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Thema "Wurzeln" in Hollfeld vielfältig umgesetzt

Bei der "Internationalen Kunstausstellung" stellen 23 Künstler bis zum 20. August ihre Werke aus - 27.07.2017 21:50 Uhr

Die in Roßtal lebende Künstlerin Wicky Reindl vor ihrer Installation, die ein Protest ist gegen die Fremdbestimmung des heutigen Menschen, gegen die Technisierung. © Foto: Thomas Knauber


Es ist eine kleine, aber feine Ausstellung, von den Kulturfreunden unter dem Gangolfturm und im alten Wittauerhaus eingerichtet: 23 Künstler befassen sich hier mit dem Thema "Wurzeln"

Die berührendste Arbeit kommt von Ursula-Maren Fitz aus Waakirchen. Sie goss ein kleines dunkles Glasstück in einen großen durchsichtigen Glasblock, symbolisierend eine Arche. "Es ist eine Hommage an meinen dänischen Urgroßvater, der als Kapitän eines großen Frachters im 19. Jahrhundert in einem Sturm mit seinem Schiff unterging."

Ähnlich mitfühlend gestaltet Christiane Toewe aus Bamberg ein großes Meer, "mare nostrum", in dem gerade ein junger iranischer Flüchtling ertrinkt. Seine Tagebuchblätter aus Porzellan, die letzten davon nicht mehr beschrieben, schwimmen auf der blauen Fläche. Toewe kritisiert damit das Wegsehen der EU angesichts der italienischen Rettungsnotstände — und vor allem den jüngsten Akt der EU, sich die Flüchtlinge möglichst vom Hals zu halten.

Ganz anders sieht Wicky Reindl aus Roßtal das Thema "Wurzeln". Sie stellt in einer breiten Installation große Schwarz-Weiß-Fotos auf, die sie selbst zeigen, zur Mumie eingewickelt. Denn sie fühlt sich von der neuen digitalen Welt und der heutigen rücksichtslosen Gesellschaft eingeengt, entwurzelt.

Einer ganz anderen Fremdbestimmmung, nämlich jener durch Dämonen, geht Jeong-Eun Lee aus Hamburg nach. Der Koreaner liebt die Urzeit. Unscheinbare Tuschebilder zeigen steinzeitliche Höhlen in seiner Heimat, inspiriert durch die Felszeichnungen dort. Wie die Menschen damals bedroht wurden, anders als heute, ist gut spürbar.

Eine angenehmere Verwurzelung verdeutlicht Anna Kirsch aus Bad Feilnbach: Wie wir unmerklich von unseren Eltern und Großeltern die Ansichten und Prägungen übernehmen. Sie steckt Kinder in die Schürzen ihrer Vorfahren und macht Fotos davon. Die "Wurzel" ganz wörtlich nimmt Cornelia Morsch. Die Kulmbacherin begeistert jeden, der auf gute Zeichenkunst steht. Denn wie sie Pflanzen und Wurzeln darstellt, feinst erfasst, zieht an.

Daneben scheinen die groben Gra-phitzeichnungen von Monika Meinold aus Warstein wild hingeworfen zu sein, aber das täuscht. Sie dreht zwar das Blatt beim Zeichnen und hat als Ziele "bizarre Fantasiewelt" und "Wurzelkuriosum", aber aus der Wirrnis sind Motive herauszulesen.

Dieses Fühlen steckt auch in den zwei Birken-Bildern der Berlinerin Andrea Imwiehe. Sie zeigt zum Beispiel angedeutet Häuser in Kontur, vor denen schräg Bäume stehen. Sie ist so sensibel, dass sie das Eigenleben dieser Birken mitzeichnen kann. Beide Arbeiten fügen sich in ihr Anliegen, mit großer Stille die kleinen Dinge des Alltags bewusst zu machen. Anstoß für diese Serie "Anamnesis" (Rückerinnerung im Sinne Platons) mit 100 Bildern war ein Satz alter Diafotos aus ihrer Kindheit, den die Eltern wegwerfen wollten. In wochenlanger Kleinstarbeit befasste sie sich damit: "Warum weiß ich heute nicht mehr, was ich damals als Kind empfand? Wie sehen die Orte jetzt aus?"

Solch eine verborgene Feinfühligkeit hat auch Michaela Schwarzmann aus Eggolsheim: Sie zeichnet grob Pflanzen auf durchscheinendes Papier und näht dann auf einem darüber gespannten Blatt dessen neue Motive nach — manchmal eckig, oft mit baumelnden Fadenenden.

Gegenüber warten in Kunst verwandelte CD-Scheiben auf den Besucher. Peter Schoppel aus Gundelsheim, der sonst ein Garten-Maler ist, bunten Pflanzen in Rasterserien zugetan, hinterfragt hier "den digitalen Sinn und Unsinn unserer technologisch überladenen Zeit". Er grundiert die Scheiben in der Mitte mit Kreide und zeichnet feinste Muster darauf, ganz klassisch, auch mit Feder und Silberstift.

Etwas Recycling betreibt auch Eva-Maria Roth aus Grafing. Sie fand alte Fotos ihrer Familie und druckt sie auf weiße Keramiktäfelchen, die in einem Netz aus Draht hängen. Sie möchte anhand dieser Menschen in Uniform oder mit schickem Kleid auf die Spur ihrer Vergangenheit kommen, auf das Nie-Erzählte aus der Nazi-Zeit. Liane Deffert aus Wittich zeigt leichte weiße Quader aus einem mit Schamott-Pulver durchsetzten Ton, was nach dem Brennen eine angenehme Oberfläche ergibt. Vor dem Brennen zeichnet sie darauf oder ritzt an Linien entlang, die sie von einem Foto projiziert.

Liane Deffert begann mit Glasur-Experimenten, wandte sich dann Objekten mit steinhafter Oberfläche zu, band ihr Faible, die Architektur, dazu, und kam zu hohlen Körpern, die innen bunten Filz haben.

ZDie Ausstellung ist bis 20. August zu den Bürozeiten des Rathauses zugänglich (immer bis 16.30 Uhr) und samstags/sonntags, 14 bis 17 Uhr. 

THOMAS KNAUBER

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