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Sonntag, 17.02.2019

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Streusalz geht in Pegnitz langsam zur Neige

Der Winter 2018/19 ist zwar nicht einer der härtesten, aber einer der unberechenbarsten. Und das Schneechaos in Südbayern verschärft die Situation noch zusätzlich - 09.02.2019 08:55 Uhr

Ein Streufahrzeug auf der Hauptstraße Pegniz am Donnerstag im Kampf gegen das Blitzeis. Ohne den Einsatz von Salz wären die Straßen nicht befahrbar gewesen. © Ralf Münch


Am Donnerstag gab Bürgermeister Uwe Raab bekannt, dass es aufgrund von Lieferengpässen für Streusalz zu einem reduzierten Streudienst auf Wohn- und Nebenstraßen kommt. Die Engpässe entstehen vor allem durch das alljährliche Schneechaos in Südbayern, woher Pegnitz das Salz bezieht. Insgesamt verfüge die Stadt über ein 200 Tonnen großes Salzlager. "Für den Winterdienst 2018/19 wurden im Herbst 800 Tonnen für die Stadt Pegnitz reserviert", erklärt Raab, "verbraucht wurden bisher circa 750 Tonnen." Zum Vergleich reservierte die Stadt im Winter 2017/19 zirka 1100 Tonnen.

Laut Raab konnte man damit im vergangenen Jahr 56 Einsätze fahren. Im aktuellen Winter komme die Stadt bereits jetzt auf 50 Einsätze. "Nachdem wir erst Anfang Februar haben, wird die Zahl der Winterdiensteinsätze dieses Jahr höher liegen als im vergangenen", sagt Raab. Das Problem: Bestellungen für Streusalz beim Pegnitzer Lieferanten werden seit rund fünf Wochen nicht mehr entgegengenommen. Die Stadt habe einen laufenden Lieferservicevertrag mit der Südwestdeutschen Salzwerke AG – und man gehe davon aus, dass der Zeitraum der Reduzierung voraussichtlich relativ kurz sei. Trotzdem habe man sich mit der Stadt Auerbach in Verbindung gesetzt und stehe nun mit deren Lieferanten in Kontakt, beruhigt Uwe Raab.

Auch bei anderen Gemeinden gibt es bereits Engpässe in Sachen Streusalz. So erzählt Stefan Pickelmann von der Verwaltungsgemeinschaft Betzenstein: "Wir sind momentan am Limit und haben nicht mehr viel auf Lager." Sowohl Plech als auch Betzenstein können jeweils über 50 Tonnen lagern. Seit neuesten verfüge man, zusätzlich zu der Salzhalle, über einen Silo in Betztenstein. In Plech stehen seit jeher zwei Silos, die jeweils 25 Tonnen fassen. Weil es zurzeit ständig glatt sei, müsse der Winterdienst bereits eingeschränkt arbeiten. Gerade in Wohngebieten würde man weniger streuen. Jedoch arbeite man an einer Lösung. "Lieferanten sind teilweise überhaupt nicht mehr zu erreichen", sagt Pickelmann. Dennoch rechnet er fest mit einer Lieferung nächste Woche – diese würde die Lage entspannen.

Schon sichtlich entspannt ist die Lage andernorts. In Creußen habe der Winterdienst keine Schwierigkeiten. Zwar benötige man momentan viel Salz, weil die letzten Wochen sehr kalt waren, trotzdem hätte man keine Bedenken. "Wir warten keine drei Tage auf unser Salz", erzählt Werner Rustler, Bauhofleiter in Creußen, und fügt hinzu: "Ich bestelle ja rechtzeitig und vorausschauend."

