt mit, äußert seine Wünsche, was er will – zum Beispiel bei den Sanitäreinrichtungen oder dem Bodenbelag – und kann explizit mitreden.

Warum er das Gebäude, das er ersteigert hat, nun wieder verkaufen will? „Kein Mensch saniert einen Bahnhof ohne schließlich einen Käufer dafür zu suchen und zu finden“, so Hannweber. Von seinem ursprünglichen Plan, die Wohnungen zu vermieten, ist er wieder abgekommen. „Da fehlt mir das Geld“, sagt er. Auch davon, dass sich im Dachgeschoss vielleicht ein Handwerksbetrieb einmietet – so hatte er es mal geplant –, ist er wieder abgekommen. Da die Schnabelwaider Feuerwehr nicht über eine Drehleiter verfügt, müsste er hier einen zweiten Rettungsweg einbauen. Seine Idee, ein betreutes Jugendheim unterzubringen — das Landratsamt Bayreuth hat nach seinen Angaben Interesse gezeigt – ist an einem Träger gescheitert. Der potenzielle Interessent kam aus Berlin, hat aber angesichts der Schnabelwaider Infrastruktur einen Rückzieher gemacht. Der Ort war ihm zu klein, es gibt bis auf einen einzigen Laden keine Einkaufsmöglichkeiten. Hannweber wollte dann mit seinem Architekten umplanen, aber irgendwie hat sich das dann zerschlagen. Nun hat er einen Bayreuther Immobilienmakler mit dem Verkauf des Gebäudes beauftragt.

1200 Arbeitsstunden

Zwar hat der Besitzer des Bahnhofs, Marcel Hannweber aus Dettelbach, eine Wohnung saniert, der Rest ist aber völlig heruntergekommen. So zum Beispiel das Treppenhaus. © Ralf Münch


„Das Interesse an der Immobilie ist gut. Das Angebot mit Exposé wird im Internet oft heruntergeladen“, hat er beobachtet. Für die Gesamtimmobilie will Hannweber 168 000 Euro haben, für die sanierte Wohnung 120 000 Euro – wenn sie denn komplett saniert ist. Das Treppenhaus will er noch herrichten und die Eingangstüren neu machen. Das Dach wird er nicht gleich, aber innerhalb der nächsten drei Jahre sanieren.

Rund 1200 Stunden Arbeit haben er und sein Team bislang in das Gebäude gesteckt, schätzt Hannweber. Die Gesamtkosten, die er bis jetzt geleistet hat, will er nicht genau beziffern. Aber ein sechsstelliger Betrag im unteren Bereich sei es schon gewesen. Insgesamt sind in dem Gebäude vier Wohnungen, das Erdgeschoss ist langfristig an die Deutsche Bahn vermietet. Die Substanz ist ein dreigeschossiger Sandsteinquaderbau, der seit 2014 in der Denkmalliste aufgeführt ist. Ursprünglich stammt das Haus aus dem Baujahr 1877.

„Es ist bei jeder Immobilie eine Herausforderung, sie zu verkaufen“, sagt Michael Franz, Chef des Maklerbüros Engel und Völker aus Bayreuth, der die Immobilie an den Mann bringen will. Bis Mitte November hat er dazu jetzt erst mal einen Vertrag mit Hannweber. Einen Bahnhof hat er allerdings noch nicht verkauft. Ob er das Gebäude an einen Käufer bringt, weiß er noch nicht. „Ich gehe aber immer davon aus, dass ich das Objekt verkaufe. Aber entweder die Klientel ist da oder nicht.“ Ein Nürnberger war schon da und hat sich das Gebäude angesehen. „Aber er hat gleich abgewunken. Da ist ihm noch zu viel zu machen und dazu ist er zu unerfahren, hat er gesagt“, so Franz. Und eine ehemalige Schnabelwaiderin, die jetzt in Großbritannien verheiratet ist, war mal mit ihrem Mann da. Sie war sehr interessiert, hat sich aber noch nicht entschieden. Ihr hat der Makler vorgeschlagen, die sanierte Wohnung separat zu kaufen.

Mehr Interessenten hat es bislang nicht gegeben. Auf die Klickzahlen im Internet gibt Franz nicht viel. „Da wird einfach die Seite angeschaut, aber nicht speziell wegen des Bahnhofs“, sagt er. Er glaubt, dass eher jüngere Leute mal in den Bahnhof ziehen. Die sind mobil und nicht durch die fehlende Infrastruktur benachteiligt. Aber auch ein Mehrgenerationenhaus ist für den Makler vorstellbar. 

FRAUKE ENGELBRECHT

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