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Schnabelwaid: Leiterin des Kinderturnens hört auf

Seit 1999 führt Ingrid Krodel-Kießling die Kleinen spielend an den Sport heran — FSV Schnabelwaid sucht Nachfolger ab Sommer - 14.12.2016 14:52 Uhr

Natürlich sind die Kleinen aus der Kindernturn-Stunde Ingrid Krodel-Kießling mächtig ans Herz gewachsen. Trotzdem hört sie zu den Sommerferien auf. Sie wird dann 60 Jahre alt sein, eine Grenze ist erreicht. © Klaus Trenz


„Es reicht einfach“, sagt Krodel-Kießling. Das Amt muss jetzt in jüngere Hände, ist ihre Ansicht. Eigentlich wollte die Schnabelwaiderin schon diesen Sommer aufhören, hat sich aber von den Ältesten der Gruppe noch einmal breitschlagen lassen, weiterzumachen. Doch nun ist es genug. Nächstes Jahr wird sie 60 Jahre alt sein, eine Grenze für sie, mit dem Kinderturnen aufzuhören.

Seit 1999 leitete sie wöchentlich die Gruppe. Anfangs waren es eigentlich zwei, aber es wurden immer weniger Kinder, es kamen kaum welche nach und nun sind es momentan acht Buben und Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren. Mit ihrem Vorgängerverein, dem FC Eintracht Bayreuth, war sie damals auf Maiwanderung in Schnabelwaid. Da kam sie mit dem FSV-Vorsitzenden Gerhard Ziegler ins Gespräch, der jemanden suchte, der die Gruppe übernimmt. „Und schon hatte ich die Aufgabe“, sagt sie lachend. Später kam dann noch die Damengymnastik dazu und der Bau des Schützenhauses. Ingrid Krodel-Kießling und ihr Mann Peter gehören mittlerweile zum festen Stamm des Vereins.

Blöder Sportunterricht

„Sport hält jung“, sagt Krodel-Kießling. Und als sie ihren zweiten Übungsleiterschein machte, hat sie erfahren, wie toll Sportunterricht eigentlich sein kann. Von ihren Kindern – mittlerweile 40 und 32 Jahre alt –, hat sie damals erfahren, dass der Sportunterricht in der Schule richtig blöd sein konnte. „Ich wollte zeigen, dass es auch anders geht, dass Sport schön ist, gut tut und das ein Leben lang“, sagt sie.

Beim Kinderturnen ist ihr nicht das Gewinnen wichtig. „Die Buben und Mädchen sollen schwitzen, sich bewegen und miteinander etwas machen“, sagt sie. Gerade die Kinder, für die der Sport so wichtig wäre – zum Beispiel etwas übergewichtige oder schwerfällige –, würden bei Wettkampfspielen als Erstes ausscheiden und draußen stehen. Das will sie nicht.

In der Übungsstunde beschäftigen sich die Kinder zu Beginn selbst. Ein kleines Mädchen kommt gerade zu ihr gelaufen und möchte ein Seil zum Springen haben. „Vor den Sommerferien konnte sie das noch nicht, danach ging es auf einmal. Das ist doch toll“, sagt Krodel-Kießling lächelnd. Andere Kinder holen sich einen Ball und toben damit durch die Halle.

Einen Plan, was sie an welchem Tag machen will, hat Krodel-Kießling nicht. Dafür macht sie es schon zu lange. Heute ist es eine Bewegungsgeschichte. Die Kinder machen dabei verschiedene Stationen durch. Sie hangeln sich über Seile, die zwischen zwei Barren gespannt sind, schwingen mit dem Seil über eine Matte, balancieren über eine Bank, rutschen eine andere Bank hinunter, laufen auf Teppichfliesen und ziehen sich an einem Seil über einen gedachten Graben. Das Ganze soll ein Urwald sein, in dem sie silberne Datteln sammeln sollen.

Ingrid Krodel-Kießling hat dazu Weinkorken in Alufolie gewickelt. „Ich habe zu Haus einen Altmaterialienhandel“, erzählt sie lachend. Joghurtbecher, Pappkartons, Papprollen – alles kann sie irgendwie einsetzen.

Gaudi beim Fangen

Das Kinderturnen soll einen hohen Aufforderungscharakter an die Buben und Mädchen haben, sagt sie. Die Kinder sollen ausprobieren, jedes so weit und so viel, wie es kann. Zwingen tut sie niemanden zu etwas. Am Ende der Stunde gibt es eine Entspannungsphase, zum Runterkommen. Leider fällt die manchmal etwas kurz aus, „weil ja auch noch aufgeräumt werden muss“, bedauert sie. Jetzt in der Winterzeit haben die Kinder noch ein Lieblingsspiel am Schluss: Fangen im Dunkeln. Da ist immer viel Gaudi angesagt.

Was Krodel-Kießling bedauert, ist, dass gerade die Kinder, die Bewegung bräuchten, nicht kommen. „Wir machen hier kein Leistungsturnen nach Regeln“, sagt sie. Trotzdem leistet jeder etwas. Und dabei kommen die Kinder auch oft an ihre Grenzen. „Ich kann nicht, gibt’s nicht“, sagt die 59-Jährige, „es muss heißen, das kann ich noch nicht.“

Kräftigung, Kondition und Entspannung, das ist das Wesentliche, was der Sport ihr gibt. Darum geht es auch in der Fitnessgruppe, die sie einmal die Woche für die Erwachsenen beim FSV besucht. Auch in der Uni Bayreuth, wo sie als Lehrstuhlsekretärin arbeitet, leitet sie mit einer Kollegin zusammen eine Sportgruppe. Kommunikation, Freundschaften, Kennenlernen – so bringt sie es auf den Punkt.

Nun hofft Krodel-Kießling, dass sich für das Kinderturnen in Schnabelwaid jemand Neues findet, der weiter macht. Die Kinder wollen das. „Wir wollen das gerade für die Kleinen erhalten“, sagen Jana und Sara. Die beiden Zwölfjährigen sind die Ältesten in der Gruppe zurzeit. „Die Ingrid macht das gut und ist immer nett zu uns“, loben sie. Und auch Sienna (acht Jahre alt) ist begeistert von der Stunde. „Das ist cool hier“, sagt sie. 

FRAUKE ENGELBRECHT

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