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Vögel verschwinden

Wilde Gärten sind besserer Lebensraum für Tiere - 13.03.2018 16:55 Uhr

Arnulf und Margarete Goldfuß haben einen naturbelassenen Garten. Dort finden sich viele Wasserstellen, Büsche, Hecken und Sträucher. © Ralf Münch


Der Pegnitzer Heinz Hertel ist ein leidenschaftlicher Vogelfan – seit 25 Jahren ist er Mitglied beim LBV. Seit 15 Jahren geht er mit dem Michelfelder Karl Nürnberger durch den Veldensteiner Forst und reinigt dort Nistkästen. "Was ich bemerke ist, dass die Kästen immer belegt sind. Wir holen da immer genügend Nistmaterial heraus. Ob die Vogelpopulation im offenen Gelände abnimmt, kann ich nicht beurteilen", sagt er. Er bemerkt allerdings, dass auch viele "Höhlenbäume", die durch den Specht geschaffen wurden und auch für viele Tiere als Brutplatz dienen, immer gut besucht werden. "Aber im Garten kann ich das sehr wohl sagen. Es stimmt. Die Vögel werden immer weniger."

Hertel hat nämlich hinter seinem Haus einen Garten. Dort hat er ein Vogelhaus gebaut. Das steht das ganze Jahr dort, denn er füttert immer, außer in der Brutzeit. Er meint, es gebe immer wieder Diskussionen, ob man dauerhaft füttern soll, nur im Winter oder gar nicht. In seinem Garten hat Hertel einen kleinen Ofen stehen, mit dem er das Futter aus Rinderfett und Körnern herstellt. Sein Garten ist etwas verwildert. Rückzugsmöglichkeiten und Brutplätze für die Vögel werden so in Hecken geschaffen. Verschiedene Sträucher und Büsche stehen auch hier, die nicht gestutzt werden und Beeren als Vogelfutter tragen. "Laufen Sie doch mal mit offenen Augen durch Pegnitz und betrachten Sie die Gärten. Die meisten Leute sehen ihren Garten doch nur noch als Verlängerung des Wohnzimmers", sagt er.

Es stimmt schon. Alles ist schön und steril angelegt, für Vögel gibt es hier keine Lebensmöglichkeiten. Oder wie der Pressesprecher der LBV-Landesgeschäftsstelle in Hiltpoltstein, Markus Erlwein, sagt: "Wenn man sich die Gärten heute anschaut, wo alles nur noch mit Steinplatten und Kies ausgelegt ist, dann nützt da ein Vogelhaus auch nichts. Da kommen dann keine. Ich denke, dass es für die Vögel sehr gut wäre, wenn man wieder zu einem naturnahen Garten zurückkommen würde, dass man lauter kleine Naturschutzgebiete errichtet. Man soll sich die Wildnis zurückholen." Er fügt hinzu, dass es nicht gleich beunruhigend sein sollte, dass immer weniger Vögel in den einzelnen Gärten beobachtet werden. Aber der Trend der Rückläufigkeit sei da.

Hertel hat jahrelang die Vogelarten in seinem Garten aufgeschrieben. Früher waren es etwa zwei Dutzend. Dieses Jahr hat er festgestellt, dass es etwa ein Viertel weniger Arten waren. Und auch, dass die Zahl der Vögel der gleichen Art zurück geht. "Den Gartenrotschwanz vermisse ich inzwischen. Genauso wie den Girlitz. Und wo ich früher viele Zaunkönige sah, taucht jetzt kaum noch einer auf", erzählt er.

Heinz Hertel aus Pegnitz in seinem Garten. Auch er sagt: „Die Vögel werden immer weniger.“ © Ralf Münch


Die Gründe, warum das so ist, sind seiner Meinung nach vielfältig. Auch Katzen könnten einer sein. Hertel: "Das ist ein heikles Thema. Ich weiß auch, dass Katzenliebhaber das nicht gerne hören. Und die Katzen können ja auch gar nichts dafür. Das sind halt Raubtiere. Aber ich beobachte immer mehr Katzen hier. Und gerade in Gärten können die, was Vögel betrifft, großen Schaden anrichten."

Das ist ein Argument, das auch die Pegnitzer Arnulf und Margarete Goldfuß anführen. Auch sie haben in der Karl-Bröger-Straße einen Garten. Genauso wie Hertel. Mit vielen Wasserstellen, Büschen, Hecken und Sträuchern. Und verwildert, eben naturnah. Sie lassen, soweit es geht, die Natur machen, was sie will. Und werden dafür mit zahlreichem Vogelbesuch belohnt. Sie haben Insektenhotels gebaut, die auch bewohnt sind. Und die Insekten sind wiederum Futter für die Vögel.

Das Ehepaar hat unterhalb der Firma Diersch-Bau einen Hang gepachtet. Der wird sich selbst überlassen und bietet für verschiedenste Tierarten einen Rückzugsort. Einmal im Jahr machen die beiden eine Veranstaltung, bei der sich Interessierte ihr Vogelfutter selbst herstellen können.

Auch sie berichten, dass sie bei ihren Beobachtungen bemerkt haben, dass die Anzahl der Vögel und der Arten zurück gegangen ist. Margarete Goldfuß: "Als wir in den 80er Jahren hier eingezogen sind, war alles voll mit Vögeln. Früher hatten wir im Winter Seidenschwänze. Schon lange nicht mehr. Früher wimmelte es von Grünfinken. Heuer kein Einziger. Und von den vielen Zeisigen von früher ist nur noch eine kleine Gruppe übrig geblieben."

Das Ehepaar führt auch als Grund die sterilen Gärten an, die inzwischen zur Mode geworden sind. Es gibt heutzutage kaum noch Blühwiesen, da die Wiesen von ihren Besitzern gemäht werden, ohne dass etwas blühen konnte. Somit bleiben auch die Insekten aus.

Wo keine Insekten, da eben keine Vögel. Arnulf Goldfuß meint: "Ich finde, dass es an der Zeit ist, eine Sensibilität zu den Flattermännern aufzubauen. Ihnen ein Refugium zu bilden. Das ist wichtiger als sie durch den Winter zu füttern."

Im Landkreis Bayreuth nahmen 260 Bürger an der Beobachtung teil und registrierten insgesamt zirka 7300 Vögel. Am häufigsten wurde die Kohlmeise, gefolgt vom Feldsperling, der Blaumeise, dem Haussperling und an fünfter Stelle die Amsel beobachtet. Die Beobachtung der Amsel ging dabei zurück. Am 10. bis 13. Mai findet wieder die "Stunde der Gartenvögel" statt. Die Teilnahme ist ganz einfach: Man braucht eine Stunde Zeit und, wenn machbar, ein Fernglas zur besseren Bestimmung der Flattermänner. Die nötigen Unterlagen und Informationen kann man sich auf der Homepage des LBV besorgen: www.stunde-der-gartenvoegel.lbv.de 

RALF MÜNCH

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