Werner Bauer, der frühere KSB-Ausbildungsleiter, ist seit Jahren im Himalaya unterwegs. Diesmal erkundete er im Herbst, organisiert von einem professionellen Bergsteigerclub, innerhalb von drei Wochen ein Gebiet Nepals, das den tibetischen Freiheitskämpfern 1959 nach der Invasion Chinas zum Rückzugsgebiet wurde: Das Dolpo. Es ist im Norden von Tibet begrenzt.
Auch die Maoisten versuchten, sich anzusiedeln. Aber weil es nicht genug zu essen gab und hier nur derjenige überlebt, der sehr harte Arbeit aushält, zogen sie wieder fort.
Das innere, obere Dolpo beherbergt heute rund 6000 Bewohner in Höhen bis zu 4300 Meter. Sie leben vom Handel mit Tibet, vom Gersteanbau und der Viehzucht. Sie wohnen in einer buchstäblich atemberaubenden Kulisse, wie Werner Bauer sagt: „Es ist, als ob man erschlagen wird von der Weite, den Bergen. Es ist sagenhaft.“
Seine 13-köpfige deutsche Gruppe, davon sieben Frauen, war von Kathmandu aus nach Nepalgunj an der indischen Grenze geflogen und dann mit dem Bus hochgefahren und hochgeflogen zu jener Brücke am Beginn des 380 Kilometer langen Rundwegs, wo der Tourist eine hohe Mautgebühr bezahlen muss: 600 Dollar.
Über drei 5000 Meter hohe Pässe, die phantastische Ausblicke ins Innere des Dolpo erlaubten, zog die kleine Karawane mit ihren sechs Trägern und 18 Pferden nach Norden. Werner Bauer genoss in dieser kargen Landschaft die so freundlichen Menschen und ihr Lachen. Es war gerade Erntezeit mit Dreschen. Die Schläge der Flegel hallten durch die Täler, begleitet von Gesang.
Die Trekker erreichten später ein isoliertes kleines Plateau mit der Shey-Gompa, einem verfallenden Kloster auf einem Felssporn. Ein Mönch lud sie hier zur Puthja ein, zur Butterteezeremonie.
Gegenüber dieser Gompa liegt der heilige Kristallberg „Shel Ri Drugdra“. Alle zwölf Jahre wird er bei einem Fest umwandert.
Der nächste Pass (5300 Meter) südlich von Shey führte die Gruppe aus dem inneren Dolpo heraus. Ihr begegneten jetzt Yak-Karawanen, die Bauholz und Winterfutter hochschleppten.
Durch eine enge, steile Schlucht führte der Pfad 1700 Meter abwärts, am Bach Tuk Kyaksa-Khola entlang zu einem berühmten heiligen See, dem Phoksundo. Als „überirdischen Anblick“ bezeichnet Werner Bauer dessen seltsames Blau: Als sei Farbe hineingegossen, so undurchdringlich ist das Wasser. Je nach Sonnenstand wechselt es von Tiefblau zu Türkis, in spektakulärem Kontrast zu den herbstlich goldgelben Birken am Ufer.
Am Südende dieses Sees wartete die etwas verstaubte Tsovo-Gomba von Ringmo. Werner Bauer fand hier interessante Statuen, die den Traditionen der Kagyüpa, Sakya und Nyingmapa (das sind buddhistische Schulen) zugeschrieben werden.
Jetzt, am Ende der Wanderung, nach täglich 10 oder 14 Stunden des Marsches, wurde auch er langsamer, obwohl gut trainiert, so Werner Bauer. „Irgendwann gehen die Kräfte zur Neige.“ Er hatte sich daheim mit langen Wanderungen fit gemacht, mit Schwimmen und Radtouren. Er war auch unterwegs nicht krank geworden wie ein Deutscher, der nach einer bakteriellen Infektion flach lag. Aber dieser Mann hatte Glück, weil drei Ärzte im Team waren.
Werner Bauer gibt einen Tipp, wie man solche Durchfälle vermeidet. Er nimmt nämlich nicht nur nach dem Schuheschnüren am Morgen ein Desinfektions-Gel für die Hände („an den Schuhen klebt ja viel Schmutz“), sondern auch vor jedem Essen.
Seine Gruppe kehrte glücklich (vorbei an mannshohem Hanf, der hier wächst wie Brennnesseln) zum Bergflugplatz in Juphal zurück. Von dort war Werner Bauer nach kurzer Verzögerung, weil der einzige Pilot erkrankt war, schnell wieder in Kathmandu. Das wunderbar traditionelle Hotel Dwarika’s entschädigte für die Nächte zuvor auf 4800 Metern im schneebedeckten Kuppelzelt.
Jetzt konnte Werner Bauer seine 1900 Fotos endlich anschauen und auf 800 reduzieren. Zuvor hatte er jeden Blick aufs Display der Sony Alpha 700-Spiegelreflex vermieden, um die Kraft der drei Akkus zu erhalten: in der Kälte mit Temperaturschwankungen zwischen minus 10 und plus 30 Grad geben sie schnell ihren Geist auf.
Wieder daheim in Deutschland, schmiedet Werner Bauer schon neue Reisepläne. Heuer soll es zum Fuß des Kangchenjunga gehen, einem der drei höchsten Achttausender an der Grenze zu Sikkim, und im Folgejahr zum legendären Rava-See nicht weit vom Dolpo.


Jetzt aktuell: