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Sternstunde zum Auftakt des Herbstprogramms

Perfekter Liederabend im Altenstädter Schloss - 28.09.2014 17:31 Uhr

Bhawani Moennsad (stehend) und Tatjana Shapiro präsentierten klassische Musik, die keine Wünsche offen ließ. © Foto: Pfaucht


Oder besser: Erlebt. Was die drei Künstler an diesem Abend unter dem griffigen Motto „Auf dem Wasser zu singen“ dem Publikum boten, sucht seinesgleichen, war ein Gesamtkunstwerk, das alle Sinne gleichermaßen verwöhnte und in jeder Hinsicht den Begriff „Superlativ“ verdient.

„Ich habe mir gewünscht, Lieder von Brahms, Mendelssohn Bartholdy und Schubert zu singen“, begrüßte die Mezzosopranistin die Zuhörer. „Auf dem Wasser zu singen, quasi als Spiegel zwischen Himmel und Erde, vielleicht, um ein wenig ins Jenseits zu schauen und wieder zurück.“

Wer anschließend mit Bhawani Moennsad in diesen Spiegel zwischen Erde und Himmel blicken durfte, wusste, was die Sängerin meinte: Abheben vom Boden, aufsteigen in himmlische Sphären, eintauchen in die weiten Wogen des Meeres und davongetragen werden in eine andere Welt.

„Als ich ihr zuhörte“, kommentierte ein Konzertbesucher ihren Auftritt, „ich habe mir gewünscht, dass diese Lieder nie enden würden.“

Wenn Moennsad beispielsweise das kleine Wörtchen „Ade“ in einem der Brahms-Lieder singt, so klingt das nicht wie Abschied, sondern wie eine Liebeserklärung an die Ewigkeit, die alles Dasein zwischen Himmel und Erde verzaubert. Oder die Vertonung Schuberts von Goethes „Fischer“: „Lockt dich der tiefe Himmel nicht, das feuchtverklärte Blau? ... Halb zog sie ihn, halb sank er hin, und ward nicht mehr gesehn.“ Nein, ziehen musste Moennsad ihr Publikum nicht, es lag ihr vom ersten Moment an zu Füßen — vollkommen zu Recht. „Welch ein Abend“, so eine Zuhörerin, „diese Frau ist nicht nur bildschön, sie singt auch fantastisch und hat zu all dem noch eine unglaubliche Ausstrahlung.“

Liefert eine Sängerin eine so großartige Leistung ab, ist man häufig versucht, die Klavierbegleitung zu vernachlässigen, was in diesem Fall nicht zu verzeihen wäre. Tatjana Shapiro trägt die Sängerin, unterstützt sie, ist aber weit mehr. Konzentriert man sich auf ihr Spiel zeigt sich eine großartige, sehr einfühlsame, sensible Künstlerin, die nicht nur „Anhängsel“ des Gesangs ist, sondern mit großer Aussagekraft besticht, ohne dabei die Sängerin klanglich zuzudecken. Und die so eine perfekte Synthese zwischen Stimme und Instrument entstehen lässt.

Ilja Kalinski. Diesen Namen muss man sich merken. Der 16-Jährige, ein Schüler Shapiros, war der Überraschungsgast des Abends. Einer ihrer besten Eleven. Kann er doch in seinem jugendlichen Alter schon bemerkenswerte Erfolge verbuchen: Erster Preis beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Bundesebene sowie mehrere, zum Teil auch international anerkannte Preise.

Zwei Chopin-Etüden hatte er im Gepäck: Opus 10, Nummer 12 in c-Moll, die „Revolutionsetüde“ und Opus 25, Nr. 12 in c-Moll. Der junge Mann, der sich im Altenstädter Schloss an den Flügel setzte, ließ das Publikum aufhorchen. Jugendlich frisch, vorwärts drängend und mit viel musikalischem Esprit präsentierte er die Werke des Komponisten auf den ersten Blick. Aber nur auf den ersten. Schloss man die Augen, trat zum jugendlich-unbeschwerten Sturm und Drang eine emotional-interpretatorische Tiefe, von der selbst einige bereits renommierte Künstler ein wenig mehr vertragen könnten.

Kein Wunder also, dass das Publikum das Schloss an diesem Abend mit ziemlich verklärtem Blick verließ. Erlebnisse solcher Güte und Tiefe sind — selbst im ganz großen internationalen Musikbetrieb – sehr, sehr selten geworden. Bhawani Moennsad, Tatjana Shapiro und Ilja Kalinski hatten eine Sternstunde geschaffen, die keine Wünsche offen ließ.  

pf

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