12°

Sonntag, 23.09.2018

|

zum Thema

Schließung des Milchhofs ging ohne viele Tränen ab

Vor 25 Jahren machte der Betrieb dicht — Verbliebene Mitarbeiter wurden danach in Bayreuth weiterbeschäftigt - 05.01.2018 09:00 Uhr

Der Milchhof war einst einer der größten Betriebe im Altlandkreis Pegnitz. Kurz nach dem Umzug nach Bayreuth wurden die Gebäude abgerissen. © Archivfoto: Rosi Götz-Lange


Wehmut kam bei den knapp 50 von ehemals fast 150 Mitarbeitern, die damals noch in der Produktion beschäftigt waren, dennoch nicht auf. Bis auf einige Teilzeitkräfte hatte die verbliebene Belegschaft das Angebot der Käserei Bayreuth angenommen und wechselte zum l. Januar 1993 in die Wagnerstadt, wo kurz vorher eine neue Betriebsstätte an der Autobahn aus dem Boden gestampft worden war.

Bilderstrecke zum Thema

Vor 25 Jahren kam das "Aus" für den Milchhof Pegnitz

Vor 25 Jahren, zum Jahreswechsel 1992/93, endete die Produktion im Milchhof Pegnitz. Wehmut kam bei den knapp 50 Mitarbeitern dennoch nicht auf. Die meisten haben das Angebot der Käserei Bayreuth angenommen und sind in die Wagnerstadt gewechselt, wo eine völlig neue Betriebsstätte an der Autobahn aus dem Boden gestampft worden war. Auch viele der hochmodernen Maschinen aus Pegnitz wurden dorthin umgesiedelt. Der Milchhof Pegnitz hatte in den 50 Jahren seines Bestehens eine enorme Aufwärtsentwicklung erlebt. Nach der Amtszeit von Direktor Wolfgang Hiltl war allerdings wegen Missmanagements eine Fusion mit dem Milchhof Bayreuth-Kemnath unumgänglich. Unsere Bildergalerie zeigt einen Streifzug durch die Pegnitzer Firmengeschichte.


Bereits Mitte Januar sollte dort die Produktion der bisher in Pegnitz hergestellten Käsesorten anlaufen. Bis dahin mussten nahezu die gesamten Anlagen demontiert und nach Bayreuth gefahren werden. Die Maschinen waren zum Großteil erst wenige Jahre alt, denn in den Pegnitzer Milchhof war anlässlich der Fusion mit dem Milchhof Bayreuth-Kemnath im Jahr 1989 noch in Millionenhöhe investiert worden.

Um das Produktionsloch beim Umzug überbrücken zu können, arbeitete die Belegschaft in Sonderschichten. Produziert wurde auch am Wochenende. Im Lager stapelten sich 300 Tonnen Käse, die auf den Versand warteten. Mit der Inbetriebnahme des Neubaus der Käserei Bayreuth wurden neben Pegnitz auch die Milchhöfe Bayreuth und Kulmbach geschlossen.

Zur Käserei Bayreuth, der größten Genossenschaft Bayerns, gehörte neben dem Neubau dann nur noch das Werk in Kemnath, dessen Tage nunmehr auch gezählt sind, nachdem die Produktion komplett auf den Standort Bayreuth konzentriert werden soll. Vermutlich schon ab 2018 wird auf dem 45 000 Quadratmeter großen Grundstück unmittelbar an der A 9 ein zweistelliger Millionenbetrag investiert, mit dem Ziel, dort künftig mehr als 28 000 Tonnen Schnittkäse im Jahr zu produzieren, also mehr als bisher an den beiden Standorten Bayreuth und Kemnath zusammen. In Pegnitz wurden in der Endphase rund 100 000 Liter Milch pro Tag verarbeitet.

Der Milchhof Pegnitz hatte in den fünf Jahrzehnten seines Bestehens eine enorme Aufwärtsentwicklung erlebt. Die Käserei ging aus der Molkereigenossenschaft Pegnitz hervor, 1940 gegründet mit dem Ziel, die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zu verbessern. Nach zweijähriger Bauzeit konnte seinerzeit in Pegnitz eine neue Rahmstation am Mühlweg ihren Betrieb aufnehmen. Das Einzugsgebiet der damals noch reinen Buttermolkerei erstreckte sich von Gößweinstein und Pottenstein über Pegnitz bis nach Auerbach, Eschenbach und Trockau.

Nach Kriegsende nahte auch das Ende der Molkereigenossenschaft, die baulich und maschinell nur aufs Primitivste ausgestattet war. Dem damaligen Direktor Wolfgang Hiltl, der 1946 die Geschäftsführung übernommen hatte, gelang es aber, den Betrieb kontinuierlich auszubauen. 1950 kam die Fusion mit der Molkereigenossenschaft Eschenbach, in den 60er Jahren schlossen sich die Milchhöfe Vilseck und Königstein an. Über 15 Jahre hinweg war der Milchhof dadurch gezwungen, ständig zu erweitern und technische Verbesserungen durchzuführen. Mit Erfolg: 1981, am Ende der Amtszeit von Wolfgang Hiltl, zählte Pegnitz zu den Spitzenmolkereien Nordbayems.

Als er ausschied, hatte er noch große Pläne. Er wollte mit Amberg fusionieren. In Amberg sollte das weiße Sortiment laufen, Milch, Joghurt und Quark. Dort sollte die Verwaltung sein, in Pegnitz die Käserei. Aber es kam nicht dazu. Mitte der 80er Jahre geriet die Genossenschaft in die Schlagzeilen. Missmanagement in der Käseproduktion kosteten die Genossenschaft rund 2,4 Millionen Mark. Eine finanzielle Absicherung des Betriebs war auch unter einer neuen Geschäftsführung nicht möglich.

Um Arbeitsplätze und den Betrieb in Pegnitz zu retten, beschlossen die Genossen zum l. Januar 1989 eine Fusion mit dem Milchhof Bayreuth-Kemnath, der heutigen Käserei Bayreuth. Eine lange Brache blieb dem Pegnitzer Milchhofgelände nach der Stilllegung erspart. Die Maschinen wurden zügig ausgebaut. Vorübergehend war auch einmal angedacht, in dem leerstehenden Gebäude eine Stadthalle unterzubringen.

Als diese Pläne scheiterten, wurden die teils erst wenige Jahre vorher errichteten Betriebsgebäude abgerissen. Zu- nächst wollte eine Wohnbaugesellschaft aus Bayreuth auf dem freien Areal Wohnungen errichten, heute steht dort ein Senivita-Altenheim. Vom Altbestand ist heute nur noch das Verwaltungsgebäude erhalten, in dem ein Orthopäde jahrelang eine Praxis betrieben hat. Inzwischen dient das Haus als Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. 

rr/pe

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz