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Tüchersfeld: Vorfreude auf Jubiläum der "Gruppe 47"

Im Fränkische-Schweiz-Museum machte ein Lesemarathon Appetit auf Event in Waischenfeld - 24.09.2017 17:11 Uhr

Lesemarathon im Fränkische-Schweiz-Museum Tüchersfeld als Vorgriff auf das Jubiläumstreffen der Literatenvereinigung „Gruppe 47“ in der Waischenfelder Pulvermühle Mitte Oktober. © Hans von Draminski


Das Museum war keine ganz zufällige Ortswahl, denn es verfügt über ein ganz besonderes Exponat: Das Gästebuch der Pulvermühle, in dem sich auch einige Teilnehmer des Literaten-Gipfels 1967 "verewigten". Ein Ausstellungsstück, auf das Museumsleiter Rainer Hofmann sichtlich stolz ist.

Initiatorin und Organisatorin Maria Eger lobt die Kooperationsbereitschaft des Museums und freut sich zudem, dass das Wetter am Wahlsonntag es zulässt, den langen Lesetag zum Thema "Gruppe 47" wie geplant im Freien über die Bühne zu bringen.

Voneinander lernen, aneinander wachsen

In der "Gruppe 47" versammelten sich seinerzeit die kritischen Geister der schreibenden Zunft in Deutschland bei regelmäßigen Jahrestreffen — um voneinander zu lernen, aneinander zu wachsen und regelmäßig Preisträger zu küren, deren Werke als besonders wertvoll und wichtig angesehen wurden. Hans Werner Richter lud zu diesen Treffen von 1947 bis 1967 ein. "Die Gruppe 47 besaß keine Organisationsform, keine feste Mitgliederliste und kein literarisches Programm, wurde aber stark durch Richters Einladungspraxis geprägt", heißt es in Nachschlagewerken.

Zu den Eingeladenen zählten spätere deutsche Starautoren wie Heinrich Böll und Günter Grass, aber auch Paul Celan, dessen "Todesfuge" seinerzeit völlig missverstanden wurde.

Der Lesemarathon in Tüchersfeld, den die Sopranistin Monika Teepe, der Hornist Wilfried Krüger und Regionalkantor Georg Schäffner musikalisch umrahmten, sollte Appetit auf das Jubiläum in Waischenfeld machen: Zeitgenössische Autoren und Menschen, die der "Gruppe 47" eng verbunden waren und sind, lasen Bekanntes und weniger Bekanntes aus dem schier unüberschaubaren Werkekanon jener, die zu dem seinerzeit auch politisch engagierten Literatenzirkel zählten.

So servierte etwa Astrid Neumann, Witwe des 2009 verstorbenen Lyrikers und Literaturwissenschaftlers Peter Horst Neumann, Gedichte des stets kontrovers diskutierten Schriftstellers Günter Eich und den Vorspann von Eichs Hörspiel "Träume" und erntete für ihre Rezitation dieser kritischen, oft irritierenden Lyrik starken Applaus im gut gefüllten Innenhof des Museums.

Ironiker Heinrich Böll

Den Ironiker Heinrich Böll ließ Klaus Komas mit der Kurzgeschichte "Die schwarzen Schafe" pointiert und hintersinnig zu Wort kommen. Und Heinz-Neumann Riegner widmete sich dem heutzutage kaum noch im kollektiven Bewusstsein der Literaturfreunde präsenten Paul Schallück und las aus dem autobiografischen Roman "Engelbert Reineke", in dem die Nazizeit und deren Bewältigung nach dem Krieg zentralen Raum einnehmen. Ein vielversprechender Vorgeschmack auf das Jubiläum der "Gruppe 47". 

Hans von Draminski Springer-Redaktion E-Mail

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