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Der 62-Jährige war bei einer deutschlandweit tätigen Recyclingfirma mit Sitz in Hannover beschäftigt. Im Auftrag dieser Firma leerte er in der Region Bayreuth und Pegnitz Altkleider-Container und holte Textilien und Schuhe bei Supermärkten und Händlern zum Entsorgen ab. Mit dem Verkauf von brauchbaren Schuhen und Kleidern erzielte sein Auftraggeber gute Umsätze.
Doch 2010 ging die gesammelte Menge an Schuhen und Altkleidern in der Region Bayreuth/Pegnitz und damit auch der Umsatz zurück. „Unsere Sortierer berichteten zudem, dass vor allem gute Ware fehlte“, erzählte der Personalchef, der aus Göttingen gekommen war.
„Wir vermuteten daher, dass der Mitarbeiter brauchbare Kleider und Schuhe aussortiert und verkauft.“ Zunächst kontrollierte die Firma selbst die Arbeit des 62-Jährigen, dann engagierte das Unternehmen einen Detektiv. Eine Woche lang beobachtet dieser den Angeklagten.
Der Detektiv berichtete von einem Treffen des 62-Jährigen mit dem 40-jährigen Mitangeklagten in einem Pegnitzer Dorf. Ein Sack flog dabei von dem Lieferwagen des 62-Jährigen in das Fahrzeug des 40-Jährigen. Außerdem durchsuchte die Polizei die Wohnung des 62-Jährigen und fand dort 51 Säcke mit Altkleidern und Schuhen.
Für die Firma war die Unterschlagung danach klar. Es folgte die fristlose Kündigung des Mitarbeiters.
Doch der 62-Jährige erklärte, er sei unschuldig, er habe nichts unterschlagen. „Bekannte haben mir oft Altkleider und Schuhe vorbeigebracht. Wenn kein Hinweise dabei war, dass es für die Firma bestimmt ist, hab’ ich die Ware an Bedürftige verteilt“, rechtfertigte er sich.
Außerdem sei das Lager im Raum Pegnitz häufig voll gewesen und in solchen Fällen sammelte er die Säcke zunächst einige Tage bei sich zu Hause.
Auch für die Beobachtung des Detektivs hatte der Mann eine Erklärung: Den Mitangeklagten würde er bereits längere Zeit kennen. Er verkauft Ware auf Flohmärkten und bestückt Automaten mit Plüschtieren. „Er gab mir manchmal Zweite-Wahl-Plüschtiere. Ich verteilte diese bei Kinderfesten. Außerdem entsorgte er für mich manchmal kostenlos Müll.“
Deshalb habe er Säcke in dessen Auto umgeladen. Gute, verwertbare Sachen seien nicht dabei gewesen.
„Bei dieser Geschichte gibt es schon viele Fragezeichen, doch ich kann Ihre Version nicht widerlegen“, sagte Richterin Christine Oertwig.
Schwierig war die Beweislage, weil der Detektiv nur beobachtet hatte, wie ein Sack in ein anderes Auto geflogen war. Die Firma konnte keine konkreten Beweise für die Vermutung der Unterschlagung vorbringen.
„Wir sind auf die Ehrlichkeit unserer Mitarbeiter angewiesen“, meinte der Personalchef. Die Fahrer schreiben auf, wie viele Säcke sie an den jeweiligen Containern einladen und bringen diese Ware dann ins Lager. „Wir wissen nicht, was wirklich in den Containern war.“
Laut dem Fahrer sei der Umsatzrückgang im Jahr 2010 auf den strengen Winter und auf viele Straßensammlungen zurückzuführen. „Deshalb war weniger in den Containern. Ich hab’ nichts unterschlagen.“
Richterin Christine Oertwig schlug vor, das Verfahren gegen beide Angeklagte einzustellen. Die Kosten trägt die Staatskasse.



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