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Norbert Förster erzählt nur ganz knapp, was er alles in seinem Leben schon für die Kirche im Dorf getan hat, vom Ministrieren bis zur Dekoration und zum Vorsitz im Pfarrgemeinderat. Es war viel. Und er streift auch die Zeit bei Obi. Der plötzlich veränderte Klang seiner Stimme spiegelt wider, mit welch festem Zugriff er damals im Beruf stand, voll konzentriert.
Seine Kollegen aus den Jahren von 1999 bis 2007 trifft er auch heute noch bei ihrem Jahresessen. Gerade jetzt im Januar erinnert er sich, wie dieser Monat intern als „Saure-Gurken-Zeit“ bezeichnet wurde, nach dem Einkaufsrummel von Weihnachten.
Aber in jenem Jahr 2007 kündigte Norbert Förster und nahm damit ein großes Risiko auf sich. Denn er hätte nach einer missglückten Probezeit im interdiözesanen Priesterseminar von Lantershofen (bei Bonn) auch auf der Straße stehen können.
Ermutigt worden war er vom Leupser Neupriester Matthias Steffl, seinem Jugendfreund, der ihm von dieser Chance erzählt hatte: Ohne Abitur, mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, ist ein Studium möglich. Am Ende stand ein kirchlich, aber nicht staatlich anerkannter Abschluss und eine Zulassungsarbeit über Papst Johannes Paul II..
„Schon in meiner Jugend war ich von Papst Johannes Paul II., seiner Ausstrahlung und seinen Botschaften fasziniert. Allerdings war es nicht nur seine Ausstrahlung, die mich gefesselt hat, sondern auch die Art und Weise, wie er die katholische Kirche in der langen Zeit seines Pontifikates führte. Neben seiner herausragenden Fähigkeit, mit Menschen jeden Standes auf einer Ebene zu kommunizieren, beeindruckten mich vor allem sein starker und tiefer Glaube sowie sein grenzenloses Vertrauen auf Gott.“
Nach der Prüfung, die Norbert Förster mit vielen Spätberufenen ablegte — vom EDV-Fachmann bis zum Krankenpfleger und Schreiner war eine bunte Vielfalt im Seminar — folgen nun zwei Jahre in Stadtsteinach bei Dekan Hans Roppelt. Dieser war in den achtziger Jahren Kaplan in Pegnitz und ist jetzt ein guter Lehrmeister: „Ein patenter Mensch.“
Norbert Förster muss aber bald im Rahmen seiner Pastoralausbildung für drei Wochen in die Krankenhausseelsorge nach Mainz, danach für vier Wochen nach Speyer. Von dort kehrt er zurück nach Stadtsteinach. Er übt dort zum Beispiel Tauf- und Traugespräche, auch den Ablauf von Beerdigungen: „Ich muss ja den Alltag eines Pfarrers kennenlernen.“
Sein Schwerpunkt liegt bei den Ministranten und der Jugend. Ihnen widmet er sich besonders: „Es sind 40 Ministranten und jeder hat seine Geschichte. Durch die Ministrantenarbeit lerne ich auch alle Eltern kennen. Ich finde das total schön.“
Auch versucht er immer, eine Viertelstunde vor Unterrichtsbeginn in der Schule zu sein, „damit ich mit meinen Schülern ins Gespräch, auch außerhalb des Religionsunterrichts, komme: Was macht die Schule, der Lehrvertrag, die Bewerbung, wie geht es zu Hause? Ich möchte den Ministranten wie auch meinen Schülern, das Gefühl geben, das ich für sie da bin und das ich mich für sie auch wirklich interessiere“.
Um jugendmäßig immer „auf dem Stand“ zu sein, ging Norbert Förster bei der letzten Trockauer Kerwa sogar in die Disco. „Das ist wichtig, um zu wissen, wie die Jugendlichen denken.“
Er ist auch in Facebook vertreten. Diese Verbindungen zeigten ihm aber zu Weihnachten etwas Enttäuschendes: Kaum einer der verlinkten Freunde verbrachte nämlich den ersten Feiertag still mit seiner Familie. Jeder war irgendwo für sich beschäftigt. „Und an Weihnachten vor einem Jahr, wo so viel Schnee lag, hab ich kein Kind gesehen, das Schlittenfahren war wie früher wir am Hang gegenüber!“
Computer und Fernsehen verändern. Aber auch die Erwachsenen wandeln sich. Norbert Förster weiß noch, wie überfüllt die Büchenbacher Kirche jeden Sonntag und zu Ostern war, so dass der Ministrantenzug kaum durchkam mit der Osterkerze. Heute sind die Reihen licht.
Aber in Stadtsteinach beobachtet er jetzt das Umgekehrte: Die Menschen gehen wieder in die Kirche. Zu Weihnachten waren es in drei Gottesdiensten 1250 Gläubige. Im Gespräch mit einigen Jugendlichen gestanden ihm diese, dass sie nicht nur wegen des Gottesdienstes kommen, sondern weil sie Ruhe brauchen. „Diesen Ruf dürfen wir nicht überhören.“
Sein Ziel als Priester wird sein, sagt Norbert Förster, wieder Jugendliche für die Kirche zu gewinnen. Dafür will er in Deutschland bleiben, nicht in die Mission gehen. „Deutschland ist ja auch schon Missionsland geworden.“
Leiten lässt er sich dabei von seinem liebsten Bibelwort: „Seid gewiss, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Dies hat er in seinem Leben erfahren. „Ich weiß, dass diese Zusicherung stimmt.“
Hat nun Norbert Förster je bereut, Pfarrer zu werden? Verbunden damit ist ja der Zölibat und die Pflicht, täglich viele Stundengebete einzuhalten, auch im Urlaub. „Ich bin glücklich und froh, dass alles so läuft“, sagt er. Er nimmt diese Gebetspflicht positiv: „Ich such mir da immer einen Satz raus, den ich beherzige, zum Beispiel ,Hilf uns heute, ohne Sünde vor Dir zu leben‘, oder: ,Hilf uns, jeden so anzunehmen, wie er ist‘. Man ist ja auch nur ein Mensch und ärgert sich über den einen oder andern.“
Und die Ehelosigkeit? Norbert Förster akzeptiert sie problemlos und würde auch nicht heiraten, wenn der Zölibat aufgehoben würde. „Denn eine Familie kann bereichern, aber sie kann auch hemmen, wenn man ganz für seine Gemeinde da sein will. Ich will frei sein für den Glauben und für die Gemeinde.“



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