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Streit um Leupser Wasser nimmt zu

Bürgerinitiative fordert Gespräch mit Juragruppe, deren Werkleiter Hans Hümmer lehnt dies jedoch ab - 27.12.2017 06:58 Uhr

Ein Plakat am Leupser Ortseingang weist auf das Quellwasser hin, der Wasserstreit nimmt zu. Die Mitglieder der Bürgerinitiative wollen anonym bleiben, ihre Namen dürfen wir nicht veröffentlichen. © Ralf Münch


Ihr Frust ist groß, das ist unverkennbar. Sieben BI-Vertreter sind ins Feuerwehrhaus gekommen, um mit unserer Zeitung zu reden. Da geht es zum einen um die Qualität ihres Quellwassers. Die werde schlecht gemacht, sagen sie. Und das grundlos. Die Juragruppe mit Werkleiter Hans Hümmer an der Spitze bezeichne das Wasser als krank. Obwohl ihm doch auf der Homepage des Wasserzweckverbandes in einem aktuellen Prüfbericht beschieden werde, dass es "klar, farblos und ohne auffälligen Geruch" sei.

Und wenn angeblich in den vergangenen sieben Jahren so oft bei Proben koliforme Keime festgestellt worden seien, "fragen wir uns schon, warum das dann nur in zwei Fällen gemeldet wurde, da gibt es doch eine Meldepflicht", so Anja Lüthje. Und wenn das Wasser krank sei, warum sei dann die Brauerei Gradl so zufrieden damit und braue ein Bier, das deutschlandweit einen guten Ruf hat.

"Wir brauchen Zahlen"

"Das brennt uns auf den Nägeln", sagen die Leupser. Wie auch der Versuch, "die Nähe zur Juragruppe zu suchen". Mehrfach habe die BI in der Vergangenheit versucht, einen Termin vor Ort mit Hümmer & Co zu vereinbaren. Ohne Erfolg. Auch auf die Prüfberichte zu den Proben und zur angeblich immer schwächer werdenden Quellschüttung warte man — "wir brauchen belastbare Zahlen, brauchen Transparenz, damit wir uns konkret damit beschäftigen können und nicht nur auf Mutmaßungen angewiesen sind".

Auch das sagt einer: Seit fünf Jahren sei ein Baugebiet nach dem anderen dazu gekommen, dennoch sei mehr als genug Wasser vorhanden. Das Reservoir reiche aus, "um das Dreifache des aktuellen Verbrauchs abzudecken, auch an Spitzentagen, auch bei einem extrem trockenen Sommer". Und auch beim Löschwasser gebe es im Ernstfall keine Probleme, sagen sie.

Juragruppen-Chef Hans Hümmer will dazu eigentlich gar nichts mehr sagen: "Irgendwann machen Stellungnahmen auch keinen Sinn mehr." Weil ja schon alles gesagt worden sei zu dem Thema. Etwa beim Punkt Keime. Die BI hatte behauptet, im Nass des 100 Kubikmeter fassenden Wasserbehälters seien E.coli-Bakterien gefunden worden. Das belege, dass wohl Tiere in den maroden und von der Juragruppe fahrlässigerweise nicht sanierten Behälter eingedrungen seien und dort ihre Exkremente hinterlassen hätten.

Diesen Vorwurf wiederholten sie jetzt auch im Gespräch mit unserer Zeitung und verwiesen dabei auf einen Prüfbericht von 2007, den sie sich von der Abteilung Gesundheit am Landratsamt zuschicken ließen. "Das ist Unsinn", sagt Hümmer. Wie in allen Fällen mit den "harmloseren" koliformen Keimen handle es sich auch hier um einen Befund aus dem Rohwasser vor der Behandlung des Quellwassers durch UV-Bestrahlung. Das deckt sich mit dem Kleingedruckten in dem Prüfbericht, der unserer Zeitung vorliegt. Dort ist unter dem Stichwort "Entnahmestelle" zu lesen: "Juragruppe Leups vor UV-Anlage".

Die Leupser sollten doch froh sein, so Hümmer, dass ihre Wasserversorgung jetzt durch den Anschluss an die noch zu bauende Ringleitung der Juragruppe zukunftssicher aufgestellt sei. Zumal die Kosten in siebenstelliger Höhe von der Solidargemeinschaft getragen würden: "Andernorts wird das auf die Betroffenen umgelegt, das würde in Leups für jeden Haushalt einen Herstellungsbeitrag von im Schnitt 20.000 Euro bedeuten."

Womit wir bei einem Hauptkritikpunkt der BI wären — den Kosten für eine Sanierung des Wasserhauses und der Quellfassung: "Mal ist da von 600.000 Euro die Rede, mal von einer Million, transparent ist das nicht", so Anja Lüthje.

Nun, so Hümmer auf Nachfrage, das eine sei eine ältere Schätzung gewesen, das andere seien aktuelle Berechnungen. Und da stünden nun mal 907.000 Euro im Raum. Und dann müsse man da auch noch die 500.000 Euro einrechnen, die an Fördermitteln für die Ringleitung fließen: "Wir wollen schließlich nicht im Weißbuch der Steuerverschwendung landen."

Die BI sieht das anders. Spricht von Falschaussagen, "mit denen die Leute verdummt und vor allem verunsichert werden". Die enorme Resonanz auf eine Online-Petition zum Erhalt der eigenen Wasserversorgung dokumentiere die breite Unterstützung in der Bevölkerung. Ihre Forderung an die Juragruppe: Sich noch einmal mit den Leupsern zusammensetzen und dabei nachvollziehbare Fakten mit einer "klaren Argumentationslinie" auf den Tisch legen. Das würde dann vielleicht auch den einen oder anderen Stadtrat animieren, "das Ganze noch einmal zu hinterfragen".

Anwalt eingeschaltet

Keine Chance, sagt dazu Hans Hümmer: "Das ist erledigt, unsere Verbandsversammlung hat zwei einstimmige Beschlüsse gefasst, die Ringleitung wird gebaut. Das schafft Versorgungs- und zugleich Rechtssicherheit." Das will die Bürgerinitiative nicht so ohne weiteres akzeptieren. Sie hat auch einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Um wen es sich handelt und wie er heißt? Das wird nicht verraten. Nur so viel: "Er kennt sich in diesem Metier aus, wir lassen uns vom ihm juristisch beraten." Auch hier kein Name. Wenig verwunderlich also, dass auch die Bitte nach einem Foto, um der BI ein Gesicht zu geben, mit einem Nein beschieden wird. 

STEFAN BRAND

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