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Stromquellenweg ins Sperrgebiet

Neues Wanderangebot verschwand schnell wieder aus dem Netz - Lindenhardter Forst als Schilder-Wald - 07.01.2017 10:16 Uhr

Der Lindenhardter Forst präsentiert sich derzeit vor allem als Schilder-Wald. © Reinl


Es ging hoch her vor vier Jahren, als im Lindenhardter Forst die ersten Bäume für den geplanten Windpark gefallen sind. Hunderte von Gegnern versammelten sich rund um die Rotmainquelle, um ihren Unmut über das Unterfangen zu äußern.

Das Staatsforsten wurde massiv kritisiert, wegen der skrupellosen Vermarktung des Waldes ohne Rücksicht auf die Natur, die Politiker wurden angegangen, weil sie eines der größten zusammenhängenden Nahererholungsgebiete opfern, eine Gruppe „Gegenwind“ formierte sich in Facebook, und an die Bäume wurden Transparente gebunden mit Parolen wie „Wald ade, Windkraft juchhee“.

Schon bei der Rodung der Standorte für den Windpark befürchteten Gegner, dass aus dem Bierquellen- ein Stromquellen-Wanderweg werden könnte. Jetzt machte "Ostwind" daraus einen Marketing-Gag. © Rinel


An den Markierungspfosten für den Jakobs-, den Fränkischen Gebirgs- oder den Rotmain-Wanderweg wurde auch ein Schild genagelt, das mit symbolischen Windmühlen die Verwandlung des Bierquellen- in einen Stromquellenweg prophezeite. Dieses Brett hängt noch heute an dem Pfahl, die Parolen allerdings sind kaum mehr zu entziffern. Hinweise auf den neu propagierten Windpark-Wanderweg indes sucht man ebenso vergebens.

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Rückblick: Protest gegen Windpark im Lindenhardter Forst

Bis zu 18 Windräder sollen im Lindenhardter Forst entstehen. Als die Rodungsarbeiten für die ersten Stanorte begannen, regte sich Widerstand in der Bevölkerung. Befürchtet wurde, dass das Erholungsgebiet zwischen dem Biermekka Weiglathal und der Rotmainquelle Schaden erleidet und dass der Bierquellen- zum Stromquellen-Wanderweg wird.


Die „Ostwind“-Idee ist generell nicht schlecht, will sie doch auf die regionalen Spezialitäten rund um die Rotmainquelle hinweisen. Im Angebot sind auf dem fertigen Plakat nicht nur die Brauereien in Lindenhardt, Weiglathal, Büchenbach und Leups, sondern auch die Imkereien von Paul Schwind in Neuenreuth, Rudi Zeilmann in Spänfleck und Anton Herzing in Büchenbach, die Holzofenbäckerei in Buchau, der Wildbret-Verkauf des Forstbetriebs Pegnitz, der Naturland-Hofverkauf Braun in Körbeldorf und eine Picknickstelle an der „Bratwursteiche“ mit eigenem kostenlosen Windstrom-Anschluss.

Besondere Ortskenntnis haben die Wanderweg-Planer jedoch nicht bewiesen, führt der Pfad doch trotz schätzungsweise 20 Kilometern Länge von Weiglathal nach Creußen und über Preunersfeld sowie Schnabelwaid zurück nach Lindenhardt nur an zwei Brauereien sowie am Strom-Umspannwerk nahe Arnoldsreuth und an lediglich drei der insgesamt 19 „Ostwind“-Windräder vorbei. Alles andere liegt weitab.

Wer, angelockt von der Karte im Internet, den Weg durch den frisch verschneiten Winterwald laufen will, scheitert. Er sieht sich mit einem Schilder-Wald konfrontiert, der nicht nur das Befahren des Forsts mit Fahrzeugen aller Art strikt verbietet, sondern auch Fußgänger rigoros aussperrt. Der Grund: Eiswurf von den riesigen Rotorblättern. Keine gute Idee also, Wanderer ausgerechnet im Winter in das Sperrgebiet zu schicken.

Offensichtlich haben dies die Verantwortlichen gerade noch rechtzeitig erkannt und das Angebot wieder aus dem Netz genommen. Das ändert aber nichts daran, dass wir es für äußerst fragwürdig halten, weite Teile eines Naherholungs- und Wandergebiets sowie eine öffentliche Gemeindeverbindungsstraße für Wochen oder sogar Monate zugunsten des Profits einiger Stromanbieter zu sperren. Egal, ob da nun ein Bierquellen- oder ein Stromquellenweg durchführt.

„Räuberstübl“ im Internet unter www.nordbayern.de/pegnitz 

ISI REINL

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