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Süffiges Pegnitzer Luther-Bier für den Papst

Eigener Sud zum Reformationsjubiläum kommt bei Gläubigen und Genießern bestens an — "120 Kästen sind schon weg" - 12.03.2017 08:00 Uhr

Hat ganz gut eingeschlagen: Das Pegnitzer Lutherbier. Dekan Gerhard Schoenauer schenkt sich ein Glas ein.

Hat ganz gut eingeschlagen: Das Pegnitzer Lutherbier. Dekan Gerhard Schoenauer schenkt sich ein Glas ein. © Frank Heidler


Der katholische Oberhirte hat es im Programmheftchen zu den über 100 Veranstaltungen im Lutherjahr sogar unwissentlich zu einem kleinen Gastauftritt gebracht. "Auf den Geschmack gekommen" ist eine Fotomontage des Papst-Konterfeis mit der Pegnitzer Luther-Bier-Flasche aus der Brauerei Knopf betitelt.

Gabriele Brousek, die Tochter von Kirchenmitarbeiterin Karin Weiss, hat die Luther-Bier-Flasche grafisch gestaltet. Sie hatte zuvor auch das umfangreiche Programm mit zahllosen Veranstaltungen zum Lutherjahr im Dekanat gelayoutet.

Das Luther-Bier der Pegnitzer Brauerei Knopf ist ein Export dunkel mit immerhin 5,4 Prozent Alkoholanteil. Im Geruch leicht malzig, der Geschmack dürfte heimische (Möchtegern)-Biersomeliers elektrisieren.

500 Kisten

Nicht kleckern, sondern klotzen war offenbar auch die Devise von Dekan Schoenauer. "Wir haben einen eigenen Sud ansetzen und 500 Kästen Bier brauen lassen." Beim Eröffnungsgottesdienst für das Lutherjahr an Silvester präsentierte der Kirchenmann seinen Schäfchen die ersten Bierflaschen im Gottesdienst. Dann lud er die Anwesenden zum maßvollen, gemeinsamen Trunk im Andenken an den Reformator und Kirchengründer Martin Luther ein.

Im Dekanatsbüro wagte man sich auf Neuland. Der Dekan: "Wir verkaufen das Luther-Bier nur hier." 15 Euro für den Kasten, zuzüglich sechs Euro Pfand. Manche älteren Gemeindeglieder, die keinen schweren Bierkasten mehr schleppen können, holen sich das Luther-Bier flaschenweise. Selbst aus Nürnberg und Erlangen kamen inzwischen Bierliebhaber und haben sich mit dem Pegnitzer Luther-Bier eingedeckt.

"Die ersten 120 Kästen sind bereits weg", frohlockt der Pegnitzer Dekan. Bisher habe er "niemanden gehört, dem es nicht geschmeckt hat".

Natürlich lässt der Theologe mit dem Talent zum Geschäftsmann das Luther-Bier bei allen kirchlichen Veranstaltungen ausschenken. Der große finanzielle Reibach werde mit dem Bierverkauf aber nicht zu machen sein, glaubt Schoenauer. Das ist ihm aber auch nicht so wichtig.

Indirekt wandelt er mit seinem Pegnitzer Luther-Bier auch auf den Spuren des Reformators. "In einer Tischrede hat Martin Luther einmal gesagt: Man kann Gott auf verschiedene Weise dienen, auch mit einem guten Schluck Wittenberger Bier."

Ausgemachte Sache

Natürlich ist es eine ausgemachte Sache, dass das Luther-Bier made in Pegnitz viel besser als das Wittenberger Konkurrenzprodukt mundet. Zu Luthers Zeiten galt Bier jedenfalls als Grundnahrungsmittel. Studenten wurden als tägliches Quantum zwei Liter davon zugeteilt.

Luthers eigene Ehefrau Katharina von Bora war selbst unter die Bierbrauer gegangen. Martin Luther wird deshalb auch der historisch nicht ganz gesicherte Satz zugeschrieben: "Katharina, wir müssen mal wieder Bier brauen." Wobei sich seine eigene Rolle mehr auf das Sagen, und ihre auf das Tun beschränkt haben dürfte.

Trotz aller Liebe zum Luther-Bier mag Gerhard Schoenauer es nicht mit dem Biergenuss übertreiben. "Ich trinke eigentlich sehr wenig." Der gerade in kirchlichen Kreisen oft praktizierte Alkoholverzicht während der Fastenzeit wäre für ihn keine wirkliche Herausforderung. Und beim in diesem Jahr einmaligen Angebot des gehaltvollen Luther-Saftes wohl auch nicht wirklich angebracht. 

FRANK HEIDLER

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