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Syrische Familie ist in Plech wieder vereint

Vater wollte nach seiner Anerkennung eigentlich in eine Großstadt ziehen - 28.09.2017 08:03 Uhr

Die Töchter Zeynab, Sahinas, Mutter Noura, Tochter Fatima, die Söhne Mohammad und Omar sowie Akram Mohammad begrüßen Pfarrer Christoph Weißmann (von links) in ihrer noch fast leeren Wohnung. © Kerstin Goetzke


Die vergangenen Wochen waren anstrengend für die siebenköpfige syrische Flüchtlingsfamilie: Mutter Noura ist Anfang August mit den Kindern aus einem irakischen Lager nach Deutschland gekommen. Dort haben sie vier Jahre lang gelebt. Nach zwei Jahren hat Vater Akram Mohammad sich auf den Weg nach Deutschland gemacht. Über die Balkanroute ist er nach Deggendorf gekommen.

Von dort aus ging es weiter nach Kelheim und Heinersreuth bei Bayreuth, wo er über ein Jahr lang alleine war. Als er anerkannt wurde, träumte er eigentlich von einer großen Stadt, in die er mit seiner Familie ziehen wollte. Eine Mitarbeiterin der Caritas hat ihm dann geholfen, eine Wohnung zu finden. Von Großstadt kann dabei aber nicht die Rede sein: Es wurde Plech. "Aber das ist egal. Am wichtigsten ist, dass meine Familie und ich wieder zusammen sind", sagt Mohammad und lächelt.

Er sei froh, dass die Familie in der 1000-Einwohner-Gemeinde so viel Unterstützung erhalte. Allen voran von Pfarrer Christoph Weißmann und der stellvertretenden Bürgermeisterin Renate Pickelmann. "Das ist der Vorteil auf dem Land. Man kennt sich und hilft sich", sagt der Geistliche.

Es musste schnell gehen

Knapp drei Wochen vor Schulbeginn hat der Pfarrer eine Mail von einer Caritas-Mitarbeiterin erhalten, die ihm mitteilte, dass eine syrische Familie eine Wohnung in Plech gefunden hatte und Unterstützung brauche. Ohne zu zögern, hat sich Weißmann eine Liste mit Schuh- und Kleidergrößen der Familie geben lassen und eine Rundmail durch die Kirchengemeinde geschickt.

So ist die Familie für das Erste mit warmer Kleidung versorgt. Denn mitgebracht hat jeder nur die Kleidung, die er am Körper trug. Was vor allem noch fehlt, sind Teppiche für die Wohnung, die generell noch sehr leer ist. Außer einem alten Sofa, ein paar gebrauchten Sesseln, Betten und zwei Schreibtischen wirkt sie noch sehr kahl. Die Küche hat die Familie weitgehend vom Vormieter übernommen. Kühlschrank und Herd hat der Familienvater gebraucht gekauft.

Akram Mohammad macht ein wenig den Eindruck, dass ihm die Hilfe, die er in der Gemeinde erfährt, unangenehm ist. Er möchte selber Geld verdienen und seine Familie ernähren. Doch Christoph Weißmann sagt beschwörend und mit einem Lächeln: "Ihr könnt mir gerne sagen, was ihr braucht und ich frage die Leute mal." So kann sich der fünffache Vater vorerst um andere Angelegenheiten kümmern.

Der Pfarrer und die Helfer (siehe gelber Kasten) haben sich zügig um die Einschulung der Kinder gekümmert. Die Jüngste, die dreijährige Sahinas, hat sogar noch einen Kindergartenplatz bekommen. Sie wird täglich abgeholt und nach Riegelstein gebracht, weil es für die Plecher Einrichtung eine lange Warteliste gibt. Die kleine Tochter Fatima (neun Jahre alt) besucht seit dem Schulbeginn die 2. Klasse der Grundschule. Ihre Brüder Mohammad (elf), Omar (13) und die große Schwester Zeynab (15) gehen in die Christian-Sammet-Mittelschule nach Pegnitz.

Doch sie sind nicht die einzigen der Familie, die frühmorgens das Haus verlassen. Vater Akram steht um 5 Uhr auf und fährt eine Stunde später mit dem Bus nach Bayreuth. Dort macht er noch drei Monate lang einen Sprach- und Integrationskurs. Neben Grammatik und Vokabeln muss er auch 300 Fragen zu deutscher Kultur und dem Rechtssystem lernen. Aber eigentlich möchte er arbeiten, so wäre es für ihn leichter, im Alltag Deutsch mit Muttersprachlern zu üben.

In seiner syrischen Heimat hatte er einen eigenen Lastwagen und hat damit Obst und Gemüse über hunderte Kilometer transportiert. Bis das Fahrzeug von einer Bombe getroffen und zerstört wurde. Deshalb hat sich die Familie zur Flucht aus dem unsicheren Gebiet entschieden.

Weil Mohammad jahrelange Erfahrung mit dem Fahren hat, möchte er auch in Deutschland Brummifahrer werden. Doch sein syrischer Führerschein wird nur für das Führen eines Autos (B) anerkannt. Jetzt setzt er auf das Jobcenter: Er hofft, dass er über die Einrichtung die Möglichkeit bekommt, den Lastwagen-Führerschein zu machen. Das Geld würde er später zurückzahlen, sagt er.

Momentan ist er der Einzige in der Familie, der Deutsch spricht. Seine Frau soll aber auch einen Sprachkurs machen, sobald er fertig ist. So ist die Betreuung der Kinder am Nachmittag sichergestellt. Momentan ist es noch schwierig für sie, weil sie sich erst eingewöhnen muss und sich um die Kinder und den Haushalt kümmert. Wenn alle – einschließlich des Vaters – nachmittags nach Hause kommen, hat sie schon einen großen Topf mit Essen zubereitet. Sie genießen es, wieder gemeinsam zu essen und zusammen zu sein.

Wer Pfarrer Weißmann bei seiner Arbeit unterstützen möchte, kann sich melden: (09244) 9163.  

Kerstin Goetzke Nordbayerische Nachrichten Pegnitz/Auerbach E-Mail

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