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Verwaiste Weiher: Jäger schießt Schwanenpaar

"Kollateralschaden" bei der Entenjagd oder Absicht? - "Alles zulässig" - 04.01.2012 17:48 Uhr

Kurz nachdem dieses Foto entstand wurden die Tiere abgeschossen. Warum? Der Jagdpächter gibt dazu keine Auskunft. © Stefanie Heußler/oh


Außerdem gibt es deutlich weniger Enten und Bläßhühner auf den Weihern als noch in der Woche nach Weihnachten. Beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) vermutete man zunächst, dass die Silvesterknallerei die Vögel vertrieben hat. Jetzt steht fest: Die Tiere wurden geschossen.

An den Weihern hat der dort zuständige Jagdpächter eine Entenjagd durchgeführt und auf alles geschossen, was nach dem bayerischen Jagdgesetz abgeschossen werden darf. Laut Gesetz dürfen in den Monaten November bis Februar auch Höckerschwäne gejagd werden. Trotzdem: Welchen Grund gab es für den Waidmann, das einzige Schwanenpaar an den Krugweihern abzuschießen?

Der Jäger will dazu auf telefonische Anfrage keine Auskunft geben und verweist stattdessen auf die Abschussliste der Wasservögel im Freistaat für den Monat Januar: Neben Stockenten sind darin Krick-, Pfeif- und Spießenten aufgeführt, dann Berg-, Reiher- und Tafelenten, Samt- und Trauerenten, Bläßhühner, Höckerschwäne, Graugänse, Bläß-, Saat-, Ringel- und Kanadagänse, sowie Kormorane, außerdem verschiedene Möwenarten.

Nicht alle hier genannten Wasservogel-Arten leben an den Krugweihern in Feucht. Aber alle Krugweiher-Vögel, die sich in der Jagdliste finden, nahm der Jagdpächter nach eigenen Angaben aufs Korn und schoss sie ab.

Die Krugweiher gehören der Marktgemeinde Feucht. Hier hat man erstmals durch unsere Anfrage von der Entenjagd gehört und ist zuerst einmal verwundert, wird doch in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt eine Beobachtung der an den Weihern lebenden Tiere und der Entwicklung der Schilfgürtel vorgenommen. Die Weiherflächen sind nämlich Ausgleichsflächen für die nahe Feucht gebaute ICE-Trasse, hier will man ökologisch wertvolle Areale entstehen lassen und schützen.

Stefanie Heußler, die für die Kommune die Krugweiher beobachtet, hat noch am vergangenen Freitag Fotos von den Schwänen gemacht und sich zwischenzeitlich mit Christine Brahm von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt in Verbindung gesetzt. Deren Fazit: Die Entenjagd war zulässig, der Jäger hat gegen keine gesetzlichen Vorgaben verstoßen.

„Entenjagd ist auch nichts ungewöhnliches“, sagt Christine Brahm, die selbst aus einer Jägerfamilie stammt. Und die Enten stehen beim Monitoring an den Krugweihern ohnehin nicht im Fokus der Naturschützer. Die interessieren sich in erster Linie für Libellen, verschiedene Amphibienarten, den Eisvogel und Schilfbrüter.

Ungewöhnlich ist aber für Brahm, dass der Jäger das Schwanenpaar abgeschossen hat: „Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum er das getan hat.“ Bernd Michl ist Vorsitzender der Ortsgruppe des Landesbunds für Vogelschutz in Feucht. „Das kann doch nicht wahr sein“, kommentiert er die Jagd an den Krugweihern.

Er kann ebensowenig wie Christine Brahm nachvollziehen, warum der Jäger das Höckerschwanen-Paar abschoss, war es doch seit Jahrzehnten das erste Schwanenpaar, das sich an den Weihern niedergelassen hatte.

Die beiden Tiere sind vor rund einem Jahr zugewandert. Weil das Areal südwestlich von Feucht als biologisch außerordentlich interessantes Gebiet gilt, führt der LBV hier regelmäßig Vogelstimmen- und Fledermauswanderungen durch. 

A.B.

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