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„Spaßanruf“ bei der Polizei hat ein teures Nachspiel

19-Jähriger täuschte im Suff eine Straftat vor — Jugendstrafrecht greift aufgrund mangelnder Reife — Geldstrafe - 19.04.2012 12:49 Uhr

Zweiter Weihnachtsfeiertag 2011: Der Pegnitzer Hubert S. (Name geändert) will mit seinen Brüdern „auf die Piste gehen“ und im Buchauer Rock-Café ein paar Cocktails trinken. Daheim wird mit mehreren Flaschen Bier „vorgeglüht“, bis zum späten Abend ist Hubert S. bereits „dicht“. Der Blutalkoholtest wird später über 1,8 Promille ergeben. Kurz nach Mitternacht klingelt in der Bayreuther Notrufzentrale das Telefon. Der Anrufer will zusammengeschlagen und ausgeraubt worden sein. Zunächst gibt er an, sich in Bayreuth zu befinden, dann erzählt er dem Polizeibeamten am anderen Ende der Leitung, dass er von der Pegnitzer Innenstadt aus telefoniert und der Überfall schon fünf Wochen her ist.

Eine Streife wird losgeschickt und findet schließlich statt des angeblich überfallenen Hubert S., von dessen Handy der offensichtlich falsche Notruf abgesetzt wurde. S. ist inzwischen so betrunken, dass er nur noch undeutlich sprechen kann. Immerhin gibt er sich laut Aussage des damals federführenden Polizeiobermeisters zugänglich und kein bisschen aggressiv und händigt den Beamten bereitwillig sein Handy aus, so dass diese einen Kontrollrückruf in der Bayreuther Einsatzzentrale tätigen können.

Heute kann sich Hubert S., der nach mehreren abgebrochenen Ausbildungen derzeit eine Umschulungs-Maßnahme des Arbeitsamts als Metallbauer absolviert und nur über ein sehr geringes Einkommen verfügt, an jenes wirre, von der Polizei aufgezeichnete Telefongespräch nicht mehr erinnern.

Dennoch mag ihm der Vorsitzende Richter Daniel Götz keine eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit bescheinigen. Wohl aber mangelnde Reife, so dass das Vergehen des jungen Mannes nach dem Jugendstrafrecht eingestuft und auch das Strafmaß entsprechend bemessen wird. Zumal der 19-Jährige erst letztes Jahr wegen des Versuchs der Strafvereitelung vor Gericht stand: Er hatte versucht, einen Freund, der einen anderen zusammengeschlagen hatte, per Falschaussage zu retten.

Richter Götz betont, dass es „kein Spaßdelikt“ sei, mehrere Polizeibeamte mit einem Unsinns-Anruf längere Zeit von ihrer eigentlichen Arbeit abzuziehen, sie „sinnlos zu binden“. Deshalb muss Hubert S. nun 300 Euro Strafe zahlen, die Gerichtskosten übernehmen — und erneut, wie schon 2011, 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit absolvieren. 

hvd

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