Das Lager des Bauhofs verfüge über 120 Tonnen in Silos und nochmal 30 Tonnen in Säcken. Aktuell seien die Silos mit 60 Tonnen gefüllt. Rustler erwartet spätestens Montag eine weitere Lieferung. "Unser Salz kommt aus Kulmbach, dort haben wir unseren Händler", erklärt er. "Die haben Tausende Tonnen auf Lager." Außerdem merkt er an, dass dieser Winter nicht unbedingt hart, sondern nur etwas ungewöhnlich sei. Rustler weiter: "Wir haben zwei, drei Tage, an denen müssen wir ohne Ende streuen und dann kommen wieder milde Tage." Er arbeite jetzt schon seit 30 Jahren in diesem Bereich und habe in dieser Zeit wirklich starke Winter erlebt, dieser sei im Vergleich nur ein mittelmäßiger. Auf die Frage, ob sich Kommunen untereinander helfen, meint Rustler: "So viel Kapazität haben wir jetzt auch nicht. Da habe ich lieber eine Reserve. Innerhalb einer Verwaltungsgemeinschaft geht das schon, wie Schnabelwaid, aber nicht überregional. Wir haben jetzt Februar. Es wird bald besser."

Reserven für drei Wochen

In der Stadt Auerbach verfügt der Bauhof über ausreichende Reserven. "Wir schauen, dass wir immer 70 Tonnen zur Verfügung haben", erklärt Matthias Regn, Bauhofleiter der Stadt Auerbach, "momentan läuft es gut." Die Halle des Bauhofs fasst 300 Tonnen, mit den Reserven komme die Stadt noch für zwei, drei Wochen zurecht. "Es kommt natürlich auf das Wetter an", sagt Regn, "wir wollen nicht zu viel bestellen. Trotzdem sehe ich keinen Engpass. Wir erhalten recht schnell neue Lieferungen."

"Ich bin guter Dinge, dass wir über den Winter kommen. Wir haben einen guten Liefervertrag", meint Klaus Eckert, Bauhofleiter in Pottenstein, "das ist ja alles ein dynamischer Prozess." Pottenstein verfügt über zwei Silos, die 90 Tonnen Salz fassen. Aktuell seien sie gut gefüllt, man verfüge über 60 Tonnen Streusalz. Kein Winter würde gleich verlaufen. "Die Beständigkeit fehlt", sagt Eckert. "Es schneit in der Nacht und mittags ist der Schnee wieder weg. Das hat sich alles verlagert. Der Temperaturwechsel ist wesentlich häufiger geworden."

Droht Glatteis, werden die Gehwege auch mit der Hand gestreut. Die Pegnitzer Salzreserven sollten ausreichen. © Foto: Ralf Münch


Eckert merkt an, dass diese Unbeständigkeit es schwierig mache, voraus zu planen und mit den Reserven hauszuhalten. Die Temperatur wechsle ständig von Plus- zu Minusgraden. Trotzdem sieht er keinen Grund zur Besorgnis oder dass die Stadt in eine Problemlage gerät.

Einen wichtigen Schritt hat die Stadt Waischenfeld bereits vor 20 Jahren gemacht. Auch dort kaufte man das Salz von Firmen aus Süddeutschland – und hat daraus gelernt. "Es gab fast jedes Jahr Engpässe", erzählt Lothar Poser, Bauhofleiter in Waischenfeld. "Wenn dort ein Schneechaos herrschte, erhielten wir kein Salz mehr." Die Stadt wechselte den Lieferanten und bezieht seitdem das Salz aus Thüringen. Innerhalb von drei Tagen kann neues Salz angeliefert werden. Zudem kauft der Bauhof billig im Sommer ein und lagert es in seiner Halle, die 150 Tonnen speichert.

Zusätzlich gibt es noch einen 40-Tonnen-Silo. Aktuell verfügt die Stadt noch über 50 Tonnen, aber weiteres Salz sei bestellt. "Wir müssen den Silo immer gut befüllt halten, denn nur damit können wir unsere privaten Schlepper beladen", sagt Poser. Er könne nicht bestätigen, dass der Winter extrem sei – eher durchschnittlich. "Wenn Siedlungsstraßen nicht geräumt werden, ist das kein Problem", ergänzt er. "Man muss halt einfach vorsichtiger fahren. "Manchmal sind die Leute auch einfach zu verwöhnt." Zudem gebe es in Kulmbach die Möglichkeit, ein Lager anzumieten. Das Salz würde jahrelang ohne Probleme halten. Waischenfeld würde sich das sparen, da man so oder so über die Runden komme. 

MARTIN BURGER

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